Kommentar

Handball ist cooler als Fußball

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Endlich ist wieder WM im eigenen Land! In diesem Jahr sind Deutschland und Dänemark Austragungsländer der Handball-Weltmeisterschaft und auch in der Münchner Olympiahalle finden einige Spiele statt. Und um es ein für alle Mal klarzustellen: Handball ist cool. Sogar cooler als Fußball.

Der Hallensport macht einfach Spaß und es ist schade, dass Handball in Deutschland nur so wenig Aufmerksamkeit bekommt. Trotz dem fehlenden Interesse der breiten Masse ist die deutsche Handballnationalmannschaft extrem erfolgreich. Mit sechs Weltmeisterschafts- und zwei Europameisterschaftstiteln kann weltweit keine Fußballmannschaft mithalten.

Halle vs. Feld

Beim Beobachten eines Handballspiels fällt vermutlich als erstes die extrem geile Stimmung auf. Dass die Akustik einer Halle grundsätzlich besser ist als die im Stadion, ist klar. Während in der Allianz Arena aber zwischen 75.000 und 79.000 Fans sitzen, haben in der Olympiahalle nur 12.000 Platz. Trotzdem brennt bei jedem Spiel die Halle, während man in der Allianz Arena hin- und wieder ein müdes „Bayern“ hört, während sich einige der Fans bei Toren sogar dazu aufraffen von ihren Plätzen aufzustehen. Wer aktuell das Glück hat, Tickets für die Allianz Arena zu ergattern, der muss sich ausstatten, als würde er einen Trip nach Sibirien planen, um sich nicht zu unterkühlen. Wer sich im Gegensatz dazu wesentlich billigere Tickets für die Spiele der Handball-WM holt, kann sich im T-Shirt in die beheizte Halle setzen und sich von den anwesenden Fans mitreißen lassen.

Handball vs. Fußball

Handball hat auch im direkten Vergleich des Spielverlaufs die Nase vorn. Während im Fußball durchschnittlich drei Tore pro Spiel fallen, kommen Handballspiele schon mal auf 50 Tore. Darüber hinaus stehen bei einem Handballspiel insgesamt nur 14 Spieler auf dem Feld, die beliebig ausgewechselt werden können und trotz ihrer festen Positionen das ganze Feld bespielen. Dadurch ist das Spiel schneller, härter, offensiver und taktisch anspruchsvoller als Fußball. Das bespielte Feld ist kleiner, die Spielzeit um dreißig Minuten kürzer und die Handball-Mannschaften sind fairer zueinander, als im Fußball. Da bei Time-outs, Fouls und Spielunterbrechungen die Zeit angehalten wird, ist das Spiel übersichtlicher und keine Mannschaft durch Nachspielzeit benachteiligt.

Fanliebe vs. Korruption

Natürlich hat es auch Vorteile, dass der Handball nicht wie sein großer Bruder Fußball so viel Aufmerksamkeit erfährt. Kommerzialisierung ist hier zum Beispiel kein großes Thema und junge Fans haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Idole zu treffen, da diese viel nahbarer sind als millionenschweren Fußballer. Die letzte Fußball-WM im eigenen Land war zwar erst 2006, dafür gehören zu den aktuellen Austragungsländern Russland und Katar, was bei europäischen Fußballfans durch Zeitverschiebungen, Korruptionsvorwürfen und Klimaproblemen einen faden Beigeschmack hinterlassen. Von den Skandalen der FIFA und der UEFA in den letzten Jahren braucht man hier gar nicht anfangen.

Egal, wie man es dreht und wendet, Handball ist und bleibt in diesem Vergleich einfach der Gewinner und es lohnt sich für jeden, einfach mal einzuschalten, wenn die Spiele der WM übertragen werden. Hier gibt es, anders als beim Fußball, nämlich keine Streitigkeiten zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und dem bezahlten Privatfernsehen über die Rechte.