Filmfest München 2026

ERINNERUNGEN EINES WALDES

/ / Bild: Kleber Film PR, Jacob Kohl

Der deutsch-österreichische Film Erinnerungen eines Waldes feiert auf dem 43. Filmfest München 2026 in der Sektion „Neues Deutsches Kino“ seine Welturaufführung. Für die Regisseurin und Ko-Autorin Katharina Rabl ist dies ihr Diplomfilm und zugleich auch ihr Spielfilmdebut.

Zwischen der Abgabefrist ihrer Doktorarbeit und dem plötzlichen Tod ihrer Oma hin und her gerissen, versucht die Protagonistin Frieda Wallner (Julia Windischbauer), ihren Verantwortungen nachzukommen. Frieda fährt von ihrem aktuellen Leben in Wien zurück in ihr Heimatdorf Reckwitz, um sich von ihrer Oma Elisabeth (Mathilde Hadraba) zu verabschieden. Von Anfang an ist zu beobachten, dass kein enger Kontakt zwischen Frieda und ihrer Familie besteht: Die erste Begegnung nach langer Zeit mit ihrer Mutter verläuft nicht sehr emotional, eine Umarmung bleibt aus. Eine vorsichtige Annäherung seitens Frieda ist schwieriger, als gedacht. Wegen der näher kommenden Abgabefrist ihrer Doktorarbeit plant die Studentin nur einen Kurztrip zu ihrer Familie. Jedoch muss dieser verlängert werden, denn: Frieda erbt den Wald von ihrer Oma.

Bild: Kleber Film PR, Jacob Kohl

Familiäre Einsamkeit

Es ist schwierig für Frieda, zurück im Heimatort mit ihrer Mutter, anderen Familienangehörigen und Freund:innen zu kommunizieren. In vielen Filmsequenzen kann beobachtet werden, wie Frieda still im Raum steht und das Geschehen um sich herum beobachtet. Dies macht deutlich, wie wenig Kontakt sie zu diesen Menschen hat und hatte. Diese Distanz kann auch durch die Kameraführung beobachtet werden: Mehrfach wechselt sie in Friedas Perspektive. Zum Beispiel wenn sie Gesprächen von außen durch das Fenster lauscht. Nochmal ein Beweis für die Passivität der Protagonistin. Dieses Phänomen der Einsamkeit innerhalb der Familie gibt es häufiger bei jungen Menschen, die von ihrer Familie weggezogen sind. Ihr studentisches Leben in der österreichischen Hauptstadt ist nunmal das Gegenprogramm zum Familienalltag in der Natur.

Ich hab’ das Gefühl, ich kenn’ sie gar nicht.

Frieda über ihre Mutter

Ein alter Bauernhof, ein weites Feld, ein Wald

Die Kosten der Beerdigung liegen bei knapp 9000 Euro. Frieda bekommt bei einem Gespräch mit, dass ihre Eltern mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Sie möchte helfen, indem sie den Wald verkaufen will. Dies wird jedoch sofort von ihrer Mutter geblockt. Der Wald ist wohl mehr, als nur eine finanzielle Ressource. Doch wieso ist er so wichtig? Frieda findet eine andere Lösung, um Geld zu erhalten. Mit Hilfe des Familienfreundes Friedrich (Lukas Walcher) lernt sie unter anderem, Bäume zu fällen, um sie dann anschließend zu verkaufen.

Die Bedeutung des Waldes wird schon im Titel deutlich. Über Generationen hinweg gehört das Waldstück Friedas Familie und ist ein Ort voller Erinnerungen. Viele Erinnerungen, ob positiv oder negativ, sind in der Grünfläche gespeichert. Einmal träumt Frieda von ihrer Oma im Wald, wie sie Bäume anpflanzt. Je länger die Studentin Zeit mit dem Wald verbringt, desto deutlicher wird: Es ist nicht nur ein materielles, sondern auch ein immaterielles Erbe mit all seinen Erinnerungen. Die schwierigen Erlebnisse ihrer Oma in der Vergangenheit sowie die Pflichten Friedas Mutter werden an sie vererbt. Es scheint, als stünde der Wald für eine transgenerationale Weitergabe von Geschichte, Aufgaben und Gefühlen.

Ruhige Bilder

Das Motiv des Waldes und seine Wichtigkeit für den Film kann in viele Bereichen beobachtet werden. So wird im Set Design (Lena Kalt und Linda Hofmann) und im Kostüm (Miriam Waldenspuhl und Fabia Röhrig) auf ein Farbspektrum geachtet, das typische Wald- und Feldfarben widerspiegelt. Bevorzugt werden hierbei die Farben Grün, Braun, Orange-Gelb und Braun verwendet.

Durch die vielen detaillierten ruhigen Filmaufnahmen von den Wäldern, dem Fällen der Bäume und der Natur erinnert der Film sehr an einen Dokumentarfilm. Gerade dadurch entwickelt er eine besondere Wirkung und lädt dazu ein, in die Welt des Waldes einzutauchen. Die Regisseurin hat vor ihrem Debütfilm einige Dokumentarfilme gedreht, was auch in der Dramaturgie des Filmes zu beobachten ist.

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Mehr Informationen
Trailer zu Erinnerungen eines Waldes

Der Film verbildlicht das Dilemma eines Generationskonflikts: Soll das Erbe der älteren Generation weitergeführt werden oder ist es an der Zeit, den eigenen Weg einzuschlagen? Inwiefern das überhaupt machbar ist, wird mit Liebe zum Detail von der Regisseurin Katharina Rabl und ihrem Team ausgehandelt.

Erinnerungen eines Wald feierte vergangenen Sonntag, den 28. Juni auf dem Filmfest seine Weltpremiere. Hier ist er noch zwei weitere Mal zu sehen: Am 30. Juni um 19.30 Uhr und am 03. Juli um 14 Uhr. Der deutsche Kinostart ist für März 2027 geplant.