Zum Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Widerstand im Dritten Reich

/ / Bild: rook76 / Shutterstock

Dietrich Bonhoeffer – ein Mann, der für seinen Glauben und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus lebte. Heute vor 75 Jahren wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Seine Geschichte und sein Handeln beeindruckt die Menschen noch heute.

Sein Leben

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Als 17-jähriger Abiturient begann er ein Theologiestudium in Tübingen. Mit dem Examen in der Tasche ging der junge Absolvent dann ein Jahr als Vikar, Stellvertreter eines geistlichen Amtsträgers, in eine deutsche Gemeinde in Barcelona. Bereits hier begeisterte er die Menschen mit seinen Predigten und seiner Lebenseinstellung. Aber nicht nur er veränderte die Menschen in seinem Umfeld. Er selbst und seine Theorien wurden ebenfalls von seinen Mitmenschen beeinflusst. 

“Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen, und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.”

Dietrich Bonhoeffer

Neue Ansichten

Seine wissenschaftliche Laufbahn führte den Theologen an die unterschiedlichsten Orte der Welt. Geprägt hat Dietrich Bonhoeffer vor allem der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten während der Weltwirtschaftskrise (1929), “wo er auf eine, für einen großbürgerlichen deutschen Lutheraner, ganz andere Form evangelischen Glaubens gestoßen ist. Mit Gottesdiensten, mit ganz unbekannter musikalischer Untermalung, mit dem, was man ‘Social Gospel’ nennt, also einer Gemeinschaft des Glaubens, die gleichzeitig aber auch eine Gemeinschaft sozialer Hilfe ist” erklärt Dr. Thomas Schlemmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München. In Amerika konnte Bonhoeffer auch die Auswirkungen von Rassismus beobachten. “Und das ist sicher nicht ohne Folgen geblieben für seine Perzeption rassistischer, nationalsozialistischer Politik”, so Dr. Schlemmer. 

“Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.” 

Dietrich Bonhoeffer

Nach Hitlers Machtergreifung (1933) beschloss Bonhoeffer, gegen den Nationalsozialismus zu wirken. Das versuchte er lange durch sein Handeln innerhalb der Kirche. Er leitete illegale Predigerseminare in Finkenwalde, in denen er jungen Theologen vieles über gewaltlosen Widerstand lehrte. Schließlich war es Dietrich Bonhoeffers aktiver politischer Widerstand, der zu seiner Hinrichtung im Konzentrationslager in Flossenbürg führte – kurz vor der Befreiung der US-Armee und dem Ende des Krieges. 

“Denken und Handeln im Blick auf die kommende Generation, dabei ohne Furcht und Sorge jeden Tag bereit sein zu gehen – das ist die Haltung, die uns praktisch aufgezwungen ist und die tapfer durchzuhalten nicht leicht, aber notwendig ist.” 

Dietrich Bonhoeffer

#menschbonhoeffer

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Kreativaktion zu „Von guten Mächten..“

Auch heute, nach seinem Tod, fühlen sich junge Menschen von der Person Dietrich Bonhoeffer angezogen. Die evangelische Jugend Bayern (EJB), hat deshalb eine Jugendbegegnung auf die Beine gestellt mit dem Titel “mensch.bonhoeffer”. Seit über 30 Jahren findet diese bei der KZ Gedenkstätte in Flossenbürg statt, wo junge Christ*innen aus aller Welt gegen rechts und für mehr Toleranz und Verständigung eintreten. Bei Gesprächen und Diskussionen besteht so die Möglichkeit, sowohl mit Überlebenden des KZ, als auch mit Jugendlichen anderer Länder in Kontakt zu treten. Durch die aktuelle Lage während der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung jedoch abgesagt werden. Das Projekt geht auf Social Media aber weiter. Die EJB hat daher dazu aufgerufen unter #menschbonhoeffer ein Video einzuschicken, bei dem der berühmte Text “Von guten Mächten” gesungen, rezitiert oder auf einem Instrument gespielt wurde. In einer weiteren Aktion geht es aber auch darum, was jungen Leuten konkret zu Dietrich Bonhoeffer einfällt und was sie mit diesem verbinden: 

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Persönliche Eindrücke zu Dietrich Bonhoeffer- eine Aktion der Ejb

Mensch oder Heiliger? – Faszination Bonhoeffer

Was all diese Stimmen eint, ist der große Respekt, welcher gegenüber dem Theologen zum Ausdruck kommt. Die Person Dietrich Bonhoeffer ist “in der Lebenswelt [sic.] der Jugendlichen nachvollziehbar. Das ist eigentlich ihre Lebenswirklichkeit”, sagt Benjamin Greim, Religionspädagoge und Referent für das Amt für Jugendarbeit beim EJB. Für viele in der christlichen Gemeinde ist Dietrich Bonhoeffer sogar ein Heiliger: “Ich denke, dass Dietrich Bonhoeffer eine authentische, christliche Figur war, insofern als er die Einheit von Glauben, Denken und Handeln personifiziert hat. Er hat ja sehr früh erkannt, was Nationalsozialismus bedeutet, nämlich Krieg!”, erklärt Dr. Schlemmer.   

Benjamin Greim, Referent bei der EJB (Bild: B. Greim)

Für viele ein Vorbild – in der Vergangenheit aber besonders heute 

Auch im Jahr 2020 lassen sich Lehren aus dem Schicksal Bonhoeffers ziehen. Für Dr. Schlemmer sind das ein unabhängiges Urteil und die Fähigkeit, sich nicht verbiegen zu lassen. Auch Benjamin Greim verortet das Vermächtnis von Dietrich Bonhoeffer vor allem in der politischen Sphäre. Dass Glaube und politisches Handeln keine Gegensätze darstellen, gerade jetzt in Zeiten von Populismus und grassierendem Rechtsextremismus, lässt sich, nach Ansicht von Benjamin Greim, an der Biografie Bonhoeffers sehr gut ablesen. Für Dr. Schlemmer ist klar, dass Verantwortung nicht immer der einfachste Weg ist und, “dass es vielleicht manchmal leichter ist die Augen zuzumachen vor dem was man als Missstand begreift. Das dies auch durchaus von Furcht um den eigenen Wohlstand, und um das eigene Wohlbefinden getrieben ist. Aber Dietrich Bonhoeffer hat eben genau dies nicht getan und hat es letztlich mit dem Leben bezahlt.”  

“Wo noch Hoffnung ist, da ist kein Unterliegen.” 

Dietrich Bonhoeffer