Gynäkologiestuhl

Gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen

Patriarchat auf dem Arztstuhl 

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In Deutschland gehen weniger als 50 Prozent der Frauen regelmäßig zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen. Dabei sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig. Welche es gibt, wie oft man diese wahrnehmen sollte und inwiefern sie von Krankenkassen übernommen werden, erfahrt ihr hier.

Wann war denn euer letzter Besuch bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt? Wenn ihr über diese Frage ausgiebig nachdenken müsst, ist die Antwort meistens: zu lange her. Genauso wie man einmal im Jahr zur Hausärztin oder zum Hausarzt geht, empfiehlt sich auch ein jährlicher Routine-Check in einer gynäkologischen Praxis – egal, ob man Beschwerden hat oder nicht. 

Die Kontrolluntersuchung beginnt mit einem Gespräch, bei dem man der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt Fragen stellen und über seinen Zyklus und eventuelle Beschwerden sprechen kann. Im Anschluss wird der äußere Genitalbereich, die Vulva, untersucht, ein Abstrich des Gebärmutterhalses und Muttermunds gemacht und die Vagina abgetastet, um bösartige Veränderungen zu erfühlen.

Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen

Teil der Vorsorge sind, neben anderen Geschlechtskrankheiten, vor allem folgende vier Untersuchungen:

Chlamydien und Gebärmutterhalskrebs

Die sexuell übertragbare Krankheit Chlamydiose wird meistens durch Bakterien der Familie Chlamydiaceae ausgelöst. Infizierte haben selten Symptome, unerkannt kann eine Infektion allerdings zu Unfruchtbarkeit führen. Die jährliche Untersuchung wird für Frauen bis 25 Jahre von gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Eine weitere Leistung, um Frauengesundheit zu gewährleisten, ist die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Dabei wird der Gebärmutterhals abgetastet  und ein Abstrich vom Muttermund und Gebärmutterhals gemacht. Die Kosten der Behandlung werden für Frauen vom 20. bis zum 35. Lebensjahr jährlich, danach alle drei Jahre bis zum Alter von 65 Jahren übernommen.

HPV und Brustkrebs

Für Frauen ab 35 Jahren gehört auch ein Test auf Humane Papillomviren (HPV) zur Routine. Eine HPV-Infektion kann unter anderem das Risiko von Gebärmutterhalskrebs erhöhen. Gegen einige Formen von HPV können sich Frauen und Männer auch impfen lassen. Diese Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) im Alter von neun bis 14 Jahren.

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen. Das Risiko, daran zu erkranken, kann von einer familiären Vorbelastung abhängen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten der jährlichen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs für Frauen ab 30 Jahren. Dabei werden Brust und die Lymphknoten unter den Achselhöhlen abgetastet. Das kann und sollte man allerdings auch selbst machen, am besten eine Woche nach der Periode. Man beginnt  mit dem Abtasten oben an der Brust in Richtung der Achsel, hält die Brust in Bewegung und übt mit den Fingerspitzen mal mehr, mal weniger Druck auf das Bindegewebe aus. Knotenartige Veränderungen, Verformungen der Brust und Ausfluss aus den Brustwarzen sind Symptome, die man von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen abklären lassen sollte. Im Alter von 50 bis 75 Jahren wird alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening, eine Röntgenaufnahme von der Brust, angeboten.

Wichtiger Bestandteil von Frauengesundheit

Bei bestimmten Risikofaktoren, Behandlungs- und Beratungsbedarf oder Symptomen einer Geschlechtskrankheit werden oft auch häufigere Untersuchungen von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für gynäkologische Untersuchungen und Behandlungen vollständig. 

Die vorgestellten Untersuchungen gewissenhaft wahrzunehmen ist wichtig, da dabei spezifisch die weiblichen Geschlechtsorgane untersucht werden. Einige sexuell übertragbare Krankheiten verlaufen zu Beginn symptomlos oder insgesamt symptomfrei. Viele Krankheiten sind, wenn sie früh erkannt werden, besser behandelbar. Vorsorgeuntersuchungen zu kennen und wahrzunehmen gehört zur Fürsorge für den eigenen Körper dazu.

Gynäkologin und Chefärztin Mandy Mangler über die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen

Weg mit der Scham

Trotz dieser Vorteile gehen in Deutschland weniger als 50 Prozent der Frauen regelmäßig zur gynäkologischen Untersuchung. Einige haben Angst davor, sind verunsichert und fühlen sich ausgeliefert, da sie an einem Genitalorgan untersucht werden. Zeitgleich sind weibliche Sexualität und verwandte Themen in unserer Gesellschaft oft schambesetzt. Dadurch werden Frauen klein gehalten und daran gehindert, sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Aber der eigene Körper, der weibliche Genitalbereich und die weibliche Sexualität sind nichts, wofür man sich schämen muss!

Mandy Mangler erklärt, warum Frauen selten zum Frauenarzt gehen