Filmkritik

Zwischen Dior und Drama: Warum The Devil Wears Prada 2 enttäuscht

/ / Bild: The Walt Disney Company

Nach 20 Jahren ist es nun soweit: die Fortsetzung von The Devil Wears Prada kommt auf die große Leinwand. Bis heute hat der erste Teil aus 2006 absoluten Kultstatus. Auch der Nachfolger hat bisher schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen, alle sind gespannt darauf, zur Geschichte von Andy Sachs (Anne Hathaway) und ihrer perfiden Chefin Miranda Priestley (Meryl Streep) zurückzukehren. Doch kann der Film den Erwartungen standhalten? 

Ein Rückblick auf den ersten Teil

In den 2000ern hat The Devil Wears Prada den Zuschauer:innen eine kluge wie amüsante Storyline geboten: Die eher weniger modebewusste Andy Sachs kommt mit dem großen Traum, Journalistin zu werden, zum Fashionmagazin Runway. Schon bald stellt sich jedoch der Assistentenjob in New York, von dem es heißt “a million girls would kill for this job”, als Tortur heraus: Da ist vor allem die strenge Chefin Miranda und zum anderen ihre Assistentin Emily (Emily Blunt). Doch nach und nach wächst die Hauptfigur an ihrer Aufgabe – aber zu welchem Preis?  

Damals hat Drehbuchautor David Frankel auf eine ansprechende Weise die Frage verhandelt: Wie weit soll oder kann man für den beruflichen Erfolg gehen? Welche Frage Frankel mit Teil 2 ergründen will, leuchtet da leider weniger ein. 

Miranda roastet wieder

Alle von den Fans geliebten Figuren tauchen natürlich wieder auf und sind auf die beste Art und Weise die alten geblieben. Miranda und Emily – mittlerweile Mutter und in einer Führungsposition bei Dior – zeichnen sich nach wie vor durch ihre strengen Blicke und bissigen Kommentare gegenüber der Hauptfigur und anderen aus. Beide Schauspielerinnen setzen den Charakter ihrer Figuren erneut perfekt um. Immer wieder bringt Mirandas Art das Publikum zum Schmunzeln: Als ihre frühere Assistentin wieder vor ihr steht, kommt von ihr nur ein irritiertes und hochmütiges “Who is this?” Ebenfalls lustig ist, wie Miranda Economy fliegen muss, ganz klar eine absolute Zumutung. Die Hauptfigur Andy wiederum ist mittlerweile eine preisgekrönte Journalistin geworden, hat mehr Selbstbewusstsein und Stil, aber trotzdem ihre Tollpatschigkeit behalten. Auch die schauspielerische Leistung von Anne Hathaway ist gelungen.

Bild: The Walt Disney Company

Die Modewelt in der Krise

Wie die meisten Figuren leidet auch Andy unter der veränderten Branche: Überall gibt es Budgetkürzungen und auch der Ruf von Runway steht auf dem Spiel. Als sie ihren alten Job verliert, wird sie nach Runway zurückberufen, um dort die Dinge als Features Editor zum Guten zu wenden. Dabei steht Andy Fanliebling Nigel Kipling (Stanley Tucci) nach wie vor als engster Verbündeter in der Redaktion bei. 

Bild: The Walt Disney Company

Die Looks sind da…

Glitzernde Abendroben, Blitzlichtgewitter und Starauftritte wie von Lady Gaga oder Heidi Klum: Die Zutaten, um dem Publikum den Glamour der Modewelt näher zu bringen, sind da. Die ikonischen Collagen aus 2006, in denen Andy durch New York rennt, während sich ihr Outfit durch geschickte Schnittwechsel ändert, werden im Nachfolgeteil aber dennoch weitestgehend vermisst. 

Die Schauplätze New York und Mailand, wo ebenfalls ein Teil der Geschichte spielt, hätten mehr Potential geboten und ihre Atmosphären werden nicht gänzlich eingefangen. Andere Collagen wiederum unterstreichen durch ihre hektischen Schnittwechsel das Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem roten Teppich oder den stressigen Arbeitsalltag von Andy und sind daher gelungen.

Bild: The Walt Disney Company

…die Emotionen fehlen

Das größte Manko an dem Film ist die schwache Storyline, inklusive einer Liebesgeschichte, die den Zuschauer:innen wirklich gar nichts bietet. Der Konflikt zwischen Macht und Moral aus dem ersten Teil, wird immerhin angedeutet: Andy hat so zum Beispiel die Chance, heimlich eine Biographie über Miranda zu schreiben und damit viel Geld zu machen. Auch die veränderte Modebranche und düstere Zukunftsprognosen werden angesprochen.

Insgesamt bleiben diese Spannungsfelder aber immer nur Andeutung, tiefgehend ergründet werden sie nicht. Dass die Figuren keinem toxischen Schlankheitswahn unterliegen, bleibt die einzige Verbesserung zum 20-jährigen Vorgänger. Der Schluss beweist dann endgültig, wie wenig der Film sein Publikum ernst nimmt: Wer bitte soll diesem Ende, bei dem sich plötzlich alle ohnehin schon oberflächlich erzählten Konflikte in Luft auflösen, Glauben schenken?