Fünf Jahre Foodhub
Ein Supermarkt, der seinen Kund:innen gehört
Ein Laden, in dem Kund:innen Regale einräumen, Käse schneiden und trotzdem gerne wiederkommen? Der Foodhub in Giesing zeigt seit fünf Jahren, dass Einkaufen auch gemeinschaftlich funktionieren kann. Theresa Detterbeck hat einen Vormittag lang mitgemacht.
Es ist kurz vor acht Uhr, als im Foodhub München die ersten Mitglieder zur Mitarbeitsschicht eintreffen. Der Supermarkt hat noch geschlossen, doch im Laden beginnt bereits der Betrieb. Die erste Lieferung ist angekommen: Es werden Paletten abgeladen, Waren kontrolliert und Aufgaben verteilt. Zwischen Teewurst, Erdbeermarmelade und Fertigcocktails bekommt man dabei einen ziemlich guten Einblick, wie ein Supermarkt hinter den Kulissen funktioniert.
Nicht irgendein, sondern dein Laden
Seit fünf Jahren verfolgt der Mitmachsupermarkt ein ungewöhnliches Prinzip: Wer hier einkauft, wird zugleich Miteigentümer:in. Mit einem Anteil von 30 Euro beteiligt man sich an dem genossenschaftlich organisierten Laden und erhält eine Einkaufsberechtigungskarte. Damit unterscheidet sich der Foodhub grundlegend vom klassischen Supermarkt. Die Mitglieder sind nicht nur Kund:innen, sondern gestalten den Laden mit.
Jedes Mitglied übernimmt etwa alle vier Wochen eine rund dreistündige Mitarbeitsschicht. Die Helfer:innen kassieren, räumen Regale ein, sortieren Gemüse, prüfen Bestände, putzen oder helfen im Büro. Was zunächst nach zusätzlicher Arbeit klingt, wird für viele Mitglieder zu einer wichtigen Gemeinschaft. Im Foodhub lernt man Menschen kennen, die man im normalen Supermarkt vermutlich nie treffen würde. Hier kommen Mitglieder aus unterschiedlichen Lebensphasen und mit verschiedenen Hintergründen zusammen. Nicht alle wohnen direkt im Viertel. Viele fahren auch mit von weiter her, weil sie von dem Konzept überzeugt sind.

Eine von ihnen ist Yvonne. Sie arbeitet regelmäßig in derselben Schicht. Dadurch kennt sie die anderen Mitglieder, die freitagmorgens mit ihr arbeiten. Man fragt sich, wie es geht, erzählt vom Urlaub und bringt sich die Supermarkt-Skills (effizientes Einräumen) gegenseitig bei. „Dann gehst du nicht in irgendeinen Laden einkaufen, sondern du gehst in deinen Laden einkaufen“, schwärmt Yvonne. Genau das scheint einen Unterschied zu machen: Wer selbst Regale einräumt oder putzt, schaut beim nächsten Einkauf vielleicht auch genauer hin, ob alles ordentlich steht.
Auch außerhalb der Schichten ist der Foodhub ein Ort der Begegnung. Es gibt einen Chor, eine Werkzeugausleihe, Grünfutter für Kleintiere, Workshops und weitere Möglichkeiten zum Austausch.

Bio, regional und möglichst unverpackt
Der Foodhub versteht sich als Gegenentwurf zur Abhängigkeit von großen Handelsketten. Angeboten werden ausschließlich Bio-Produkte, viele davon unverpackt, wie etwa Nudeln oder Spülmittel. Gleichzeitig setzt die Genossenschaft auf faire Beziehungen zu Produzent:innen. Viele Lieferant:innen kommen aus der Region; Besuche auf deren Höfen gehören ebenfalls zum Programm.

Trotz des Bio-Anspruchs sollen die Preise mit klassischen Biomärkten vergleichbar bleiben, teilweise liegen sie sogar darunter. Möglich macht das neben der Mitarbeit der Mitglieder auch die niedrige Gewinnabsicht des Foodhubs. Bezahlt werden müssen laufende Kosten sowie die Gehälter der wenigen Festangestellten.
Fünf Jahre und noch viele mehr
Zur Geburtstagswoche war ein großes Programm geboten, von Gesprächen mit den Produzent:innen bis zum Disco-Shopping. Geöffnet war der Foodhub während der Jubiläumswoche auch für Menschen, die bisher keine Mitglieder sind. Sie konnten das Sortiment kennenlernen und ausprobieren, wie ein Mitmachsupermarkt funktioniert. Und das Angebot wurde gut angenommen: Über die Woche hinweg war der Foodhub durchwegs gut besucht.

Und das Interesse ist nicht nur in Giesing groß. Nach fünf Jahren soll das Konzept jetzt weiter wachsen. Ein zweiter Standort in Schwabing ist geplant. Damit könnte die Idee des gemeinschaftlich organisierten Supermarkts noch mehr Menschen in München erreichen. Aktuell besteht in Schwabing bereits eine Einkaufsgemeinschaft, die nun auch einen eigenen Laden suchen.
Der Foodhub zeigt: Ein Supermarkt kann mehr sein als Regale, Kassen und Einkaufswagen. Er kann ein Ort sein, an dem Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen: für Lebensmittel, Produzent:innen und für einander.