MUSIKINTERVIEW

Psychedelia gegen den Algorithmus – ein Gespräch mit Helicon

/ / Foto: Helicon

Helicon sind derzeit auf Europa-Tour und präsentieren ihr im Februar 2026 erschienenes Album ARISE. Mit ihrem Auftritt im Milla-Club in München markiert die Band den vorerst letzten Stopp in Deutschland. M94.5 war dabei und hat vorab mit Frontman John-Paul Hughes gesprochen.

Mit Keyboard, Loop-Station, Windspiel, Sitar und etlichen weiteren Instrumenten füllt die siebenköpfige Band Helicon die Bühne. Sanfter Gesang und sich langsam aufbauende Instrumentalpassagen legen eine dichte Atmosphäre über den Raum, während elektronische Beats das Publikum zum Kopfnicken und Tanzen bringen. Die Einflüsse klassischer Psychedelia sind deutlich hörbar – gleichzeitig wirken Arrangements und Sounddesign so, als wolle die Band die vertrauten Referenzen bewusst weiterdrehen. 

Ähnlich beschreibt es auch John-Paul Hughes, Leadsänger und Mitbegründer der Band. Im Gespräch mit M94.5-Redakteurin Luka Beck erzählt er von der musikalischen Übersetzung von Gefühlen, dem bewussten Ausbrechen aus Algorithmen, dem Tourleben als Großgruppe und der Herausforderung, ein Album mit neun Beteiligten zu produzieren.

das Interview mit John-Paul Hughes im Milla Club, München (Englisch)

Gegründet wurde Helicon 2009 von den Brüdern John-Paul und Gary Hughes im schottischen East Kilbride bei Glasgow. In der aktuellen Besetzung spielen neben den beiden Gitarristen und Sängern sieben weitere Musiker:innen. Mit Sängerin und Percussionistin Anna McCracken, Mark McLure und Billy Docherty am Bass, Gitarrist Mike Hastings, Graham Gordon an Sitar und Synthezier, Drummer Seb Jonsen und Singer-Songwriter Declan Welsh experimentiert die Gruppe als Team. In wechselnden Konstellationen arbeiten sie gemeinsam an Songs und Arrangements. 

Musikalisch bewegt sich Helicon zwischen Psychedelia, Electronica und experimenteller Rockmusik. Gitarren, Sitar und verschiedene elektronische Elemente verschmelzen dabei zu einem Sound, der gegenkulturelle Einflüsse mit moderner Produktion verbindet – nicht nur in der Musik, sondern auch in ihren Visuals. 

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Auch auf dem neuen Album ARISE zeigt sich diese Verbindung aus Referenzen an die Vergangenheit und zeitgenössischen Produktionstechniken auf. Viele Stücke setzen weniger auf klassische Strophe-Refrain-Strukturen und arbeiten stattdessen mit repetitiven Motiven und langsam wachsenden Klangschichten. Es ist das inzwischen vierte Album der Band und entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Al Lover aus Los Angeles, der in der Szene vor allem mit Trip-Hop, Dub und Dark ambient verbunden wird. 

Als Symbiose unterschiedlicher musikalischer Kontexte und Expertisen steht ARISE für Experimentierfreude, Genre-übergreifendes Denken und kreative Vernetzung. 

Während die ersten drei Helicon-Alben größtenteils instrumental waren, arbeitet das aktuelle Album deutlich stärker mit Gesang und Texten. Hughes sagt, ihm gehe es diesmal darum, Themen wie Empathie, Authentizität und zwischenmenschliche Verbindung stärker zu betonen. Das Ergebnis sind Tracks, die stark auf Experimente mit Form und Klang setzen und sich eher über Atmosphäre als über Hooks definieren.

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