Kommentar

„Natürlich Schön“

/

Seit etwa einem Jahr versuche ich vollständig auf herkömmliche Kosmetik zu verzichten und anstelle dieser der Naturkosmetik eine Chance zu geben. Bis auf wenige Produkte – wie Sonnencreme – klappt das bei mir auch schon ganz gut. Warum ich das mache? Ich will keine Massenkosmetik unterstützen bei der auch noch Marken wie Nestlé mit drin hängen. Außerdem tue ich mir und der Natur damit etwas Gutes. Wenn ich dabei dann zusätzlich kleine bis mittelständige Hersteller und nicht Kosmetikriesen wie Maybelline oder L’Oréal unterstützen kann, schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Mit dieser Einstellung bin ich aber nicht alleine. Und gerade deshalb ärgert es mich, wenn ich Nachrichten lese, wie „L’Oréal kauft beliebten deutschen Naturkosmetikhersteller“. Im August 2018 war das der Fall, als Lagocos, eine deutsche Naturkosmetik-Firma, von dem französischen Kosmetikhersteller aufgekauft wurde. Zu Lagocos gehört zum Beispiel Lagona und auch Sante. Eine Marke, die bei Vielen – eingeschlossen mir selbst – aufgrund von ihrer tierversuchsfreien Produkten einen hohen Stellenwert hatte. L’Oréal hingegen ist dafür bekannt, dass sie für viele Inhaltsstoffe Versuche an Tieren durchführen. Meiner Meinung nach ist das in Zeiten, in denen menschliche Haut in Laboren heranzüchtet werden kann absolut unnötig und nicht vertretbar.

Will L’Oréal mit dem Kauf solcher Marken also nur von dem wachsenden Markt profitieren und gerät dabei das Wörtchen “Natur“ völlig in den Hintergrund? Oder steckt mehr dahinter, als die „Expertise in Naturkosmetik zu erwerben – in einem Markt, in dem der Wunsch nach Biokosmetik mit am höchsten in Westeuropa ist“, wie Fabrice Megarbane, Geschäftsführer von L’Oréal Deutschland, behauptet.

Egal welche Absichten der riesige Konzern hat, eines steht für mich fest: Schlussendlich wird das französische Kosmetiklabel einen riesigen Profit daraus schlagen – eine kleine Marke frühzeitig aufgekauft, anschließend groß und global gemacht. Ob wir das weiterhin unterstützen wollen, das ist jedem selbst überlassen. Ich versuche auf jeden Fall weiterhin natürliche Kosmetika zu verwenden, auch wenn mir dabei Steine von großen Kosmetikkonzernen in den Weg gelegt werden.