Eine Roboterhand aus Metall spielt Klavier.

Künstliche Intelligenz

Die Zukunft der Musik?

/ / Bild: Shutterstock / maxuser

Autos fahren, Gesichter erkennen oder medizinische Diagnosen stellen – das und viel mehr kann Künstliche Intelligenz, kurz KI, schon. Aber kann sie auch Texte schreiben, Bilder malen oder sogar Musik komponieren?

In den letzten Jahren wurde in der Musikproduktion viel mit KI experimentiert und weiterentwickelt. Dabei lernt die KI von bereits vorhandener Musik wie Songs aufgebaut sind. Die Programierer:innen wählen nur noch ein Genre aus, die Länge des Songs und mehrere Elemente verschiedener Instrumente. Den Rest des Komponierens übernimmt dann die KI. 

Grunge meets Jazz

Das Projekt “Lost Tapes of the 27 Club” versucht mit Hilfe von KI Songs im Style von erfolgreichen Musiker:innen zu komponieren, die im Alter von 27 Jahren verstorben sind, wie Amy Winehouse, Jimi Hendrix oder Kurt Cobain. Dabei ist zum Beispiel der Nirvana Song “Drowned in the Sun” herausgekommen, bei dem nur die Vocals von einem Cover-Sänger eingesungen wurden, den Rest hat die KI übernommen.  Der Song klingt nach einem authentischen Nirvana-Song. 

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Im Stil von Nirvana wurde “Drowned in the Sun” von KI komponiert.

Mit diesem Projekt soll das Bewusstsein für unsere psychische Gesundheit und der Wertschätzung menschlicher Arbeit gestärkt werden, indem Songs im Stil von Musiker:innen, die durch Suizid verstorben sind, komponiert werden.

KI kann aber nicht nur Rock Songs komponieren, sondern auch live zusammen mit Künstler:innen improvisieren. Im Zentrum des Projekts “Spirio Sessions” von Leonardo, einer Kooperation der Hochschule für Musik und Kunst Nürnberg und der Technischen Hochschule Nürnberg, steht die Zusammenarbeit zwischen menschlicher und künstlicher Kreativität.

Kann KI kreativ sein?

Unser Ansatz in unserem laufenden Forschungsprojekt ‘Spirio Sessions‘ versucht diese Frage nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten, sondern sie stellt sie ein bisschen anders. Sie fragt: “Können Menschen gemeinsam mit Künstlicher Intelligenz kreativ sein?”

Professor Martin Ullrich im M94.5 Interview

So beschreibt Martin Ullrich, Professor an der Hochschule für Musik und Kunst Nürnberg die besondere Herangehensweise an das Projekt “Spirio Sessions”, das sehr auf die Live-Improvisation und -Interaktion zwischen Mensch und Technik fokussiert ist.

Künstliche Intelligenz lernt selbstständig und auf komplexe Weise, doch auf bahnbrechende Ideen von KI werden wir vergebens warten. Ihr fehlen dafür die Auslöser genialer Kreativität wie Emotion, Motivation, Absichten, Meinungen und Werte. Deshalb kann KI Kreativität eigentlich nur simulieren.

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Im Rahmen des Projekts “Spirio Sessions” von LEONARDO improvisiert ein Saxophonist live mit einem KI-Flügel.

Wird KI menschliche Künstler:innen ersetzen?

Ob Künstliche Intelligenz menschliche Künstler:innen also komplett ersetzt, hängt nicht allein von der Kreativität ab, sondern auch davon, welche Absicht hinter ihrem Einsatz steckt: Soll Künstliche Intelligenz das möglichst perfekt nachahmen, was Menschen vorgemacht haben, oder wird sie wirklich kreativ und lässt so eine neue Kreativität entstehen?

Ein weiterer Faktor ist, in welchen Zusammenhängen KI eingesetzt wird. Es kommt also darauf an, ob die KI zusammen mit den Musiker:innen arbeitet oder aber deren Aufgaben komplett übernimmt. Letzteres würde vielen von ihnen die Arbeit wegnehmen. 

KI kann also heute schon die Arbeit von Musiker:innen erleichtern und die Musikwelt erweitern, aber die Kreativität von Menschen wird sie wohl so schnell nicht kopieren können.