Bild: Filmpresse Meuser; (c) Jana Kay/FRISBEEFILMS

Filmfest München 2026

Bärenjagen

/ / Bild: Filmpresse Meuser; (c) Jana Kay/FRISBEEFILMS

Nach Das schwarze Quadrat bringt Regisseur Peter Meister seinen zweiten Film auf die Leinwand. Bärenjagen ist eine absurde Komödie über Machtgier, Fake News und Autoritarismus – und ein Western in Hessen.

Deutschland, 1834. Die Gedanken der Vormärz-Revolution weiten sich langsam immer weiter aus und der Verwalter eines kleinen hessischen Dorfes steht zunehmend unter Druck: Die Ordnung droht zu kippen und der Vorgesetzte will Ergebnisse sehen. Da kommt die passende Gelegenheit: Ein mysteriöses Mordopfer, von dem nur noch eine Hand übrig ist. Der Dorfverwalter (Bernhard Schütz) lässt verkünden: Das war ein Bär, der letzte noch lebende Bär Deutschlands. Schnell ruft man zur Jagd und es wird eine Belohnung von 5000 Gulden ausgesetzt.

In Mitten des ganzen Chaos: zwei österreichische Brüder (David Scheid und Christopher Schärf), die es nach Hessen verschlagen hat. Sie verkörpern die beiden Seiten der Vormärz-Revolution: der eine will Karriere beim Kurfürsten machen, der andere druckt heimlich das Untergrundblatt “Der hessische Landbote” und steht mit Georg Büchner in Kontakt. Trotzdem machen sich beide gemeinsam auf zur Bärenjagd, wie fast alle aus dem Dorf – einschließlich des Verwalters selbst.

Jakob (Hannes Linder) und Mutter Agnes (Pheline Roggen) auf Bärenjagd. Bild: Filmpresse Meuser; (c) Jana Kay/FRISBEEFILMS

Ein hessischer Western – ein “Hestern”

Dutzende Leute im Wald, mit Gewehren bewaffnet, die nach einem Bären suchen, den es nicht gibt – das kann nicht lange gut gehen. Schüsse fallen genug in dem Film und schnell kommt es zu ersten Toten. Manche sind Unfälle, andere Notwehr: Agnes (Pheline Roggan, siehe oben), deren Sohn Jakob (Hannes Linder, siehe oben) auf Bärenjagd gezogen ist, entschließt sich, mit ihm nach Amerika zu fliehen, denn der Dorfverwalter ist aufrdinglich und will ein Verhältnis mit ihr. Im Wald erschießt sie zwei Räuber, die sie bedrohen, doch schnell beginnt ein persönlicher Rachefeldzug gegen die Schikanen der Obrigkeit. Regisseur Peter Meister, selbst erklärter Western-Fan, hat den Film bewusst im frühen 19. Jahrundert angesetzt um eine Brücke zu Cowboy-Filmen zu schlagen – und nennt Bärenjagen scherzhaft einen hessischen Western, einen “Hestern”.

David Scheid als revolutionärer Bruder in Bärenjagen. Bild: Filmpresse Meuser; (c) Jana Kay/FRISBEEFILMS

Der Plot von Bärenjagen schreit nach großer Absurdität und Situationskomik, nach herrlicher Übertreibung und Eskalation. Auf diese Kosten kommt man beim Schauen mit Sicherheit, dennoch ist der Film ernster als man erwarten würde. Meister hat den Film als Tragikkomödie konzipiert und erfüllt diese Anforderungen ziemlich gut. Die Komik ist nicht das Leitmotiv des Films: Stattdessen taucht sie immer wieder plötzlich in Dialogen oder Situationen auf. Hin und wieder wird ein wenig Slapstick eingestreut. Die Kameraführung ist für eine typische Komödie zu ruhig, der Film wird zu langsam erzählt. Ab dem Moment, da zur Bärenjagd geblasen wird, hat man nicht den Eindruck, etwas Großes, Unzubändigendes, habe nun eingesetzt. Alles wirkt immer wieder ruhig und idyllisch. Ist man also rein auf absurde Unterhaltung aus, ist Bärenjagen wohl der falsche Film.

Man fühlt sich an Bruno erinnert

Bärenjagen bietet dafür viele tiefe Figuren, die alle so stark präsent sind, dass es schwer ist zu sagen, wer eigentlich die Hauptrolle einnimmt. Man fiebert für viele mit, nicht nur für Agnes und Jakob, und selbst für die Bösewichte kommt man nicht umhin, ab und an ein wenig Empathie zu empfinden. Der Plot von Bärenjagen erinnert stark an den so genannten “Problembären” Bruno aus dem Jahr 2006 und führt uns die Hysterie vor Augen, die so ein (Phantom-)Tier auszulösen vermag. Doch Meisters Film geht weiter: Die Geschichte, die übrigens auf historischen Quellen basiert, ist eine Parabel auf Herr- und Knechtschaft, Fake News, populistische Patentrezepte, über Fragen der Selbstjustiz und gibt uns tiefe Einblicke in die Zeit des Vormärz.

Bärenjagen feierte vergangenen Mittwoch, den 1. Juli auf dem Filmfest München seine Weltpremiere. Hier wurde er insgesamt drei Mal gezeigt. Ab 20. August ist Bärenjagen auch in den deutschen Kinos zu sehen.