Robert Karopka

Kommentar

Arbeitskampf muss ungemütlich sein!

/ / Bild: M94.5 / Vroni Kallinger

Das Chaos am Münchner Flughafen war groß. Durch einen Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals mussten hunderte Flüge gestrichen werden. Ein Lufthansa-Vorstand kritisiert: Der Streik zerstöre die Reisepläne von tausenden Menschen. Unser Redakteur Robert Karopka findet: Stimmt. Das macht den Streik aber nicht weniger legitim, denn Streiken ist Arbeitskampf. Ein Kommentar.

Gestrichene Flüge, lange Schlangen vor den Serviceschaltern, frustrierte Reisende. Der vergangene Mittwoch war sicherlich nicht leicht für viele Passagier:innen von Lufthansa. Hinter jedem gestrichenen Flug stehen persönliche Schicksale, stehen Leute, die vielleicht nicht zu ihren Liebsten nach Hause kommen.

Kollektives Betteln

Diese Schicksale dürfen aber kein Mittel sein, um Streiks generell zu diskreditieren. Streiken ist ein verbrieftes Grundrecht. Schon das Bundesarbeitsgericht hat 1980 festgestellt: Ohne Streiken sind Tarifverhandlungen nur kollektives Betteln. Alleine durch Streiks haben Arbeitnehmer:innen die Möglichkeit, sich nicht durch Arbeitgeber:innen ausnutzen zu lassen. Ohne eine Form des Zusammenschlusses unter Arbeitnehmer:innen können Arbeitgeber:innen ihre Macht nutzen und diese einfach gegeneinander ausspielen.

Dennoch gibt es bei jedem Streik immer wieder Medien, die dieses Grundrecht nicht so einfach akzeptieren wollen und teilweise konzertiert negative Stimmung gegen den Arbeitskampf machen. Ganz vorne mit dabei ist meistens der Axel-Springer-Konzern. 

Die Rolle von Axel-Springer und Co.

Zum gerade beendeten Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals titulierten sie in der Bild-Zeitung: “Habt ihr sie noch alle?”. Als die Gewerkschaft der Lokführer 2014 in den Arbeitskampf trat, schoss das Blatt nicht nur gegen deren Vorsitzenden Claus Weselsky, sondern veröffentlichte sogar noch seine Telefonnummer auf der Frontseite der Zeitung.

Oft unterstützen derlei Medien dabei auch gerne ein Narrativ, welches durch die Arbeitgeber selbst gesät wird: Der Streik zum aktuellen Zeitpunkt sei unsolidarisch, weil zum Beispiel gerade Ferienzeit ist oder – wie momentan im Luftverkehr – sowieso schon Chaos herrsche und es unvernünftig sei, diese Situation noch weiter zu verschlimmern. Oft kommt dann noch das Königsargument: Die Arbeitnehmer:innen würden sich dadurch die Unterstützung in der Bevölkerung verspielen.

Arbeitskampf braucht keine Sympathie aus der Bevölkerung

Dabei ist die Unterstützung aus der Bevölkerung gar nicht notwendig im Arbeitskampf. Denn ein Tarifvertrag wird zwischen Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen ausgestritten. Wie viel am Ende Unterstützung aus der Bevölkerung bringt, hat man bei den Klatschkonzerten für die Pflegebranche gesehen: Nichts.

Natürlich ist ein Streik nie schön für die Betroffenen. Aber es zählt: Sei nicht sauer auf die Streikenden, sei sauer auf die Bestreikten. Denn diese haben genauso die Verantwortung, auf Wünsche ihrer Mitarbeiterschaft einzugehen und in Tarifverhandlungen ein ordentliches Angebot vorzulegen.

Und schlussendlich muss man auch feststellen: Ein Streik, den niemand merkt, unter dem niemand leidet, der ist nicht effektiv. Natürlich finden es Kund*innen – egal ob bei der Lufthansa, der Bahn oder Kindergärten – unerfreulich, wenn sie zwischen die Fronten geraten. Aber: Nur durch den Leistungsausfall können Gewerkschaften überhaupt Druck auf Arbeitgeber:innen erzeugen. Wenn Streiks so funktionieren würden, dass die Kund*innen nichts davon mitbekommen, würden Arbeitgeber:innen diese vermutlich einfach bis in alle Ewigkeit aussitzen, und es würde sich letztendlich nichts an den Arbeitsbedingungen ändern.