Vierschanzentournee - Bischofshofen

Gut, besser, Domen Prevc

/ / Bild: M94.5 / Marie-Noelle Svihla

In Bischofshofen findet mit dem Dreikönigsspringen auch bei der diesjährigen 74. Vierschanzentournee das Grande Finale statt. Nur einem scheint in diesem Jahr keiner das Wasser reichen zu können: Domen(ator) Prevc. Mit einem satten Punktevorsprung in der Tournee-Gesamtwertung und ”Aufwind” aus den letzten drei Springen möchte er sich den Goldadler krallen.

Der Slowene Domen Prevc reist als Favorit zur Vierschanzentournee an, legt seine ganz persönliche Prevc-Messlatte hoch und wird schlussendlich den Erwartungshaltung der Skisprung-Fans gerecht. Platz 1… Platz 1… Platz 2…  Nach dem 2. Platz in Innsbruck ist ein Grand Slam schon nicht mehr möglich. Um so gelassener wirkt der 26-Jährige Gesamtweltcup-Führende beim Finalspringen an der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen. Vielleicht etwas zu gelassen? Am Ende fehlen Prevc 4,1 Punkte, um einen letztmöglichen Tagessieg einzufahren. Der geht auf Schanze Nummer 4 an den Österreicher und Vorjahressieger der prestigeträchtigen Tournee, Daniel Tschofenig. Im Kampf um den Tourneetitel konnte er aber nicht mitmischen, dafür war er in den drei Wettkämpfen zuvor nicht konstant genug und er reiht sich im Gesamtklassement auf Platz 7 ein. Und trotzdem durfte Daniel Tschofenig den Adler noch einmal kurz anfassen und ihn dann an seinen Nachfolger Domen Prevc feierlich übergeben. Da kamen Erinnerungen von seinem Tournee-Sieg vor genau einem Jahr hoch:  

Daniel Tschoefing über die Überreichung des Goldaldlers an Domen Prevc

Österreich abermals mit Top Gesamtleistung 

Dass Österreich momentan die stabilste und beste Mannschaft im Weltcup ist, haben die rot-weiß-roten Springer auch bei dieser Ausgabe der Vierschanzentournee erneut unter Beweis gestellt. Zum zweiten Mal infolge reiht sich Jan Hörl auf Platz zwei in der Gesamtwertung im Kampf um den goldenen Adler ein. Dicht gefolgt von dem 19-Jährigen Shooting Star Stephan Embacher, der sich den dritten Platz auf dem Stockerl sichert und einiges für die Zukunft verspricht. Um König Prevc vom Thron zu stoßen, hat es aber schlussendlich nicht gereicht. Die Gabe zum siegreichen Skispringen und der goldene Adler wurde ihm quasi in die Wiege gelegt.

Goldener Adler ist Familiensache 

In der Saison 2015/16 konnte Peter Prevc die Vierschanzentournee gewinnen und den goldenen Adler in die slowenische Heimat mitnehmen. Genau 10 Jahre nach dem Triumph seines älteren Bruders, zieht nun der jüngste Bruder nach und das Trophäen Regal im Hause Prevc füllt sich mit einem weiteren Goldadler. Peter und Domen Prevc sind nun die ersten beiden Brüder, die die Tournee gewinnen konnten und markieren damit ihren Abschnitt in den Geschichtsbüchern.   

Domen Prevc über seine Gefühlslage nach dem Sieg und der siegreichen Familientradition

Nicht nur den Weltcup der Männer hat die Prevc-Dynastie unter Kontrolle. Nika Prevc, die jüngste im Bunde, dominiert den Skisprung Weltcup der Frauen und hat zuletzt bereits zum dritten mal in Folge die Two-Nights-Tour gewonnen. 

Das Gefühl von Heimat? 

Laut wurde es in den Zuschauerrängen in österreichischen Bischofshofen vor allem, wenn ein Slowene am Balken sitzt. Die Fans aus Slowenien sorgen für ordentlich Stimmung an der Paul-Außerleitner-Schanze, sodass man das Gefühl bekommt, man sei beim Skifliegen in Planica gelandet. 

Knapp dahinter reihen sich die österreichischen Fans im Stimmungsbarometer ein. Trotz der guten Tournee-Gesamtleistung von Team Japan mit Ren Nikaido (Gesamtwertung Platz 4) und Ryoyu Kobayashi (Gesamtwertung Platz 5), können Fans aus Japan aber nicht mithalten.

Slowenien, Österreich, Japan … aber wo bleibt Deutschland? 

Deutschland bleibt… hinter den Erwartungen. Bester deutscher Springer war Felix Hoffman, der mit Platz 6 in der Tournee-Tabelle die letzten Hoffnungen auf einen deutschen Podestplatz begraben hat. Mit seiner Leistung ist er aber dennoch zufrieden. Ähnlich wie Philipp Raimund, der trotz Erkältung noch auf Platz 8 in der Gesamtwertung gesprungen ist. Sein Tournee-Fazit lautet:  

Phillip Raimund mit seinem persönlichen Tournee-Fazit

Bundestrainer Stefan Horngacher kann also in seiner letzten Saison beim Deutschen Skiverband zwei Top-Ten Platz in der Gesamtwertung verbuchen und diese Vierschanzentournee versöhnlich abschließen.

Abschiede, Abschiede, Abschiede

Nicht nur für den deutschen Bundestrainer ist die 74. Vierschanzentournee auch gleichzeitig eine Abschiedstournee. Auch der Österreicher Manuel Fettner zieht sich nach dieser Saison vom Weltcup  zurück. Mit dem Dreikönigsspringen bestritt er seinen letzten Tournee-Auftritt und wurde lautstark vom heimischen Publikum verabschiedet. Genau vor 25 Jahren hat Fettner mit 15 (!) Jahren zum ersten Mal bei der Vierschanzentournee teilgenommen… 25 Jahre später sagt er Servus mit einem 7. Platz beim letzten Tournee-Wettkampf. Gebührend geehrt und gefeiert wurde auch Kamil Stoch, einem von nur dreien Skispringern, den ein Grand Slam bei der Vierschanzentournee gelungen ist. Dementsprechend geehrt wurde die polnische Skisprung-Legende von seinen Kollegen und den Fans in Bischofshofen. 

Mit der Vierschanzentournee geht aber nur eines der vielen Highlights in diesem Winter zu Ende, denn schon in 2 Wochen beginnt die Skiflug Weltmeisterschaft in Oberstdorf, dicht gefolgt von den olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d´Ampezzo.