Gerrymandering

Zwischen Cracking und Packing

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Die Zwischenwahlen in den USA sind vorbei, die Wahlkreise ausgezählt. Doch wie werden die Grenzen dieser Wahlkreise eigentlich gezogen? Sowohl Demokraten als auch Republikaner bedienen sich dabei am sogenannten „Gerrymandering“. Wir erklären, was sich dahinter verbirgt. 

Die amerikanischen Wahlbezirke.
Bild: FiveThirtyEight

Was ist Gerrymandering?

In den USA wird alle zehn Jahre der Zensus durchgeführt. Anhand dessen werden die verschiedenen Wahlbezirke in den US-Bundesstaaten für die Wahl der Abgeordneten im House of Representatives festgelegt. Es gibt aber einen Haken: Diejenige Partei, die in den jeweiligen Bundesstaaten an der Macht ist, darf die Grenzen flexibel bestimmen. So kann zum Beispiel ein republikanischer Gouverneur in Texas die Grenzen der Wahlkreise in seinem Bundesstaat so manipulieren, dass sich dort möglichst viele Republikaner befinden. In diesen Wahlkreisen gewinnt dann mit ziemlicher Sicherheit der republikanische Kandidat – die Demokraten haben so kaum eine Chance.

Beim Gerrymandering gibt es zwei Möglichkeiten: „Cracking“ und „Packing“. Beim „Cracking“ werden die Wähler der gegnerischen Partei auf möglichst viele Wahlkreise aufgeteilt, damit ihre Stimmen weniger Gewicht haben. Als Alternative werden beim „Packing“ – wie im Beispiel oben – möglichst viele Unterstützer einer Partei in einen Wahlkreis gepackt. Dadurch werden allerdings einige Stimmen verschwendet. Anstatt in einem stärker umkämpften Wahlkreis das Ergebnis beeinflussen zu können, festigen diese Wähler lediglich einen Ausgang der quasi schon vorher feststand. Wie amerikanische Wahlkreise genau dadurch beeinflusst werden, könnt ihr beim „Gerrymander Project“ von FiveThirthyEight genauer nachlesen.

Einfluss auf die amerikanischen Zwischenwahlen

Seit die Republikaner nach dem letzten Zensus 2010 viele Wahlbezirke neu ausrichten konnten, hatten es die Demokraten im Repräsentantenhaus schwer, die Mehrheit zu gewinnen. Das ist ihnen nun in den aktuellen Midterm-Wahlen trotzdem gelungen. Inwiefern Gerrymandering dabei eine Rolle gespielt hat, lässt sich allerdings noch nicht genau sagen. Am Beispiel von Pennsylvania kann man es zumindest versuchen. Dort mussten die Wahlbezirke neu aufgeteilt werden, weil 13 von 18 Plätzen an die Republikaner gingen – obwohl sie bloß knapp über die Hälfte der Stimmen bekamen. Laut Dr. Andreas Etges vom Amerika-Institut an der LMU war die Verteilung bei den jüngsten Wahlen deutlich anders: neun Republikaner und neun Demokraten sitzen nun für Pennsylvania in Washington. „Das wird sicherlich auch mit dem neutraleren Zuschnitt der Wahlkreise zu tun haben, aber die Republikaner haben ja insgesamt verloren,“ sagt Etges. Diese Entwicklung könnte auch an der generellen Unzufriedenheit mit Trumps Politik liegen.

Hat Gerrymandering auch Vorteile?

Grundsätzlich kann die Manipulation von Wahlkreisgrenzen auch dazu führen, dass Minderheiten eine bessere Chance auf faire Repräsentation haben. Ein Beispiel: Wenn mehrere Afro-Amerikaner in einem Wahlkreis zusammengefasst werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein afro-amerikanischer Kandidat in das Repräsentantenhaus einzieht, sehr hoch. Das ist einerseits gut, kann aber auch problematisch werden. „In den USA reicht eine relative Mehrheit aus,“ sagt Etges. „Wenn dieses ‚Packing‘ dazu führt, dass man einen Wahlkreis schafft der 70, 80 oder 90 Prozent für eine Partei ist, dann sind theoretisch 30 Prozent dieser Stimmen verschwendet.“

Hier könnt ihr die Antworten von Dr. Andreas Etges nachhören:

Etges zum Einfluss von Gerrymandering auf die Midterms.
Etges zu den positiven Auswirkungen von Gerrymandering.