Wie geht’s Film- und Fernsehproduktionen?

„Wir wollen drehen, aber sicher“

/ / Bild: M94.5 / Sabrina Luttenberger

Nach Hilferufen aus der Kultur stockt Bayern den kulturellen Rettungsschirm auf. Vor allem die Film- und Fernsehproduktion litt die letzten Wochen unter Drehverboten. Jetzt gibt es auch hier Hoffnungsschimmer.

Der “kulturelle Rettungsschirm” wird in Bayern auf 200 Millionen Euro aufgestockt – bislang waren es 90 Millionen. Das gab der bayerische Ministerpräsident Markus Söder auf einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen bekannt. Zudem soll der Kreis an Künstler*innen, die Soforthilfe bekommen, erweitert werden. Dazu sollen laut Söder auch freiberufliche Journalist*innen, Maskenbildner*innen, Techniker*innen und Kameraleute zählen. Dabei hob Söder besonders die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft hervor. Kultur sei nötig, um Mut zu machen und Inspiration zu setzten.

Filmproduktionen in Zeiten von Corona

Viele der derzeit laufenden Filmproduktionen waren die letzten zwei Monate eingestellt worden. Unter strengen Auflagen und Maßnahmen soll der Betrieb aber schrittweise die nächsten Wochen wieder aufgenommen werden. Die Berufsverbände der verschiedenen Abteilungen (Maske, Kostüm, Technik, Darsteller, Kamera usw.) haben hierfür einen Maßnahmenkatalog erstellt, unter welchen Bedingungen Dreharbeiten für sie möglich sind. 

Die Dreharbeiten werden somit natürlich um einiges aufwendiger als ohnehin schon. So sollen nach Möglichkeit alle Schauspieler*innen während den Dreharbeiten regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Außerdem dürfen gekaufte Kostüme und Requisiten nicht von derselben Person, die die Kostüme im Laden gekauft hat, ans Set gebracht werden. Stattdessen werden die Zuständigkeitsbereiche so aufgeteilt, dass Mitarbeiter*innen vom Set nicht mit der Außenwelt in Kontakt kommen.

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Theresia Wogh ist freischaffende Kostümbildnerin für Film- und Fernsehproduktionen. Sie hat „große Hoffnung, dass es jetzt weitergeht und mithilfe der verabschiedeten Maßnahmen wieder möglichst lange produziert werden kann und nicht von einer zweiten Welle unterbrochen wird”. Denn die derzeitige Situation sei aus ihrer Sicht für viele Filmschaffende ein Katastrophenfall. 

“Die meisten Freiberuflichen aus der Filmbranche haben normalerweise erst ab März oder Anfang April ihre ersten Aufträge im Jahr, für viele bricht somit erstmal das gesamte Einkommen in diesem Jahr weg” 

Theresia Wogh, Kostümbildnerin

Trotz der schwierigen Situation lobt Wogh das Krisenmangement des Bayerischen Ministeriums.

“Ich fand die Hilfe und Informationen sehr gut und sinnvoll. Bei den telefonischen Beratungsstellen des bayerischen Wirtschaftsministeriums, war immer jemand erreichbar und konnte Auskunft geben”.  

Theresia Wogh, Kostümbildnerin

Drehen unter strengen Maßnahmen

Wenn auch die aktuelle Situation sehr schwierig ist, könne man das Drehen aber langsam wieder aufnehmen. Das allerdings nur unter bestimmten Hygieneauflagen. Das ist die Einschätzung von Wilhelm Engelhardt als freiberuflicher Fernsehregisseur. Auch er weiß, dass Schutzmasken und Mindestabstand Pflicht sind. Doch lässt sich das vor der Kamera überhaupt umsetzten? 

“Das kann man beim Spielen natürlich nicht machen, aber alle anderen hinter der Kamera können das machen und Schauspieler müssen die Schutzmasken für die Szenen abnehmen.“

Wilhelm Engelhardt, Regisseur
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Dennoch lässt sich der Mindestabstand auch vor der Kamera einhalten. Durch bestimmte Filmmaßnahmen kann die Technik diesen Mindestabstand im Fernsehen ein wenig retuschieren.  

„Mit einer längeren Brennweite kann man die Leute näher optisch zusammenrücken, sodass sie den Abstand wie im realen Leben haben. Optisch sieht es halt so aus, wie als wären sie zusammen. Da kann man mit der richtigen Wahl der Objektive und der Perspektive einiges machen.“

Wilhelm Engelhardt, Regisseur
Regisseur Wilhelm Engelhardt bei den Dreharbeiten von „Hubert ohne Staller“ Bild: Wilhelm Engelhardt

Gehen Sendern bald die Inhalte aus?

Bis diese Produktionen allerdings fertig sind, dauert es mehrere Monate. Doch gerade jetzt haben viele Menschen mehr Zeit zum Fernsehen als davor. Auch deshalb mussten viele Sender und Produzierende Übergangslösungen finden, um neues Material zu drehen, obwohl die meisten Dreharbeiten eingestellt worden sind. Eine dieser Übergangslösungen waren vor allem Online-Serien.

„Was in der Zeit passiert ist: Es gab Online-Serien, die sehr schnell produziert wurden und speziell für die Corona-Situation gemacht wurden.“ 

Wilhelm Engelhardt, Regisseur
Bild: shutterstock

Angst, dass es bald nur noch Wiederholungen im Fernsehen geben könnte, brauchen Fernsehzuschauer*innen demnach nicht haben. Auch Studioproduktionen von Liveshows und Fernseh-Talks sind weiterhin möglich, nur ohne Publikum und mit Mindestabstand. 

Alles in allem wird es somit wahrscheinlich in naher Zukunft wieder neue Film- und Fernsehproduktionen geben. Sollte es aber zu einer zweiten Infektionswelle kommen oder die Hygienemaßnahmen nicht von allen eingehalten werden, würden Dreharbeiten aller Voraussicht nach wieder eingestellt.