“Came back when it mattered?” – Der komplett überflüssige “TOY STORY 5”

/ / Jessie, Buzz und Woody sind zurück. Bild: Disney/Pixar

Am 23. Juli kommt der mittlerweile fünfte Teil der “Toy Story” Franchise in die deutschen Kinos. Neben heiß antizipierten Popstar-Hymnen befasst sich der Film mit dem Neuankömmling im Kinderzimmer: dem Tablet. Das Ergebnis ist eine Geschichte, der zwar in Sachen Technologie die richtigen Fragen stellt, sonst aber seicht und überflüssig wirkt. Eine Rezension.

“You’ve got a friend in me” – diese Liedzeile von Randy Newman fasst die Handlung und auch die Grundstimmung der ersten “Toy Story” Filme perfekt zusammen. Die Geschichte von der Verbindung, die Kinder zu ihren Spielzeugen spüren kam 1995 bei Zuschauer:innen und Kritiker:innen gleichermaßen gut an. Satte 31 Jahre später präsentiert Disney nun den fünften Teil dieser mittlerweile sehr profitablen IP. Die Handlung ist denkbar simpel: Bonnie, die die allseits bekannte Gruppe von Spielzeugen von Andy geerbt hat, bekommt von ihren Eltern ein Tablet geschenkt. Fortan interessiert sie sich nur noch für die virtuellen Spiele, und Jessie, Buzz und Co. bleiben links liegen. Insbesondere Jessie ist entschlossen, Bonnie wieder zu den analogen Spielsachen zurückzubringen. Der Grund: auch Jessie gehörte vor Bonnie einem anderen Kind, welches sie mit der Zeit vergaß und nicht mehr mit ihr spielte. Diese altbekannte Prämisse aus dem Toy Story Universum wird in “Toy Story 5” erneut aufgezogen – mit mangelndem Erfolg.

Jessie (Joan Cusack) stellt Lilypad (Greta Lee) zur Rede. Bild: Disney/Pixar.

NOCHMAL? NA GUT…

Disney erhoffte sich von “Toy Story 5” ein erneutes Aufflackern von Interesse an der Vorzeige-Franchise: der letzte Teil liegt immerhin schon 7 Jahre zurück. Gelungen ist ihnen das eher mittelmäßig. Absolute diehard Disney-Fans werden dem Film vielleicht noch etwas abgewinnen können, aber über den Nostalgie-Bonus hinaus bietet “Toy Story 5” nicht viel Relevantes. Es wirkt (wie zurzeit so oft), als wäre die Entscheidung über einen fünften Teil rein aus finanziellen, nicht aber kreativen Gründen gefallen. Der Plot weist viele Löcher und unsinnige Handlungsstränge auf, wie etwa eine B-Story, die vor allem für Fans vom Spinoff “Lightyear” (und sonst wirklich niemanden) interessant ist. Auch das krampfhafte Zurückholen von Sherrif Woody (Tom Hanks) ergibt keinen Sinn, denn eigentlich hatte sich ja dieser im vierten Teil aus der “Kinder werden erwachsen und vergessen mich”-Mühle befreit und lebt nun als “lost toy” fernab von seinen Freunden. Doch es wäre wohl kein “Toy Story”-Film ohne Woody, und daher muss Tom Hans nocheinmal ran, um die alte Rivalität zwischen ihm und Buzz (Tim Allen) erneut auszuschlachten.

Die Rivalität zwischen Woody (Tom Hanks) und Buzz (Tim Allen) wird wieder gehörig ausgeschlachtet. Bild: Disney/Pixar.

STYLE OVER SUBSTANCE

Visuell ist “Toy Story 5” ein absoluter Augenschmaus. Die gestochen scharfe Animation hat im fünften Teil der Franchise einen neuen Höhepunkt erreicht. Manche Hintergründe sind so detailliert, dass sie fast wie Fotos wirken. Die Szenen auf der von goldenem Licht durchfluteten Weide sind ein besonderer Höhepunkt. Doch auch dieser Qualitätssprung zeigt, wie wie viel Zeit mittlerweile vergangen ist. Der ursprüngliche “Toy Story”-Film war der erste, vollständig am Computer animierte Spielfilm, und behält bis heute einen Charme, mit dem die glatte, fast zu perfekte Animation des fünften Teils nicht mithalten kann.

Die Details sind atemberaubend – und etwas zu perfekt. Bild: Disney/Pixar.

MEET “LILYPAD” – ALWAYS LISTENING

Eine Thematik, die der Film gut hinbekommt, ist das Auftauchen von Technologie im Kinderzimmer. Das “Lilypad” wirkt so harmlos und kindgerecht, dass man die anfängliche Begeisterung von Bonnies Eltern durchaus verstehen kann. Doch die runden Froschaugen haben etwas Beunruhigendes an sich, und schnell wird klar, dass Lilypad Bonnie zwar fasziniert, aber auch viele negative Seiten mit sich bringt. Der Film schafft es, düstere Themen wie etwa Gruppenzwang, Cybermobbing und Mediensucht auf eine behutsame und dennoch dringliche Weise zu thematisieren. Fairerweise muss man sagen, dass dies die einzige Richtung war, in die Disney mit “Toy Story 5” noch hätte gehen können: die ersten drei Filme befassen sich schon mit den Themen Verlust, Erwachsenwerden, Neubeginn und Ersetztwerden. Die Technologie als Antagonisten zu casten war der einzig mögliche nächste Schritt, um noch krampfhaft etwas Neues, aktuell Wirkendes aus einer altbekannten Geschichte zu pressen.

Lilypad (Greta Lee) sorgt dafür, dass die analogen Spielzeuge links liegen gelassen werden. Bild: Disney/Pixar

HUMOR? EHER FREMDSCHAM

Besonders der Humor von “Toy Story 5” enttäuscht die Zuschauer:innen. Die Erfolgsformel der Disney- und Pixarfilme in der Vergangenheit lautete wie folgt: spannende, tiefgründige Themen; verpackt in kindgerechter Animation; mit dem ein oder anderen eingestreuten Witz, den nur die Erwachsenen verstehen. Diese Formel ging von mal zu mal auf und zementierte den Status der Filme als Medium, welches von Eltern und Kind gleichermaßen geliebt und gerne geschaut wird. Es scheint allerdings, als hätten die Execs diese Maxime allesamt vergessen. Der Humor in “Toy Story 5” ist banal, in-your-face und an vielen Stellen einfach nur unnötig vulgär. Diese explizite Art der Comedy wirkt zwischen den wenigen tiefgründigen Momenten fehl am Platz, und verursacht bestenfalls ein genervtes Augenrollen.

Der Humor in “Toy Story 5” bewegt sich kaum über das “Warum trägt Woody ein Kleid?”-Level hinaus. Bild: Disney/Pixar

NOSTALGIA BOMB

Es scheint, als hätte Disney schon geahnt, dass “Toy Story 5” nicht mehr genug Substanz innehat, um allein durch die Geschichte das Publikum zu verzaubern. Das erklärt auch die Tatsache, dass mit der mittlerweile fast ubiquitären Taylor Swift ein Megastar ins Boot geholt wurde, um ein Lied für die End Credits zu schreiben. Genau darin liegt das Kernproblem von “Toy Story 5”: die Gehaltlosigkeit der mittlerweile zu Tode erzählten Geschichte wird mit krampfhafter Nostalgie und bodenlosem Witz übertüncht. Manche Thematiken und Szenen packen kurz die Herzen der Zuschauer:innen, doch insgesamt kann man sich diese 102 Minuten getrost sparen. Der Film ist der perfekte Beweis, warum alles nach der Trilogie einen eher faden Beigeschmack hat. Denn mal ganz ehrlich: “Der fünfte war mein absoluter Lieblingsfilm!” hört man doch eher selten.

“Toy Story 5” kommt am 23. Juli 2026 in die deutschen Kinos.

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Offizieller Trailer zu “Toy Story 5”