Urban Exploring

The Lost Places Hunter

/ / Foto: Nic von die-verlassenen-orte.de

Eine alte, verlassene Fabrik erkunden. Bewaffnet mit einer Taschenlampe durch vermoderte Räume schleichen. Was für die einen wie ein Albtraum klingt, ist für andere ein Hobby. Seit ein paar Jahren wächst die Community der sogenannten „Lost Places Hunter“. Menschen, die sich auf die Suche machen nach Orten, die von anderen verlassen wurden. Wir haben uns mit einem von ihnen unterhalten.

Nic ist 28 und Betreiber des Projekts „die verlassenen Orte“. Angefangen hatte das Ganze im Jahr 2011, als er mit seinen Freunden ein Gruselhaus in der Nähe von Köln besucht hatte. Daraufhin fing er an, nach weiteren verlassenen Orten zu suchen und merkte schnell, dass sich mit etwas Recherche auch außergewöhnlichere Gebäude finden lassen. Seitdem versucht er diese zu finden und zu fotografieren, um anderen die Schönheit der alten Bauwerke näher zu bringen.

Die wachsende Community der Urbexer

Urbexer, eine Kurzform für Urban Explorer, ist eine der Bezeichnungen für Menschen die nach den „Lost Places“ suchen. Immer mehr Leute schließen sich ihnen an, hoffen in Facebook-Gruppen Adressen zu bekommen oder versuchen über die erfahrenen Sucher Tipps zu erhalten. Laut Nic ist das oft auch ein Problem. Denn nicht alle respektieren die alten Gebäude so wie er. Werden Adressen erst einmal bekannt, passiert es oft, dass es innerhalb von kurzer Zeit zu Vandalismus kommt. Das ist nicht nur einfach schade für die Gebäude, sondern belastet häufig auch die Besitzer der leerstehenden Häuser.

Etwas Abwechslung für die Stadtkinder

Den großen Zuwachs erklärt Nic sich auch unter anderem dadurch, dass das Urban Exploring von den Stadtkindern immer mehr als Abenteuer gesehen wird. In den großen Ballungsräumen der Städte bleiben leerstehende Häuser nämlich nicht lange stehen. Entweder sie werden abgerissen oder neu benutzt. Für die Menschen, die dort leben und aufgewachsen sind, ist das ganze also neu und aufregend.

Besser nicht Nachmachen – oder mit Genehmigung

Selbst wenn die Gebäude leer stehen, heißt das aber nicht, dass sie niemandem mehr gehören. Also einfach mal über den Zaun drüber hüpfen oder durch’s Fenster einsteigen? Besser nicht. Wenn man wirklich in das Haus will, sollte man einfach nachfragen. Häufig besteht nämlich auch für Privatpersonen die Möglichkeit, eine Genehmigung zu bekommen, wenn man einen bestimmten Ort fotografieren möchte.

Gruselstimmung

Für viele ist wahrscheinlich auch der Nervenkitzel ein Grund, warum sie sich auf die Suche nach solchen Orten machen. Auch Nic geht das bis heute so. Er sagt zwar, dass er sich natürlich primär auf das Fotografieren konzentriert. Aber das unterschwellige Gefühl, wenn man zum Beispiel einen alten Krankenhausflügel betritt, bleibt. Er erzählt uns auch von einem etwas krasseren Fall: „Ich war vor einigen Jahren mal in einer Pathologie in Belgien, wo dann wirklich noch Besteck, also Operationsbesteck rumlag, was noch blutig war. Das ist schon natürlich ein bisschen heftig manchmal.“ Trotzdem wagt er sich oft auch nachts an die Orte, um die besondere Atmosphäre, die erst mit dem Licht einer Taschenlampe entsteht, einzufangen.