Festival Review Tag 1
Primavera Sound Festival Barcelona – Tag 1
Barcelona ist wieder im Festivalmodus. Gestern startete das Primavera Sound Festival im Parc del Fòrum mit riesigen Erwartungen und Acts wie Doja Cat, Massive Attack oder Blood Orange. Unsere Reporterinnen Eda-Estelle und Zala waren vor Ort und haben den ersten Festivaltag miterlebt. Inklusive Festivalhighlights und ziemlich unerwartetem Chaos.
Eines wurde direkt nach dem Eintritt klar: Primavera ist riesig. Überall Bühnen, Food-Stände, Drinks und Angebote von den verschiedenen Sponsoren des Festivals. Man läuft gefühlt durch eine kleine Festivalstadt. Egal ob Indie, Pop oder elektronische Musik, hier findet jede:r etwas.
Ein Tag voller Auftritte
Los ging der Abend für uns mit Cameron Winter von Geese im Auditori Rockdeluxe, einem kleineren Indoor-Saal abseits der großen Outdoor-Bühnen. Nach dem riesigen Setting draußen fühlte sich das wie ein eher intimes Konzert an. Gedimmtes Licht, Sitzreihen statt Festivalwiese und eine Atmosphäre, die an ein kleines Geheimkonzert erinnerte. Dabei war die Crowd auch erstaunlich ruhig. Fast niemand hat mitgesungen oder gefilmt.


Von dort ging es für uns weiter Richtung Mainstage zu Blood Orange. Die Bühne wirkte riesig, davor eine große Fläche mit künstlicher grüner Wiese, auf der sich die Crowd langsam sammelte. Die Bühne ist dabei so aufgebaut, dass die zwei main Stages wie beim Superbloom direkt nebeneinander sind. Das war auch daran sichtbar, dass die meisten auch nach Blood Orange direkt an der Wiese geblieben sind, statt das Festival Gelände zu erkunden. Die Stimmung war entspannt, die Menschen auffällig kreativ angezogen und trotz des grauen Wetters überraschend gut drauf.



Später zog es uns zu Geese. Unser persönliches Highlight des Tages. Geese waren einer der früheren Acts des Tages. Es wurde getanzt, mitgesungen und komplett abgerissen. Vielleicht lag es an der Crowd, vielleicht an der Energie, aber der Auftritt hat uns beide sehr an England und Glastonbury erinnert. Auch die paar Tropfen Regen gegen Ende des Sets haben niemanden gestört. Bis es dann nicht angefangen hat zu kippen.




Cameron Winter hat die Sonne genommen
Direkt nach Geese tauchten auf den großen Screens erste Hinweise auf wetterbedingte Unterbrechungen auf. Die Nachricht klang eher nach einer kurzen Pause, während entschieden werde, wie es weitergeht. Trotzdem machte sich schnell Unsicherheit breit. Menschen begannen in Richtung überdachter Bereiche zu laufen, manche versuchten Schutz unter Dächern oder Essensständen zu finden. Andere blieben entspannt stehen, weil mehrere Bühnen zunächst ganz normal weiterspielten. Dabei wusste niemand was wirklich los ist. Nichtmal die Security.

Stunden später änderte sich die Stimmung komplett. Security-Mitarbeiter:innen begannen, Menschen aus großen Teilen des Geländes wegzuschicken und erklärten teilweise sogar, dass das Festival beendet sei. Gleichzeitig gab es auf den offiziellen Primavera-Kanälen kaum Informationen. Keine klare Ansage, keine richtige Orientierung. Stattdessen liefen plötzlich Tausende Menschen gleichzeitig Richtung Ausgang. Manche Artists und Besucher:innen warteten noch ab, andere versuchten wieder auf das Gelände zu kommen, wurden aber immer wieder von Security zurückgeschickt.
Viele gingen deshalb davon aus, dass der Abend endgültig vorbei sei. Umso verwirrender war es, dass erst später überhaupt Informationen veröffentlicht wurden. Als Doja Cats eigentliches Set schon fast vorbei gewesen wäre, erschien auf Instagram die Nachricht, dass sie nicht auftreten würde. Viele Fans hatten ihre einzigen Updates da längst direkt von den Artists selbst bekommen. Auch bei Massive Attack herrschte massives Chaos. Erst wurde der Auftritt verschoben, dann wieder abgesagt. Gleichzeitig spielten einige Stages offenbar zeitweise doch weiter, nur wusste das kaum jemand, weil die Kommunikation so spät und unklar war. Ein offizielles Statement zum gestrigen Tag wurde heute gegen 11:00 veröffentlicht.
Viele Besucher:innen haben das Festival gestern also leider enttäuscht verlassen. Da es aber neben dem Strand stattfindet war es vielleicht schon klar, dass es ins Wasser fällt. Es bleibt zu hoffen, dass Tag zwei etwas besser läuft.