Mit Medikamenten durch die Prüfungsphase

Gehirndoping: Studieren unter Drogen

/ / Bild: M94.5 / Larissa Dillmann

Klausuren-Endspurt bei Studierenden – Auch auf den letzten Metern ist beim Lernen reine Konzentration gefragt! Manche erreichen dies durch Studentenfutter, Powernaps und Koffeinschocks…andere hingegen greifen zu stärkeren Mitteln. Dieses Phänomen, bei dem man leistungssteigernde Medikamente konsumiert, nennt man Gehirndoping. Doch was hat es mit diesen Aufputschmitteln auf sich?

Viele Studierende kämpfen gerade während der Prüfungphase krampfhaft damit, die gewünschten Leistungen zu erzielen. Manche nutzen dazu verschreibungspflichtige Medikamente wie Ritalin, Modafinil, Attentin und Medikinet. Durch den Konsum steigert sich die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin, welcher für Glücksgefühle und für Euphorie zuständig ist. Dadurch ist eine längere und fokussiertere Arbeit möglich. Dirk Grimm, Sozialpädagoge beim Projekt Mindzone, beschreibt die Wirkung so:

Die Leute sind nicht irgendwie im Technoclub total aufgekratzt und hüpfen durch die Gegend und tanzen und freuen sich, sondern sind kerzengerade und fokussiert.“


Dirk Grimm, Sozialpädagoge beim Projekt Mindzone
Dirk Grimm, Sozialpädagoge beim Projekt Mindzone
Bild: Dirk Grimm

Verharmlosung der Drogen

Viele sind versucht, diese Mittel auszuprobieren. Allerdings ist die Hemmschwelle offenbar besonders bei Studierenden gering. Sowohl durch die Qualitätskontrolle als auch durch die strengeren Produktionsauflagen dieser Medikamente erkennen viele junge Leute die möglichen Gefahren nicht und wiegen sich in Sicherheit. Das kritisiert auch Herr Grimm:

„Viele denken, legaler Status und ein Medikament, das tausendfach verschrieben wird – das kann ja nicht so schlimm sein, wenn ich das hin und wieder mal einnehme, um meine Leistung zu steigern.“


Dirk Grimm, Sozialpädagoge beim Projekt Mindzone

Unerkannte Gefahren

Aber nicht nur das, sondern auch die Leistungsgesellschaft im Allgemeinen und der Druck in der Prüfungsphase drängen manch eine*n zur Pilleneinnahme. Da anfangs langfristige Nebenwirkungen aus Sicht der Konsumenten keine Rolle spielen, riskieren Einige ihre Gesundheit für gute Noten. Dadurch entsteht ein schleichender Prozess der körperlichen und psychischen Abhängigkeit. Darüber hinaus kann durch den Konsum dieser verschreibungspflichtigen Medikamente das Nervensystem geschädigt werden.

„Alle Amphetamine, worunter auch entfernt diese leistungssteigernden Medikamente noch zu zählen sind, […] haben eine neurotoxische Komponente. Neurotoxisch heißt, es werden Nervenbahnen im Gehirn wahrscheinlich angegriffen, so wie die Studienlange ist. Das heißt, ich habe auf jeden Fall immer eine Schädigung meines Körpers, meines Gehirns, meiner Leistungen.“


Dirk Grimm, Sozialpädagoge beim Projekt Mindzone

Wo gibt es Hilfe?

Betroffene können Hilfe und Unterstützung bei Organisationen wie zum Beispiel Mindzone oder dem Studentenwerk finden. Dort können sie sich kostenlos psychologisch beraten lassen.

Geschrieben von Ella Fembacher.