Fußballstadien in München

Aus drei mach zwei

/ / Bild: M94.5/Johanna Hager

Fußball in München abseits von FC Bayern und TSV 1860 – das gabs höherklassig zuletzt genaugenommen nur außerhalb der eigentlichen Stadtgrenzen. Doch mit Türkgücü München stößt seit langem mal wieder ein dritter Münchner Stadtverein in den Profifußball und macht damit auf ein großes Problem in der Stadt aufmerksam.

Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße gilt in München allgemein vor allem als Heimat des TSV 1860 München – nicht umsonst ist es auch als Sechzgerstadion bekannt. Noch 2006 gab es Pläne, das altehrwürdige Stadion im Stadtteil Giesing abzureißen. Heute dürfte die Stadt froh darüber sein, dass es nicht dazu kam, denn die Vereine streiten sich bei der Stadt darum, wer im Grünwalder Stadion spielen darf. Und so wirft der geplante Umbau und der mögliche Aufstieg des Regionalligisten Türkgücü München die Frage nach weiteren städtischen Spielstätten auf.

Türkgücü stellt die Stadt vor Probleme

Der Verein aus Berg am Laim hat in den letzten zehn Jahren einen Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Regionalliga hingelegt – und legte damit den Mangel an Sportstätten in München offen. Schon in der Bayernliga musste Türkgücü in das Umland nach Heimstetten ausweichen. Dort spielten sie auch noch diese Saison bis zur Winterpause in der Regionalliga, denn der Sportpark Heimstetten erfüllt die Voraussetzungen dafür. Dazu gehört vor allem Platz für mindestens 2.500 Zuschauer. Nach dem Grünwalder Stadion gibt es in München hingegen kein anderes städtisches Stadion, das aktuell für Fußball genutzt wird und groß genug wäre.

Generell leiden Fußballvereine in München unter dem Mangel an Spielstätten. Nach einer Umfrage des Bayerischen Fußballverbands aus dem letzten Jahr beklagen 80 Prozent von ihnen fehlende Trainings- und Spielzeiten auf städtischen Anlagen. Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass es neben Türkgücü und der zweiten Mannschaft von 1860 keine Münchner Mannschaft von der Landesliga bis zur Regionalliga Bayern gibt. Immerhin scheint das Problem bei den Verantwortlichen bereits angekommen zu sein, denn Verband und Stadt haben deshalb bereits einen gemeinsamen Koordinator für den Amateurfußball in München eingeführt. Die Stelle ist aktuell allerdings noch ausgeschrieben. Bis heute gibt es in München neben dem Grünwalder Stadion allerdings kein Stadion oder Sportplatz, in dem Bayernliga gespielt werden könnte.

Die Stadt stellt Türkgücü vor Probleme

Nach langen Diskussionen mit der Stadt durfte Türkgücü dieses Jahr ins Grünwalder Stadion umziehen und verdrängte damit die Frauenmannschaft des FC Bayern. Doch damit ist das Stadionproblem des Vereins nur kurzfristig gelöst. Türkgücü will in die Dritte Liga aufsteigen und als Tabellenführer mit neun Punkten Vorsprung stehen die Chancen dafür aktuell nicht schlecht. Genau dieser Aufstieg könnte den Verein aber wieder heimatlos machen. Denn dann würden drei Mannschaften aus der dritten Liga im Grünwalder Stadion spielen. Für den DFB, der für den Spielplan der Liga zuständig ist, ist das kaum realisierbar. Möglichen Plänen Türkgücüs nach Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz auszuweichen erteilte der Verband aber ebenfalls bereits eine Absage. Sollte Türkgücü in der kommenden Saison in der dritten Liga spielen wollen, muss also eine andere Lösung gefunden werden. Die Stadt München schreibt hierzu gegenüber M94.5:

Im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens findet […] derzeit ein intensiver Austausch mit den drei bewerbenden Vereinen/Mannschaften statt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Erst nach abschließender Klärung werden die entsprechenden Nutzungsverträge für die Saison 2020/2021 ausgefertigt.

Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport

Der Umbau stellt alle vor Probleme

Auch über der Westkurve des Grünwalder Stadions soll es künftig ein Dach geben. Bild: M94.5/Johanna Hager

Unabhängig davon, welche der drei Mannschaften in der kommenden Saison möglicherweise umziehen muss: Sobald das Stadion an der Grünwalder Straße umgebaut wird, müssen alle Vereine raus und sich übergangsweise eine neue Heimat suchen. Dabei kommen, zumindest theoretisch, mehrere Möglichkeiten in Frage. Auch hier will die Stadt bislang nicht konkret werden.

Im Falle eines Umbaus […] über die der Stadtrat erst noch entscheiden muss, müssten erst noch verschiedene Ausweich-Optionen gemeinsam mit den derzeit nutzenden Vereinen geprüft werden.

Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport

Die Alternativen

Sportpark Unterhaching

Die Löwen sind hier nicht willkommen. Bild: M94.5/Justin Patchett

Die einfachste Lösung für alle drei Vereine wäre es wohl jeweils, nach Unterhaching auszuweichen oder komplett umzuziehen. In den Sportpark passen wie auch ins Grünwalder Stadion 15.000 Zuschauer und langfristig plant die SpVgg Unterhaching, das Stadion komplett zu überdachen und damit auch die Anforderungen für die zweite Bundesliga zu erfüllen. Doch zumindest ein Verein scheint in Unterhaching nicht besonders willkommen. Mitte Februar gab die SpVgg eine Pressemitteilung heraus. Darin hieß es:

[…] Das Präsidium stellt hierzu für den Fall einer Übernahme des Stadions klar: Eine dauerhafte oder auch zeitweise Untervermietung an den TSV 1860 München wird es nicht geben.

Pressemitteilung der SpVgg Unterhaching vom 11.02.2020

Interessant ist dabei aber, dass der Sportpark aktuell eben noch nicht der SpVgg, sondern der Gemeinde Unterhaching, gehört. Das soll sich zwar ändern, einen Vertrag darüber haben beide Seiten allerdings noch nicht unterschrieben. Da es aber bereits Proteste von Anwohnern gegen mögliche Spiele des TSV 1860 in Unterhaching gab, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass die SpVgg das bereits im Vorfeld ausschließen musste, um den Deal mit der Gemeinde nicht zu gefährden. Zumindest ist es auffällig, dass Türkgücü und die zweite Mannschaft der Bayern, die ja potentiell ebenfalls nach Unterhaching ausweichen könnten, mit keinem Wort erwähnt werden. Hier verweist die SpVgg gegenüber M94.5 darauf, dass das Stadion noch der Gemeinde gehört und man daher gar nicht entscheiden kann, wer darin spielt.

Vor allem die zweite Mannschaft der Bayern wäre den Anwohnern des Sportparks deutlich leichter zu vermitteln, als die „Sechzger“, kommen dort doch deutlich weniger Zuschauer. So waren es in dieser Saison im Schnitt bisher etwas mehr als 2.500 Zuschauer bei den Spielen der sogenannten „Bayern Amateure“. Bei 1860 sind es aktuell knapp 15.000. Für die Bayern spricht aber auch ein anderes Argument: schlicht und ergreifend Geld. Wenn die SpVgg den Sportpark von der Gemeinde übernehmen und anschließend für die zweite Liga überdachen will, dürfte das nicht billig werden. Geld, dass der Vorstadtklub trotz des Börsengangs letzten Sommer wohl nicht so einfach hat. Für den FC Bayern mit einem Umsatz von zuletzt mehr als 750 Millionen Euro hingegen wohl weniger ein Problem. So könnten die Bayern sich finanziell am Stadionausbau beteiligen, wenn im Gegenzug ihre zweite Mannschaft dauerhaft dort spielen darf.

Dantestadion

Football statt Fußball heißt es aktuell im Dantestadion Bild: M94.5/Florian Gut

Das Städtische Stadion an der Dantestraße im Stadtteil Gern war nach dem Olympiastadion und dem Grünwalder Stadion lange Zeit Münchens drittgrößtes Fußballstadion. Dabei war es die Heimstätte der Vorgängervereine von Türkgücü, aber auch der Frauenmannschaft des FC Bayern. Seit 2006 wird das Stadion hauptsächlich für American Football und Leichtathletik genutzt. Bis 2021 wird es noch renoviert. Daran scheiterte bereits der Plan Türkgücüs, das Dantestadion für die Regionalliga zu nutzen. Da es dabei von 12.000 auf unter 5.000 Zuschauer zurückgebaut wird, kommt es für die dritte Liga künftig eh nicht mehr in Frage.

Olympiastadion

Ohne Dach inzwischen noch nicht mal zweite Liga. Bild: M94.5/Florian Gut

Noch bis 2005 spielten hier der FC Bayern und teilweise auch der TSV 1860 Bundesliga. 15 Jahre später dürfte es für die Münchner Vereine wohl höchstens eine kurzfristige Alternative sein. Denn sowohl 1860 als auch Türkgücü haben mittel- bis langfristig Ambitionen auf die zweite Bundesliga. Dort verlangt die Deutsche Fußball Liga inzwischen aber ein komplett überdachtes Stadion. Ein Ausbau des Stadions dürfte wie schon vor gut 20 Jahren wegen Denkmalschutz und Urheberrechten eher unwahrscheinlich sein, zumal das Grünwalder Stadion ja bereits zweitligatauglich gemacht werden soll. Für die zweite Mannschaft der Bayern wäre das Olympiastadion schlicht viel zu groß.

FC Bayern Campus

Für die dritte Liga zu klein Bild: M94.5/Florian Gut

Als Teil des 2017 errichteten Nachwuchsleistungszentrums der Bayern an der Ingolstädter Straße sollte das Stadion dort den Jugendmannschaften des Vereins als Heimstätte dienen. Inzwischen sind dort aber auch die Frauen des FC Bayern untergebracht. Mit Platz für 2.500 Zuschauer erfüllt es die Anforderungen des DFB an die Frauen-Bundesliga. Für die „Bayern Amateure“ wäre es hingegen aktuell zu klein. Sie bräuchte als zweite Mannschaft in der Dritten Liga mindestens Platz für 5.000 Zuschauer. Für 1860 und Türkgücü kommt es sowieso nicht in Frage, sie brauchen Platz für 10.000 Zuschauer. Ganz zu schweigen davon, dass die Bayern ihr Campus-Stadion wohl eher nicht an die Konkurrenz vermieten.

Allianz Arena

Für die dritte Liga eigentlich zu groß Bild: M94.5/Florian Gut

Für den FC Bayern wohl die absolute Notlösung für seine zweite Mannschaft. Sollten alle anderen Alternativen scheitern, bleibt dem Verein aber wohl nichts anderes übrig als auch mit den „Amateuren“ in der Arena zu spielen, mag der Platz für 75.000 Menschen bei durchschnittlich 2.500 Zuschauern noch so übertrieben wirken. Und selbst wenn der FC Bayern es noch schaffen sollte, sein Stadion am Campus auf 5.000 Plätze auszubauen und damit für die „Amateure“ drittligatauglich zu machen, ist die Allianz Arena damit noch nicht aus dem Spiel. Denn die Anforderungen für die dritte Liga sehen vor, dass zweite Mannschaften ein größeres Stadion brauchen, falls mehr Zuschauer zu den Spielen kommen. Und das wäre zumindest beim Derby gegen 1860 der Fall. Doch auch hier werden die Bayern wohl auch übergangsweise nicht an die „Sechzger“ oder Türkgücü vermieten.

Andere Möglichkeiten

Der von Türkgücü medial in Szene gesetzte mögliche Umzug in eine Stadt außerhalb Bayerns ist nach der Absage des DFB gescheitert. Und auch für die „Sechzger“ sieht es nicht besser aus. Sie suchten innerhalb Bayerns nach Ausweichorten, kassierten neben der Absage aus Unterhaching auch bereits Körbe aus Ingolstadt, Regensburg und Augsburg.

Fazit

Egal wie die Stadt München und die Vereine das Problem für die kommende Saison und anschließend den Umbau des Grünwalder Stadions lösen: Es gibt einen offensichtlichen Mangel an kommunalen Spielstätten in München. Zum Vergleich: In Köln gibt es drei Stadien, die mindestens drittligatauglich sind, alle in kommunaler Hand. In Berlin sind es sogar fünf davon. Die Stadt München kann im Gegensatz dazu Vereinen noch nicht mal eine Spielstätte für die füntklassige Bayernliga anbieten.