Die wunderbare Welt der DLCs

Angelockt und Abgezockt

/ / Screenshot: M94.5 / Anna Venus

Bei vielen Games muss man beim Zocken nicht mehr nur schnelle Finger haben, sondern auch ein ständiges Auge auf den Geldbeutel. Kostenpflichtige DLCs und Mikrotransaktionen stellen sich zwischen SpielerInnen und Loot.

Acht Erweiterungspacks, acht Gameplay Packs und 16 Accessoire-Packs. Die gibt es bisher zusätzlich zum Die Sims 4 Grundspiel und da ist das neue Die Sims 4: Nachhaltig Leben, das im Juni erscheinen soll, noch gar nicht mitgezählt. Sims zählt als Paradebeispiel für eine ausgiebige DLC-Politik und immerhin scheint EA das seit 20 Jahren erfolgreich durchzuziehen. Doch geht es denn wirklich nicht anders?

Die Sims 4 erinnert einen immer daran, was noch fehlt / Screenshot: M94.5 / Vroni Kallinger

EA hat uns auf diese Frage leider nicht geantwortet. Trotzdem lohnt es sich, die unterschiedlichen Konzepte hinter „Games as a Service“ genauer anzuschauen und vielleicht findet sich so ein Weg, wie beispielsweise ein Die Sims 5 vom altbekannten AddOn-Prinzip abrücken könnte.

Games as a Service

„Games as a Service“ oder GaaS bedeutet einfach, dass ein Videospiel fortlaufend mit neuen Spielinhalten gefüttert wird, womit die Lust aufs Weiterspielen bei GamerInnen aufrecht erhalten werden soll.

Im Oktober 2016 hat Civilizaiton VI die Welt der Strategie-Spiele bereichert. Wie dessen Vorgänger ist auch hier ein Spiel auf den Markt gebracht worden, das sich von Zeit zu Zeit mit größeren wie kleineren kostenpflichtigen DLCs erweitern sollte. Für dieses Jahr haben die EntwicklerInnen bei Firaxis Games aber Größeres geplant: Den New Frontier-Pass.

„Der New Frontier-Pass gibt uns die Möglichkeiten, uns mit der Community zu verbinden, während wir neue Inhalte entwickeln und in regelmäßigen Abständen veröffentlichen“

Anton Strenger, Lead Game Designer bei Firaxis Games in einer Pressemitteilung
Für was genau hier 40 Euro verlangt werden, wissen nur die Entwickler / Bild: Firaxis Games / 2K

So sollen ab dem 21. Mai bis März 2021 insgesamt sechs Pakete erscheinen, die das Gameplay Stückweise erweitern sollen. Dazu kommen kostenlose Patches für alle SpielerInnen. Für was genau man aber die rund 40 Euro ausgibt, weiß man heute noch nicht. Angewendet auf Die Sims würde das wohl folgendes bedeuten: Man zahlt 40 Euro und hofft am Ende des Jahres endlich ein Haustiere-Erweiterungspack zu bekommen und wird dann doch mit Accessoire-Packs überschüttet. Ob das wirklich eine Verbesserung ist?

Neuer Content for Free

Wer lieber Pflanzen statt Weltmächte großzieht, wird in seiner Gaming-Karriere früher oder später auf Stardew Valley stoßen. Und wer sich das Spiel für knapp 15 Euro gekauft hat, erfreut sich seit jeher an kostenlosen Patches und Updates. Der Entwickler des Spiels, Eric Barone, hat erklärt, dass er nie vorhatte, kostenpflichtige Inhalte über das Grundspiel hinaus anzubieten. Das würde laut ihm die Seele des Spiels kaputt machen.

„If I was instead oriented toward monetization, I could make a lot more money off Stardew Valley by adding in all kinds of paid DLC. I could set up a big team and grow, grow, grow.“

Eric Barone, alias ConcernedApe auf Anfrage von M94.5

Hinter Stardew Valley steckt ein sehr kleines Team und so sind auch die Entwicklungskosten vergleichsweise gering. Das kann man nicht mit der Menge an Leuten vergleichen, die hinter einem Die Sims-Spiel sitzen. 

Kostenlos = Indie?

Aber nicht nur Indie-EntwicklerInnen zeigen, dass man Gameplay-Erweiterungen kostenlos anbieten kann.
GTA V hat Rockstar Games über 6 Milliarden Dollar eingebracht und gilt damit als das umsatzreichste audiovisuelle Unterhaltungsmedium. Seit der Erstveröffentlichung 2013 für die PS3 und Xbox 360 hat sich einiges an dem Spiel getan. Es kommen regelmäßig kostenlose Patches mit großen Spielinhalten heraus.
Wie, als würde man die Haustiere in Die Sims nach ein paar Jahren kostenlos dazu bekommen, einfach damit man weiterhin Spaß an dem Spiel hat.

GTA V hat sich mittlerweile über 115 Millionen Mal verkauft / Bild: Rockstar North

Es wäre aber nicht die wunderbare Welt der Videospiele, wenn es nicht manchmal doch einen Haken gäbe. Und der liegt bei GTA V hinter dem Zugang zu den neuen Spielinhalten. Um diese dann letztendlich freischalten zu können, muss der Spieler sein Ingame-Konto leeren. Oder seinen realen Geldbeutel, wenn ersteres nicht ausreicht.
Bei Sims heißt es dann: Kostenlose Haustiere! Aber erst, wenn du eine Sims-Familie über 10 Generationen gespielt hast. Oder du kaufst dir einfach Generationspunkte für ein bisschen Kleingeld. Oder wäre ein neues Energie-System á la Mobile Gaming möglich? Vielleicht wäre es gut, an dieser Stelle aufzuhören, sonst kommt EA noch auf Ideen.