Filmkritik: “Obsession – Du sollst mich lieben”
Wem würdest du lieber im Wald begegnen? Bear oder dem Bären?
Was ist, wenn du dir die Liebe deines Crushes einfach erwünschen kannst? Das dann aber aus dem Ruder läuft und er plötzlich eine kranke Obsession entwickelt? Genau das passiert in “Obsession – Du sollst mich lieben”.
Eigentlich sind sie nur gute Freunde. Doch Bear (Michael Johnston) ist schon seit Jahren heimlich in Nikki (Inde Navarrette) verliebt, hat sich bisher aber nicht getraut es ihr zu sagen.
In einem Kuriositätenladen kauft er einen “One Wish Willow”, ein magischer Holzstab, der ihm einen unwiderrufbaren Wunsch erfüllen kann.
Unsicher, ob das wirklich funktioniert, wünscht er sich, dass Nikki ihn mehr liebt als alles andere auf der Welt: Das geht in Erfüllung. Nikki liebt ihn wirklich. Nur etwas anders als er erwartet hat… Sie ist jetzt von ihm besessen.

“Du sollst den Film lieben”
Der Psycho-Horror-Thriller von Curry Barker ist in Deutschland erst am 21.06.2026 gestartet, hat jedoch bereits das 3-Fache seines Budgets eingespielt. Mit rund 750.000€, kann der Film als Low Budget Produktion eingestuft werden.
Der Regisseur ist 26 Jahre alt und bekannt durch seinen Social-Sketch-Comedy-Kanal “That’s a Bad Idea”. Nach “MILK & SERIAL” (2024), veröffentlicht er mit “Obsession” seinen zweiten Langspielfilm.
Für die Produktion übernahm er neben der Rolle des Regisseurs auch die Rolle des Drehbuchautors und weitere wichtige Arbeiten in der Postproduktion, unter anderem im Schnitt. Gefilmt wurde innerhalb von nur 26 Drehtagen.
Der beste Horror Film 2026?
Anstatt aufwendiger Special Effects, scheint der Fokus des Films auf dem Inhalt, der Kameraarbeit, dem intensiven Schauspiel und der subtilen Tongestaltung zu liegen.
Bei den Zuschauer:innen wird dadurch genau das ausgelöst, was ein richtig guter Horrorfilm auslösen sollte: Unwohlsein, Nervosität und Schock. Das Publikum hat keine Ahnung, was als nächstes passieren könnte, und steht pausenlos unter Spannung.
Der Stil erinnert an ein modernes Kammerspiel. Die Handlung konzentriert sich stark auf eine Kulisse: Die Wohnung von Bear. In einer Szene versucht Nikki, ihn dort mit sich zusammen einzusperren, indem sie die Tür mit Klebeband zuklebt. Die Wohnung wirkt besonders dort und danach immer enger und bedrückender. Die Kamera kommt immer näher und fokussiert sich auf Nikkis Gesicht und ihre minimalen Reaktionen. Untermalt werden Szenen mit minimalistischen Soundkulissen. Das lässt sie im Film bedrohlich aussehen.
Verrückt gutes Schauspiel
Ein Clip des Films, der im Internet gerade sehr “Viral” geht, ist der, in dem Bear und Nikki ihr Date haben und sie zum ersten Mal als “Freaky Nikki” auftritt.
Nikki erzählt Bear zu Anfang des Fluchs, dass ihr Vater Krebs habe und sie deswegen bei Bear bleiben möchte. Er findet jedoch heraus, dass das nicht stimmt und spricht sie in dieser Szene darauf an.
Sie starrt ihn ein bisschen zu lang an. Sie lacht und streitet es ab, bis ihre Stimmung umschlägt und sie vollkommen ausrastet. Ihre Stimmungen wechseln schnell und ihre nächsten Gedankengänge und Taten sind unvorhersehbar. Navarettes Schauspiel ist insgesamt sehr stark und überzeugend.
Selbst als Zuschauer:in möchte man Nikki nicht verstimmen und hat Angst vor ihren unkontrollierbaren Reaktionen. Ihr Schauspiel liegt am Anfang bei “Süßes Mädchen von nebenan” und wandelt sich schnell zu “gruseliger Stalker” bis hin zu ”Psychopath”. Die perfekte “Freaky Nikki” also.
Ist doch Bear der verrückte?
Neben den gestalterischen Aspekten wird im Internt auch heiß um den Hauptkonflikt des Films diskutiert. Im Mittelpunkt stehen “Bear” und sein Wunsch.
Ab der Sekunde, in der er den Wunsch ausspricht, merkt man, dass sich die Dynamik verändert und irgendwas nicht stimmt. Auch Bear bemerkt das. Im Laufe des Films entwickelt sich Nikki immer weiter zum “Psycho”. Sie liebt ihn mehr als alles andere auf der Welt und kann gar nichts anderes mehr als genau das.
Bear entscheidet sich nach den ersten großen Ausrastern, bei der Telefonnummer des “One Wish Willows” anzurufen, um Hilfe zu bekommen. Er hat jedoch nie vor, den Wunsch aufzulösen, sondern lediglich ihn zu seinem Gunsten “anzupassen”.
Auch im weiteren Verlauf äußert er immer wieder, dass er will, dass ihre Beziehung funktioniert, sie aber die ”echte Nikki” sein soll.
In einer Szene bittet sie ihn, sie umzubringen, weil das nicht sie ist und sie mit der Situation nicht leben kann. Die Antwort von Bear: “Ist es so schlimm mit mir zusammen zu sein?”
Bear vs Freaky Nikki
Augenscheinlich ist Nikki verrückt. Sie wartet an der Tür, ab dem Zeitpunkt zu dem Bear das Haus verlässt, bis von der Arbeit zurückkehrt. Sie ist krankhaft eifersüchtig und sie wird in ihren Reaktionen immer gefährlicher.
Die Reaktion vieler ist daraufhin die Inschutznahme von Bear. Er habe sich lediglich ihre Liebe gewünscht und nicht, dass sie zur “Freaky Nikki” mutiert. Aber ist nicht eigentlich Bear das Problem? Nikkis verändertes Verhalten entsteht ausschließlich durch seinen Wunsch. Anstatt, dass er diesen Fehler im Verlauf des Films einsieht, möchte er den Wunsch modifizieren?
Selbst zum Ende hin, als er weiß, dass der einzige Weg, zurück zu Nikkis normalen “ich” ist, dass Bear sich selbst umbringt, wollte er trotzdem lieber weiterleben. Er handelt vollkommen eigennützig, möchte das naheliegendste nicht wahrhaben und ist egoistisch.
Realer Horror!?
Die Gesellschaftskritik hinter dem Film ist wirklich nicht zu übersehen: In Zusammenhang mit seinen Handlungen und seinem Namen “Bear”, im deutschen “Bär”, ziehen viele Zuschauer:innen, Parallelen zur 2024 polarisierenden “Bär oder Mann” – Debatte.
In diesem Fall: “Würde man lieber Bear oder einem Bären begegnen wollen?”
Die Antwort: Man sollte sich hier lieber für den Bären entscheiden, der lässt einen zumindest nicht verstört und ohne Erinnerungen, mit 3 toten Menschen zurück.