Vinylplatten-Tipps

Musik auf Scheiben

/ / Bild: M94.5 / Tim Erlewein

Erst das wohlige Knistern vom Tonkopf, dann die angehnehme und charmante Melodie aus den Lautsprechern. Der Trend geht wieder zum Vinyl und viele probieren sich am neuen Hobby. Doch was ist alles bei Vinylplatten zu beachten?

Was kommt nach digital? Analog! Klingt komisch, die Realität zeigt aber: Die klassische Vinylplatte ist wieder zurück. Viele ergründen und verlieren sich in den Tiefen der Schallplatten-Welt. Auch Flohmärkte und Second-Hand Shops verkaufen zunehmend wieder mehr Vinyl. Und immer mehr Künstler bringen ihr neues Album zusätzlich auf analogen Platten raus. Kein Wunder, dass Neulinge oder Interessierte leicht mit dem Thema überfordert sind. Mit Hilfe von Uwe Pawelczynski Organisator vom Plattenladen “Die Tonabnehmer Gbr” aus München, haben wir hier für euch ein paar Tipps zusammengestellt, damit eurem Vintage Erlebnis nichts mehr im Wege steht. 

“Gerade auch für junge Leute, und da denke ich auch an mich als kleiner Junge, war es einfach toll eine Schallplatte zu haben.”

– Uwe Pawelczynski von “Die Tonabnehmer Gbr” im M94.5-Interview

Das kleine Platten-Einmaleins

Bevor ihr euch jetzt aber Hals über Kopf in den Kaufrausch stürzt, solltet ihr euch noch mit ein paar Fachtermini auseinandersetzten. Denn auch Vinylplatten haben bestimmte Besonderheiten, die vielleicht nicht allen geläufig sind. 

Die Schallplatte im 7″ und 12″ Format

Die Vinylplatte gibt es in unterschiedlichen Formaten. Für den Anfang sind erstmal die 7 Zoll und die 12 Zoll Platte am wichtigsten. Beide sind einfach auseinander zu halten: Die 7” deutlich kleiner ist als die 12”.  

Links: 12″ Vinyl, Rechts: 7″ Vinyl, Bild: M94.5 / Tim Erlewein

Auf die 7 Inch Vinyl passen immer nur 2 Songs drauf (Ein Song pro Seite), deswegen werden diese auch “Single” genannt. Bei der größeren Variante sind je nach Songlänge 3 – 12 Songs pro Seite vorhanden. 

45 RPM und 33 1/3 RPM

Je nach Tonträger ist auch entscheidend, mit welcher Geschwindigkeit sich die Platte dreht. Am wichtigsten sind die beiden Optionen: 45 RPM und 33 1/3 RPM, wobei letzteres meistens mit 33 abgekürzt wird. RPM steht für Umdrehungen pro Minute, die sich am Turntable ändern lassen.  

Normalerweise läuft die 7” Platten auf 45 RPM und die 12” auf 33 1/3 RPM, das ist aber nicht festgelegt. Für alle Fälle steht daher die einzustellende Geschwindigkeit immer auf dem Schallplatten-Etikett. 

Colored oder Black?

Seit nicht allzu langer Zeit gibt es Vinylplatten nicht nur im klassischem schwarz, sondern auch in verschiedenen Farben mit Mustern, Bildern oder in transparent. Außer dem Design gibt es aber keinen Unterschied. Manche Enthusiast:innen meinen, dass bei den bunten Varianten die Klangqualität schlechter sei. Im Normalfall ist aber kein Unterschied hörbar. Auch Uwe Pawelczynski stimmt dem zu: “Die Meinung geht [zwar] eher in Richtung, dass schwarzes originales Vinyl die bessere Qualität hat, dafür gibt es aber keine wirklichen Beweise.”

Mint, Very Good und Co. 

Auch wenn ihr der Meinung seid, dass ihr gerade einen tollen Deal für eine Gebrauchtplatte gemacht habt: Überprüft vorher die Qualität und bei Onlinekäufen vor allem den Zustand, der angegeben ist.  

Dabei gibt es 7 unterschiedliche Qualitätskategorien, die hier mit dem Zustand abnehmend geordnet sind: 

1. (SS) Still Sealed / (M) Mint 
2. Near Mint (NM / M-) 
3. Excellent / Very Good (VG ++) 
4. Very Good (VG +/-) 
5. Good (G +/-) 
6. Fair (F +/-) 
7. Poor (P +/-) 
Qualitätskategorien bei Schallplatten, absteigend aufgelistet

Diese Bewertung hängt aber stark von der persönlichen Einschätzung ab. Ein Onlinekauf von Platten ohne Sicherheiten ist daher meist eine schlechte Wahl. 

Gebraucht oder Brandneu? 

Wer das Feilschen um Gegenstände auf dem Flohmarkt liebt, wird auch mit Vinylplatten seine Freude haben. Für die Anderen können sich den gewünschten Tonträger natürlich auch online kaufen – ganz ohne Flohmarkt-Gewusel. Zudem gibt es die meisten Klassiker aus dem vergangenen Jahrhundert sowieso schon in neuer aktueller Pressung. Warum dann überhaupt Second-Hand?

“Wenn man eine Platte kaufen möchte, muss man sich diese auch vorher genau angeschaut haben.”

– Uwe Pawelczynski

Welcher Preis ist denn nun heiß? 

Sehr ausschlaggebend ist natürlich der Anschaffungspreis. Die Neupressungen, die im Elektronikfachhandel oder auf den Websites verkauft werden, kosten in der Regel zwischen 20 und 30 Euro. Bei kleineren Künstler:innen, die nur eine geringe Auflagenzahl bieten können und nicht in Europa produzieren, kann der Preis dann auch mal schnell die 50er Marke durchbrechen. Obendrein kommt dann noch der Versand dazu. 

Bei gebrauchten Platten hingegen können die Käufer:innen in der Regel 10 Euro sparen – oder sogar mehr, je nach Zustand der Vinylplatte. Hier ist aber das Problem, dass die Platten mit geringerer Auflagenzahl meistens nicht günstiger sind, oder gar nicht im Gebrauchtmarkt erhältlich sind. 

Vinyl und Sammlerwert 

Ein weiterer Grund ist der Wert des Gegenstandes. Neupressungen weisen häufig mehr Ausgaben auf und steigen dadurch nicht wirklich an Wert. Darüber hinaus kauft keiner gebrauchte Schallplatten, die es aktuell in derselben Pressung frisch verpackt zu kaufen gibt und auch noch weiterhin produziert werden.  

Hier kann auch wieder das Gebrauchtmodell punkten. Die Schallplatten aus vergangener Zeit werden nicht mehr so produziert, wodurch sich sozusagen zu Unikaten werden. Und Unikate locken Sammler:innen an, wodurch sich die Nachfrage erhöht und das Angebot immer kleiner wird – der Wert der Platte steigt. Jedoch hängt das natürlich auch wieder vom Zustand, der Künstler:in, dem Album und der Edition ab. Also alt bedeutet nicht gleich Wert. 

Qualität vor Quantität 

Bei der Beurteilung sollte in keinem Fall das Thema Qualität ausgelassen werden. Für die Vinylplatte gilt dann speziell die Klangqualität, bei der einige meinen, dass es doch Unterschiede zwischen Alt und Neu gibt.

Früher kamen die Künstler:innen ins Studio und zeichneten ihre Musik auf Tonbändern auf. Aus diesen Bändern wurden dann im Anschluss sogenannte Pressrohlinge gefertigt, die die Vorlage für die zu anfertigenden Vinylplatten waren. 

Vorteilhaft ist, dass die Langspielplatte eigentlich nicht altert, sondern nur abgenutzt wird. Die Tonbandträger auf denen die Originalaufnahmen aufgezeichnet sind, altern allerdings schon. Dieser Alterungsvorgang ist auch hörbar.  Ein Beispiel ist das erhöhte Grundrauschen und der Verlust von Details in der Musik. 

Trotzdem verwenden die Hersteller bei Neupressungen oft die alten Tonbänder, um möglichst nah am Original zu bleiben. Weil die aber alt sind, versuchen Produzent:innen, die Aufnahmen mit dem Computer aufzuhübschen. Das verändert wiederum die originale Musikaufnahme und entspricht möglicherweise nicht mehr dem, was die Musiker:innen am Anfang eigentlich gewollt hat. 

Uwe Pawelczynski meint, dass die Diskussion nach gebraucht oder frisch eine individuelle Entscheidung ist: “Jeder einzelne hat da seine eigenen Interessen und es spricht eigentlich nichts gegen Platten, die neu aufgelegt wurden.”

Bild: M94.5 / Tim Erlewein

Das Wikipedia für Vinyl

Zwar ist die Schallplatte ein analoger Gegenstand aus vergangener Zeit. Doch auch dieser bleibt vom Internet des 21. Jahrhunderts nicht verschont. Aber das ist nicht schlecht, denn diese Kombination bringt großartige Vorteile, wie die sehr nützliche Plattform “Discogs”. 

Discogs ist eine kostenlose Online-Datenbank von Diskografien, die von Musiker:innen, Musiklabeln und Enthusiast:innen bestückt und betreut wird. Dort könnt ihr wirklich alles zu jeder Platte von wirklich allen Musiker:innen finden. 

Ein weiteres sehr nützliches Tool bei Discogs ist die “Marktplatz”-Funktion. Hier könnt ihr sehen, welche Schallplatten zu welchem Preis verkauft werden und wo ihr welches Album am günstigsten bekommt. Dabei handelt es sich aber um ein Vergleichsportal für den gebraucht Vinylmarkt. 

Lagerung und Pflege der Tonträger

Jetzt habt ihr euch endlich für eine Schallplatte entschieden und sie gekauft – aber was macht ihr jetzt damit? Wo und wie solltet ihr eure Schallplatten zuhause aufbewahren? Und wie pflegt ihr eure Tonträger, damit ihr euch noch so lange wie möglich an der Musik erfreuen könnt? 

Es ist kein Problem, zwei bis fünf Platten aufeinander horizontal hinzulegen, aber “grundsätzlich ist es so, dass Schallplatten so gelagert werden, wie ein Buch in einem Bücherregal, also senkrecht”, sagt Uwe Pawelczynski, Mitarbeiter des Plattenladens “Die Tonabnehmer Gbr”. Wenn sie aufeinander liegen, kann es passieren, dass die Schallplatten durch das Gewicht der anderen verbogen werden und so im schlimmsten Fall nicht mehr spielbar sind.  

Außerdem solltet ihr darauf achten, dass eure Tonträger nicht direkt neben oder über einer Heizung stehen, denn laut Uwe Pawelczynski ist übermäßige Wärme nicht ideal für die Schallplatten. 

Schutzhüllen für Vinylplatten 

Eine weitere sinnvolle Investition sind Schutzhüllen für die Schallplatte selbst, die sogenannten “Inner Sleeves”, sowie für das Cover, die “Outer Sleeves” heißen. Normalerweise werden die Platten mit Inner Sleeves aus Papier verkauft, in manchen Fällen auch welche aus antistatischem Plastik. Laut Plattenladenmitarbeiter Pawelczynski ist das aber von Sammler:in zu Sammler:in unterschiedlich. Er selber schwört auf das altbewährte Papier. 

Die Außenhüllen für das Cover sind in jedem Fall aus Plastik, das schützt die Front vor Nässe und Kratzern. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass bei sehr langer Lagerung von Platten die Covers aneinanderkleben können, wodurch bei unvorsichtigem Trennen das Artwork beschädigt wird. Mit Outer Sleeves aus Plastik passiert euch das nicht. 

Die Waschmaschine der Musik 

Sobald ihr euch noch länger mit dem Thema befasst, wird euch auch irgendwann die Waschmaschine für Vinylplatten über den Weg laufen. Sinnvoll ist die Investition für euch, wenn ihr vermehrt Tonträger auf Flohmärkten kauft. Dort ist es nämlich nicht selbstverständlich, dass die Platten zuvor richtig gereinigt wurden. Dadurch kann es dazu kommen, dass manche Schallplatten doch verschmutzt sind. Dieser Schmutz lässt manchmal auch nicht mit der Bürste entfernen. Durch das Spielen dieser Vinylplatten können Haarrisse entstehen, welche die Tonträger sogar hörbar beschädigen können. Mithilfe der Plattenwaschmaschine werden durch eine Reinigungsflüssigkeit Unreinheiten sorgsam entfernt. 

Turn Baby Turn! 

Nachdem ihr den Schallplattenspieler einschaltet und die richtige Geschwindigkeit eingestellt habt, solltet ihr nun noch zwei Schritte beachten. Danach könnt ihr den Tonkopf auf die Einlaufrille, also den äußersten Ring der Schallplatte, setzten. 

Schritt 1: Die Entnahme aus dem Inner Sleeve 

Am besten ist es, mit dem Daumen die Unterseite der Vinylplatte in der Mitte, dem sogenannten “Label”, zu stützen und mit den restlichen Fingern die Platte am Rand zu fixieren. Sobald ihr die zweite Hand frei habt, könnt ihr den Tonträger mit beiden Händen am Rand festhalten und so auf den Plattenspieler legen. 

Schritt 2: Die Bürste für die Vinylplatte

“Bevor ich die Nadel runtergehen lasse, bürste ich die Platte erst nochmal sauber, damit kein Staub an der Nadel hängen bleibt”, sagt Pawelczynski, Mitarbeiter bei “Die Tonabnehmer”.  

Das lässt sich am besten mit einer antistatischen Bürste machen, die oft beim Schallplattenspieler mitgeliefert wird. Solltet ihr nun den ganzen Staub entfernt haben, steht eurem Musikerlebnis nun nichts mehr im Wege.