SOUTHSIDE FESTIVAL 2026
SOUTHSIDE FESTIVAL 2026 – Sonntag
Der letzte Tag des Southside Festivals beginnt mit sommerlichen Temperaturen. Als sich das Festivalgelände bei Neuhausen ob Eck ein letztes Mal an diesem Wochenende füllt, trägt fast jede zweite Person ein T-Shirt von Twenty One Pilots. Doch bevor die Band aus Ohio den letzten Auftritt des diesjährigen Southside Festivals spielen konnte, mussten sich alle zunächst durch dramatische Wetterereignisse kämpfen.
Der Sonntag fing mit einem besonderen, genreübergreifenden Highlight an. Scene Queen, die Pop-Metal Queen aus Ohio, stürmte laut auf die Stage. Schon jetzt waren deutlich mehr Personen beim ersten Act da, denn es standen schon einige Twenty One Pilots Fans ganz vorne. Sängerin Hannah Rose Collins hatte das früh bemerkt und heizte dem Publikum für den Headliner ordentlich ein. Ein geschickter Schachzug, der die zunächst etwas verwirrten Zuschauer für den kühnen Kontrast zwischen glitzernder Pop-Ästhetik und knallhartem Nu-Metal in höchste Begeisterung versetzte. Ihr selbst als „Bimbocore“ bezeichneter Stil schien das Publikum schnell zu beeindrucken und zog zur Mitte ihres Auftritts eine relativ große Menschenmenge an – trotz einer ganzen Reihe peinlicher Kackwitze. Ihre Selbstwahrnehmung und ihre bissige, komödiantische Art sorgten für eine unendlich unterhaltsame Show voller augenzwinkernder Darbietungen, wie zum Beispiel das Verspotten der Manosphere im Song „Mutual Masturbation“. Ihre feministischen Themen und ihre hardcore-pinke Energie kamen beim jungen Publikum sehr gut an.
Direkt nach der Performance zog eine massive dunkle Wolkenfront heran. Eine Stunde nachdem sie uns noch enthusiastisch im Interview begegnet waren, bereitete sich die irische Rockband Florence Road auf ihren Auftritt vor. Dabei war zusätzliche Vorbereitung nötig, um das Equipment vor dem bevorstehenden Regen zu schützen. Die virale und schnell aufstrebende Band blieb authentisch und unverfälscht und schien trotz der aufziehenden Regenwolken voller Vorfreude auf ihren Auftritt zu sein. Nach drei Songs regnete es bereits in Strömen und gegen Ende fing es sogar an zu hageln. Die Band war durchnässt, ebenso das Publikum. Die vier ließen sich jedoch nicht beirren – Der Regen schien für sie nur eine kleine Unannehmlichkeit zu sein, während sie emotionale Hits wie „Miss“ und „Hand Me Downs“ mit voller Kraft zum Besten gaben. Die Band spielte ihre Show bis zum Schluss mit voller Energie weiter, obwohl sintflutartiger, eiskalter Regen einsetzte.

Leider gab es auf der Green Stage des Festivals wegen des Wetters und technischen Problemen ein paar Absagen. Destroy Boys und All Time Low traten leider am Ende nicht auf. Viele machten sich schon Sorgen, dass wie schon am ersten Festivaltag weitere Acts am Ende abgesagt oder zeitlich versetzt werden. Alle Besucher:innen hofften, dass das Wetter schnell vorbeiziehen würde. Dann erschien aber bald Natasha Bedingfield mit ihrem “Pocketful of Sunshine” – Hoffnung auf Sonne.
Die größte Crowd bisher am Sonntag, die 2000er Pop-Star, machte ein sensationelle Show. Da war der Regen auch schon wieder weg. Demnach war es auch gut, dass sie ihren Mega-Hit Unwritten für das Ende aufhob. “Feel the rain on your skin” ist nicht die Botschaft, die das Publikum am Anfang haben möchte. Am Ende waren alle aber durchaus erfreut über den Sonnenschein und somit hatte die ganze Crowd aus mehreren Tausenden Fans lautstark mitgesungen. Natasha Bedingfield hatte schließlich viel gute Vibes verbreitet.

Auch am letzten Festivaltag durfte deutschsprachiger Indie-Pop nicht fehlen. Kasi und Antonius sorgten für mächtig Stimmung. Selbst der inzwischen matschige Boden hielt die Crowd nicht davon ab, lautstark mitzusingen und zu tanzen. Besonders viel Jubel gab es, als der Künstler Vince überraschend die Bühne betrat, um zusammen mit den beiden ihren gemeinsamen Song zu performen. Gerade das Zusammenspiel der Künstler machte den Auftritt besonders. Man merkte, wie gut nicht nur ihre Stimmen, sondern auch ihre langjährige Freundschaft harmonieren. Diese spürbare Vertrautheit übertrug sich auf das Publikum und schuf eine ausgelassene Atmosphäre. Zum Abschluss wurde es noch einmal besonders laut. Bei der Zeile „Ich schrei: ‘Fick die AfD’, ich frag mich wirklich, wer die wählt“ sang die Crowd bis ganz nach hinten mit und setzte damit einen ebenso lauten wie unüberhörbaren Schlusspunkt unter den Auftritt.

Auf der Red Stage stand anschließend mit Edwin Rosen ein weiterer aufstrebender deutscher Künstler auf der Bühne. Der aus der Nähe von Stuttgart stammende Musiker gehört längst zu den prägenden Namen der Neuen Neuen Deutschen Welle. Mit Songs wie „Vertigo“, „leichter//kälter“ und „Verschwende deine Zeit“ schuf er eine ganz eigene Klangwelt. Zwischen Melancholie, Verträumtheit und Nostalgie kann besonders Gen-Z zu den Texten über Sehnsucht und Unsicherheit relaten. Wie sehr seine Musik die Fans berührt, zeigte sich auch vor der Bühne. Die textsichere Crowd sang jede Zeile mit, lag sich in den Armen, lachte und weinte. Nach einigen Songs änderte sich die Stimmung jedoch auch am Himmel. Der zunächst leichte Regen, der sich später zu einem Hagelschauer entwickelte, verlieh dem Auftritt eine beinah filmreife Atmosphäre und ließ die ohnehin emotionalen Songs noch mehr wirken.
Es wirkte, als hätten Florence + The Machine mit ihrem Auftritt den Regen nicht nur überstanden, sondern verwandelt. Noch während sie im strömenden Wetter spielten, begann sich der Himmel zu öffnen, als würde ihre Musik selbst das Licht herbeirufen. Fast wie ein leiser Zauber legte sich Sonnenlicht über das Gelände. Passend dazu sang die Band “Which Witch” mit fantastischer und bezaubernden Bühnenshow. Die Tänzer:innen verliehen dem Song zusätzliche Wirkung, ebenso wie die Ausstrahlung der Sängerin Florence Welch. Die Crowd überstreckte sich über fast das ganze Gelände. Mit Hits wie “Say My Name” oder “Dogs Days Are Over” verwandelte sich das Festivalgelände in einen kollektiven Chor.
Besonders beim letzten Song und der Bitte der Sängerin, die Handys beiseitezulegen und sich ganz auf den Moment einzulassen, wurde deutlich, welche Magie Live-Musik entfalten kann.
Direkt nach Florence Road rückten Tausende zur Green Stage, wo Papa Roach schon angefangen hatte. Die Nu-Metal-Band, bekannt für Songs wie “Last Resort” sorgte für ein Throwback-Konzert mit zahlreichen Songs, bei denen Fans aus allen Altersgruppen mitsingen konnten. Außerdem scheuten sie sich ganz sicher nicht, reichlich Pyrotechnik einzusetzen.
Die Sonne war bereits hinter den Bühnen untergegangen und damit rückte auch das Ende des Southside Festivals 2026 immer näher. Doch von Aufbruchsstimmung war auf dem Festivalgelände nichts zu spüren. Tausende Besucherinnen und Besucher versammelten sich vor der Green Stage und warteten gespannt auf den Headliner, der das Wochenende gebührend abschließen sollte: Twenty One Pilots. Bereits Stunden vor Konzertbeginn hatten sich die treuesten Fans die begehrten Plätze direkt hinter der Barrikade gesichert. Ihre Geduld und Ausdauer wurden schließlich um 22:30 Uhr mit einem der beeindruckendsten Auftritte des gesamten Wochenendes belohnt. Tyler Joseph und Joshua Dun performten neben Hits wie “Stressed Out” und “Heathens” auch Cover wie “Stolen Dance” von Milky Chance oder “Seven Nation Army” von The White Stripes. Zwischen druch kletterte Drummer Dun auch mal ein etwa 15 Meter hohe Plattform hoch, auf welchem ein kleines Schlagzeug stand. Der Frontsänger Jospeh stand währenddessen auf einer Plattform, welche von der Crowd gestemmt wurde. Es war ein würdevoller Abschied für diese drei Tage Southside.
