Bild: Camilea Azar

Pom Pom Squad im Interview

Birth of the Queerleader

/ / Bild: Camilea Azar

Cheerleading ist nicht nur ein Sport für die schönen und coolen Mädchen der Klasse. Es kann genauso gut Darstellung von dreckigem Punk oder queerer Identität sein. Mia Berrin dreht unser Bild von Amerikas High Schools mit ihrer Band Pom Pom Squad auf den Kopf. Am 25. Juni erschien das Debütalbum „Death of a Cheerleader“. Wir waren mit Mia im Gespräch über Frauen im Grunge und Punk, über Identität und die Kunst, den eigenen Weg zu finden.

Mia Berrin im Interview mit M94.5

DER GROSSE DURCHBRUCH

Als ihr allererster Song „Lux“ zum ersten Mal im amerikanischen Radio lief, konnte Mia Berrin es kaum fassen. Den im Teenie-Alter verfassten Song hatte sie erst viele Jahre später eines Nachts auf der Plattform Bandcamp hochgeladen – und am nächsten Tag ging er einfach durch die Decke. Damals war Mia noch als Schauspielstudierende an der NYU in New York City auf einem ganz anderen Karrierepfad – und entschied sich dann prompt für die Musik. Im Juni 2021 erscheint das erste Album ihres Bandprojekts Pom Pom Squad. Wir können dieser Entscheidung nur applaudieren!

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Pom Pom Squad – „Lux“

POPKULTUR AUF ANDERE ART

In dem Album verarbeitet Mia all die popkulturellen Bezüge, die sie zu der Person und Künstlerin gemacht haben, die sie heute ist: Sofia Coppola („The Virgin Suicides“), David Lynch („Twin Peaks“) und Rookie Magazine. Amerikanische Popkultur ist tief mit dem Album und dessen Ästhetik verwoben. Dazu gehört auch das Bild einer klassischen High School mit den coolen Footballern, den Nerds und den schönen Cheerleadern – so stehen lässt  Pom Pom Squad die Sache allerdings nicht.

Im Kern geht es auf Death of a Cheerleader um eine Liebesgeschichte, sagt Mia. Diese entwickelt sich in Szenen, die musikalisch und stilistisch durchaus unterschiedlich sind. Da gibt es zum Einen den Song „Crying“, der melancholisch, orchestrale Klänge mit dem Motown-Sound der 50er und 60er Jahre vereint, den Mia liebt. Das Musikvideo ist in einer dramatischen Schwarz-Weiß Ästhetik gehalten, die an romantische Filme aus den 1940er Jahren erinnert .

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Pom Pom Squad – „Crying“

Im Gegensatz dazu gibt es die Lead-Single „Head Cheerleader“, die mit poppingem Sound das Gefühl verkörpert, frisch verliebt zu sein. Hierzu posiert Mia im Video im klassischen Cheerleader-Outfit zwischen Plastikblumen, Plastikgras und einem Plastikhimmel – eine Art Karikatur einer Parfümwerbung, die in Verbindung mit dem Sound der Band zu einer ganz neuen Erfahrung wird.

SUBTILE QUEERNESS

Zentrales Motiv des Albums und dessen Ästhetik ist die Queerness, die Mia auf subtile und subversive Art und Weise zum Vorschein bringt. Dabei bedient sie sich einer revolutionäre Art des Samplings, die nicht allein auf klanglicher Ebene stattfindet (The Crystals, Nirvana, Elliot Smith, Guilbert O’Sullivan): Mia sampled auch die Bezüge zu einer weiß-dominierten Normkultur, der sie in ihrer Jugend nachgeeifert ist. Und manifestiert damit ihre eigene Identität als queere person of colour.

“I’ve always been interested in sampling and the way it has changed the face of culture in general. This idea of marginalized people building off of these larger concepts to make something unique.”

Mia Berrin im Interview

Death of a Cheerleader beinhaltet auch die Cover-Version des Songs „Crimson+Clover“, die zum dahinschmelzen ist. Die distorted Sounds von Pom Pom Squad geben dem Lied noch mehr Emotion und Authentizität, als das Original von Tommy James & The Shondells sie enthält. Auch hier sampled Mia einen Bestandteil weißer Normkultur. Aber damit ist es nicht getan. Sie salutiert gleichzeitig auch einer Vorgängerin in Sachen queerer Sichtbarkeit: Joan Jett interpretierte einst den Song ohne die Pronomen zu ändern und machte daraus eine authentische Erzählung von der Liebe zwischen zwei Frauen.

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Pom Pom Squad – „Head Cheerleader“

EIGENE PRODUKTIONSERFAHRUNG

Im Produktionsprozess arbeitete Mia eng mit Sarah Tudzin (Illuminati Hotties) zusammen. Das Co-Produzieren war für beide eine sehr bereichernde Erfahrung, erzählt sie im M94.5-Interview. „Sarah is so talented“, sagt Mia. Doch das Produzieren hat Mia schon davor gelernt. Nach dem Ende ihrer Schauspielausbildung hat sie sich intensiv mit Musikgeschichte, – theorie und deren Produktion auseinander gesetzt. “That’s not a brang, that’s a fact“, sagt Mia. Ein so spannendes und vielfältiges Album wie dieses gibt auch Grund dazu, stolz zu sein!

SO GEHT’S WEITER

Aktuell ist Pom Pom Squad beim Berliner Label City Slang unter Vertrag. Mit dem Release des Albums Death of a Cheerleader plant die Band nicht nur eine, sondern gleich zwei große Touren innerhalb der USA – und damit auch die ersten der Band überhaupt!