Konzertbericht

We Belong Together: Harry Styles ist zurück auf Tour

/ / Bild: Zala Anžin

Am 16. Mai hat die Together Together Tour von Harry Styles in Amsterdam begonnen. Nach dem Ende seiner Love On Tour 2023 konnten Fans es kaum erwarten, Harry wieder auf der großen Bühne zu sehen. Zwar gab es zwischendurch vereinzelte One-Night-Only-Auftritte, allerdings war der Beginn der Tour das Comeback, worauf Fans weltweit lange gewartet haben. Für die zwölf Konzerte hat Amsterdam fast einen Monat lang Hunderttausende Fans willkommen geheißen. Vorfreude und Aufregung waren dabei schon Tage vor der ersten Show in der ganzen Stadt zu spüren. 

Fans aus der ganzen Welt sind schon Tage vorher angereist. Einige haben in Vorbereitung auf die erste Show sogar mehrere Nächte vor der Johan Cruijff Arena verbracht, um einen guten Platz nah an der Bühne zu bekommen. 

Egal, wohin man in Amsterdam schaute, hat man Fans in Merch gekleidet gesehen. Es gab auch Pop-ups, thematisch passend zum Album sowie zu Harrys Eigenmarke Pleasing. Dass die Stadt voller Fans war, hat man spätestens dort beim Anstehen gemerkt, als einem gesagt wurde, dass die Wartezeit für den Einlass in den Pop-up-Store “nur” drei Stunden sei. 

Opening Night: Das erste Konzert

Schon Harrys Voract, die schwedische Popikone Robyn, hat für unfassbare Stimmung gesorgt. Als sie um 19:45 Uhr auf die Bühne getreten ist, ging es zum ersten Mal richtig los. Mit Liedern wie “Dancing On My Own” und “Call Your Girlfriend” wurde während der 45 Minuten auf der Bühne bereits ordentlich gesungen und vor allem getanzt. Ihre Aufgabe als Voract, die Menge für Harry warmzumachen, hat sie definitiv erfüllt.  

Besonders aufgefallen ist dabei, dass nicht nur Freundesgruppen miteinander getanzt haben, sondern auch komplett Fremde. Bereits während seiner letzten Tour hat Harry in vielen Reden betont, dass es bei seinen Shows nicht nur um ihn geht, sondern auch um Freundschaften, die in der Menge entstehen. Nach rund drei Jahren Pause schien genau das immer noch der Fall zu sein. Ganz nach dem Motto “Together, Together”

Bild: Zala Anžin

Nachdem Robyn die Bühne verlassen hat, hieß es erstmal wieder warten. Während Harrys Pause sind auf TikTok sämtliche Videos von Harry mit RAYEs “Where Is My Husband?” viral gegangen. Der Trend ging sogar so weit, dass das Lied bei den Grammys, als Harry den Award für Album of the Year präsentiert hat, als sein Intro-Lied benutzt wurde. Als der Song also fast punktgenau um 20:45 Uhr anfing zu spielen, wussten Fans, dass Harry jetzt auf die Bühne kommen würde. Als seine Band die Bühne betrat und ein Intro-Video begann, hörte man in der Arena nur noch Geschrei. 

Mit “Are You Listening Yet?” eröffnete Harry seine erste Performance der neuen Tour. Die Setlist war dabei eine ziemlich ausgewogene Mischung aus all seinen Alben, wobei sein neues Album “Kiss All The Time. Disco, Occasionally” natürlich im Mittelpunkt stand.  

Trotz der riesigen Euphorie unter den Fans hat man Harry bei der Opening Night angemerkt, dass er aufgeregt war. Im Vergleich zu Love On Tour hat er sich gerade am Anfang deutlich weniger über die riesige Bühne bewegt und insgesamt etwas zurückhaltender gewirkt. In einer seiner Reden am Anfang hat er auch angesprochen, dass er sich vor seinem Auftritt wie vor einer Geburtstagsfeier, bei der man sich nicht sicher ist, ob jemand kommen würde, gefühlt hat. Statt ihm das übel zu nehmen, hörte man aus allen Ecken der Arena ein gemeinsames “Aww”. 

Neue Ära, neue Produktion

Schon bei der dritten Show wirkte Harry allerdings deutlich entspannter. Es gab mehr spontane Momente, mehr Bewegung auf der Bühne und insgesamt mehr Interaktionen mit Fans. Hier begann Harry auch seine Setlist etwas zu ändern, Lieder rumzuschieben und kurz vor Ende einen “Surprise Song” zu spielen. 

Im Vergleich zur letzten Tour sind nicht nur die Lieder anders, sondern auch die gesamte Produktion der Show. Die Bühne wirkt auf dieser Tour deutlich voller und größer. Unter anderem teilt sich Harry diese mit zwei Tänzer:innen, er selbst schwingt öfter die Hüfte und eine ganze Orchesterbesetzung begleitet ihn durch die emotionaleren Songs. Gerade bei Liedern wie “Fine Line” oder “Coming Up Roses” hat das der Show eine ganz andere Atmosphäre gegeben und die Songs noch emotionaler wirken lassen.  

Bild: Zala Anžin

Auch optisch scheint Harry eine neue Ära einzuläuten. Während bei Love On Tour Glitzer, bunte Outfits und Federboas im Mittelpunkt standen, setzt die Together Together Tour eher auf Business Casual. Hemden, Krawatten und schlichtere Outfits prägen diesmal die Bühne. Der Dresscode unter den Fans ist allerdings weiterhin stark an Love On Tour orientiert. Auch auf dem Heimweg vom Stadion lagen noch überall bunte Federboas auf dem Boden.

Kritik an der Tour

Die Bühne hat auch für Diskussionen gesorgt. Während Harry selbst erklärte, dass die enorme Größe dafür da sei, näher an seinen Fans zu sein, hat genau das unter den Fans teilweise für Frust gesorgt. Oft konnte man Harry nämlich selbst aus den vier Pods, den angeblich besten Plätzen, kaum sehen, wenn er sich gerade am anderen Ende der Arena befand.  

Die Brücken auf der Bühne mussten nach wenigen Shows in Amsterdam sogar komplett entfernt werden, da sich Fans massenhaft darüber beschwert hatten, die Main Stage nicht sehen zu können. Dabei hat Harrys Team nicht nur das Layout geändert, sondern vielen, die die Tour noch vor den Änderungen besucht hatten, kostenlose Tickets für spätere Konzerte gegeben, um sich noch einmal zu entschuldigen. 

Auch die VIP-Pakete wurden viel diskutiert. Rund 500 Euro für das Kiss VIP-Package oder bis zu 850 Euro für das Together VIP inklusive Lounge fanden viele Fans ziemlich extrem. Zwar hat man für diesen Preis einige Merch-Artikel, früheren Einlass und Tickets für einen der vier Pods bekommen, allerdings war eine deutliche Inflation der Preise gegenüber Harrys letzter Tour zu spüren. Während das Lied “Music For A Sushi Restaurant” gespielt wurde, wurde nach der Zeile “I don’t want you to go broke” deshalb teilweise scherzhaft “Liar!” zurückgerufen. 

Dass Amsterdam und London bislang die einzigen europäischen Tourstopps sind, sorgte unter vielen Fans ebenfalls für Diskussionen.

VIP-Lounge in Amsterdam, Bild: Zala Anžin

Together, Together unter dem Strich

Trotz Kritik an Bühne oder Preisen bleibt nach den ersten Shows aber vor allem eines hängen: Die Atmosphäre.  

Harry Styles schafft es weiterhin, selbst eine riesige Stadiontour so wirken zu lassen, als wäre man Teil von etwas Gemeinsamem. Die neue Tour versucht nicht, das Momentum seiner letzten nachzuahmen, sondern schlägt bewusst eine neue Richtung ein. Trotz der riesigen Produktion sind es am Ende aber die kleinen Momente, die in Erinnerung bleiben. Fremde, die gemeinsam tanzen, ein ganzes Stadion, das jede Zeile mitsingt, und ein Künstler, der mit jeder Show ein Stück mehr in seiner neuen Tour und Ära ankommt. 

Für ein paar Wochen war Amsterdam jedenfalls ziemlich eindeutig eine kleine Harry Styles Welt, oder um es in Harry Styles’ Begriffen zu sagen: Harry’s House.