M94.5 Serienkritik

The Mandalorian

/ / Bild: © Disney

Über vier Monate mussten Fans in Deutschland warten, bis sie endlich am Leben des geheimnisvollen Kopfgeldjägers teilnehmen konnten. Abgesehen von der wohl bekanntesten Nebenfigur aller Zeiten, „Baby Yoda“, ist The Mandalorian schon jetzt ein Stück neue Geschichte aus dem Star Wars-Universum. Das zeigen bereits die ersten beiden in Deutschland verfügbaren Folgen.

Am 24. März 2020 ist auch bei uns in Deutschland der Streamingkanal Disney+ gestartet. Neben hunderten Filmen und Serien von Disney, Pixar, Marvel und National Geographic ist auch das Studio Lucasfilm als Teil von Disney vertreten. Das heißt: Alles, was mit Star Wars zu tun hat, gibt es jetzt auf Abruf und zum Download (Voraussetzung ist natürlich ein Disney+ Abonnement). Dazu gehören nicht nur Star Wars 1-8, sondern auch die Ableger Rogue One und Solo sowie die Serien The Clone Wars und Rebels – und natürlich die nigelnagelneue Serie The Mandalorian. In anderen Ländern wie den USA oder den Niederlanden gibt es die schon seit November zu sehen. Hierzulande können Starwars-Fans dem Kopfgeldjäger erst jetzt zuschauen, wie er seiner Profession nachgeht.

In einer weit, weit entfernten Galaxis

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Galaktisch gut: Der Trailer zu The Mandalorian

In aller Seelenruhe und somit ohne einen Hauch von Hast oder Eile wird der der Zuschauer mitgenommen in das Leben eines (bislang) namenlosen Kopfgeldjägers. Dieser versucht sich durch verschiedene Aufträge in einem von galaktischen Kriegen geprägten Zeitalter über Wasser zu halten. Doch ein Auftrag ist nicht wie alle anderen: Der Mandalorianer soll ein Kind von der Spezies des bekannten Jedi-Meister Yoda ausfindig machen und ausliefern. Der Hauptcharakter merkt jedoch schnell, dass an der Sache irgendetwas faul zu sein scheint. Viel mehr erfährt der Zuschauer dann in den ersten zwei Folgen auch noch gar nicht. Jede weitere lässt jeweils eine Woche auf sich warten, bis alle acht Folgen von Staffel eins erschienen sind.

Neben dem eigentlichen Handlungsstrang erlebt der Mandalorianer bereits zu Beginn der Serie mehrere kleine Abenteuer. So reitet er auf so genannten Blurrgs. Das zu lernen und zu berherrschen stellt für den Krieger fast eine größere Herausforderung dar als das Ausschalten von unzähligen Wachen inmitten eines Wüsten-Tals oder das Besiegen eines riesigen, nashornähnlichen Schlammhorns. Diese kleinen Aufgaben als eine Art Zwischenepisode geben The Mandalorian etwas Videospielcharakter und sorgen dafür, dass die Handlung weder abgefrühstückt noch vorhersehbar wirkt. Besonders nach Episode 9, wo die Handlung im ersten Drittel leider unfassbar gehetzt wirkt, wird jede Sekunde bei The Mandalorian wie wertvolle Zeit.

Wieso reden immer alle nur von „Baby Yoda“?

Typisch Kind: Der Kleine liebt es, alles anzufassen und auf alle Knöpfe zu drücken – und hat es dennoch faustdick hinter den Ohren. (Bild: © Disney)

Zugegeben, der kleine grüne Knirps der gleichen Spezies wie unser Lieblings-Jedi-Meister aus den Teilen 1-6 ist extrem knuffig, unterhaltsam und toll in Szene gesetzt. Aber es gibt so viel mehr, was die neueste Geschichte aus dem Star Wars-Universum ausmacht. Das Setting erinnert stark an Rogue One – ein Star Wars-Film, der vor allem wegen seines Settings von Fans weltweit gelobt und gefeiert wurde.

Düster, dramatisch, heruntergekommen, gleichzeitig unfassbar detailgenau und dennoch schlicht: Das trifft nicht nur auf die Stimmung der Umgebung zu, sondern auch auf den Soundtrack. Das Western-Feeling hält an, jede Folge hat einen eigenen (!) 20 bis 30 minütigen (!!) Soundtrack von Oscar-Preisträger (!!!) Ludwig Göransson, der sich beim aufmerksamen Zuhören als Komponist der Musik von Black Panther zu erkennen gibt. Die Klänge, die der Schwede für die Serie komponiert hat, untermalen die bedrückende, spannende aber auch mal entspannte Stimmung von The Mandalorian genial und sorgen auch nach dem Genuss der jeweils 30 bis 45 Minuten langen Folgen für Gänsehaut. Also: Kopfhörer auf, Lautstärke hoch, zurücklehnen und entspannen.

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Galaktisch besser: Der Soundtrack zu The Mandalorian

Selbst der treueste Star Wars-Fan wird anerkennen, dass die Musik von Ludwig Göransson zwar eine ganz eigene, weniger pompöse ist und somit absolut nicht an John Williams‘ Imperial March, Duel Of The Fates oder den klassische Main Title erinnert. Dennoch, oder gerade deshalb, hat der schwedische Komponist ein ganz neues und extrem vielfältiges Spektrum an Musik aus einer anderen Galaxie erschaffen. So wird jede Folge durch die musikalische Untermalung abgerundet und getragen.

Unglaublich cool und gleichzeitig in kurzen Rückblicken verletzlich spielt zudem Game of Thrones- und Narcos-Star Pedro Pascal die Hauptrolle. Zwar wird sein Gesicht nicht gezeigt und seine Stimme verzerrt, doch passt sich die Figur des Kopfgeldjägers dank Pascals wortloser Coolness, seiner Haltung und seiner dezent eingesetzten humorvollen Aussagen perfekt an das Setting an. Ein Schauspieler kann also auch ohne klare Stimme oder extreme Gesichtszüge und -ausdrücke funktionieren – Disney liefert den Beweis.

Auch atmosphärisch brilliert The Mandaliran: Das Rogue One ähnliche Setting holt jeden Fan ab. (Bild: © Disney)

Neue Kreaturen und alte Bekannte

Auch die galaktisch große Welt von Star Wars kommt nicht zu kurz. Zwielichte Gestalten in Kantinen und Bars, neue Kreaturen und Druiden sowie freundliche Helfer und alte Bekannte (Jawas! Utini!!) begegnen dem Zuschauer von Anfang an. „Baby Yoda“ ist somit wirklich nur die Spitze des Eisbergs. Das lässt noch auf viel hoffen – und das bereits nach nur zwei von acht Folgen.

Fünf Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter und 25 Jahre vor Das Erwachen der Macht wird endlich mehr klar über eine Zeit, zu der sonst noch keine offizielle Star Wars-Geschichte spielt. Jede beiläufige Bemerkung über Ereignisse irgendwo in der Galaxis könnten mehr preisgeben, was alles dazwischen geschehen ist. Ein Grund mehr, gebannt zu verfolgen, was auf dem Bildschirm passiert.

Und soviel vorab: Nein, bei „Baby Yoda“ handelt es sich nicht um den tatsächlichen Yoda aus der Saga 1-6. Das würde allein zeitlich gar nicht passen. Denn „Baby Yoda“, in der Serie zumeist nur „The Child“ genannt, ist zwar 50 Jahre alt, aber dennoch ein Kind oder womöglich sogar ein Baby. Viel ist über die Figur und seine Spezies nicht bekannt, außer dass sie wohl komplett anders altert (Yoda ist in der Star Wars-Saga über 900 Jahre alt) und sehr stark mit der Macht verbunden ist. Auch hier gilt es: Mehr erfahren wir alle wollen!

Es wird weitergehen!

Im Herbst wird es Nachschub geben – von Pedro Pascal und seiner Darstellung des Mandalorianers. (Bild: © Disney)

Schon vor der Veröffentlichung der ersten Staffel hat Drehbuchautor und Produzent Jon Favreau bestätigt, dass es (mindestens) eine weitere Staffel The Mandalorian geben wird – und die soll bereits im Herbst erscheinen. Vorher gibt es aber erstmal andere wichtig Tage: Jeder kommende Freitag für die nächsten sechs Wochen. Dann erscheinen jeweils die neuen Folgen, die gierige Star Wars-Fans mit neuem Stoff versorgen. Bis dahin gibt es auf Disney+ ja bekanntlich die eine oder andere Geschichte aus der weit, weit entfernten Galaxis zu sehen. George Lucas sei Dank!

Die ersten zwei Folgen von The Mandalorian gibt es bereits auf Disney+ zu sehen, alle weiteren Episoden der ersten Staffel erscheinen jeweils freitags.