Visuelle Effekte im Film

Fake oder real?

/ / Bild: shutterstock

Tom Cruise will für seinen nächsten Film im Weltraum drehen, auf der Internationalen Raumstation ISS. Das bringt natürlich vor allem Publicity, aber stellt uns ganz grundsätzlich vor die Frage: Was wird bei Filmen eigentlich noch „in Echt“ gedreht und was entsteht als virtueller Effekt „nur“ am Computer? Und warum?

Die Dinosaurier, die in Jurassic Park majestätisch durch die Wälder schreiten, oder Gollum in Herr der Ringe, dessen kennzeichnendes „Mein Schatz“ längst Fantasy-Kulturgut ist, haben eines gemeinsam: Sie sind natürlich nicht echt, sondern digital animiert. Aber visuelle Effekte – kurz VFX – verstecken sich auch dort, wo man sie eigentlich nicht vermuten würde, erklärt VFX-Supervisor und Animation-Director Jan Stoltz:

„Mittlerweile kommen eigentlich Effekte in fast allen Filmen vor, auch in solchen, die keine klassischen Effekt- oder Actionfilme sind – und bieten den Machern damit natürlich immer größere Möglichkeiten.“

VFX-Supervisor Jan Stoltz
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NASA-Chef Bridenstine über den geplanten Tom-Cruise-Film

Ungewohnte Erfahrung für die Schauspieler

Selbst in Comedy-Serien oder dem Tatort – überall werden visuelle Effekte verwendet, kaum vom gedrehten Material zu unterscheiden. Jan Stoltz arbeitet beim Münchner Unternehmen Trixter, einer der führenden Größen weltweit in Sachen digitaler Filmbearbeitung und verantwortlich für die meisten Marvel-Filme mit Ironman, Black Panther und Aquaman. Gerade Szenen, die unter Wasser oder auf fremden Planeten spielen sollen, kommen großteils aus dem Computer. Die Schauspieler stehen dann nicht vor gebauten Kulissen, sondern vor dem berühmt-berüchtigten Greenscreen. Das stellt die Darsteller natürlich vor neue Herausforderungen – denn sie sollen ja glaubhaft mit der Umgebung interagieren, so Stoltz:

„Bei den Känguru-Chroniken zum Beispiel hatten wir darum einen Schauspieler, der das Känguru gespielt hat. Der wird dann aber im Nachhinein rausretuschiert und das animierte Känguru dafür digital eingebaut. Der große Vorteil von dieser Praxis ist, dass man dadurch immer das Gefühl hat, der spricht tatsächlich mit einem real existierenden Wesen und nicht einfach ins Nichts hinein.“

Jan Stoltz
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So entstand der Film „Die Känguru-Chroniken“ – mit Volker Zack als „Stuntman“.

Schier grenzenlose Möglichkeiten

Trotzdem braucht es da natürlich viel Vorstellungsvermögen und Fantasie bei den Schauspielern, um sich wirklich in die Situationen hinein zu fühlen. Auch ein beliebter Trick in der Branche: Bemalte Tennisbälle dienen am Set oft als Augen für Monster oder andere Kreaturen und damit als praktische Orientierung für die Schauspieler, wohin sie schauen müssen – weiß Regisseur Dennis Gansel. Von ihm stammt die Jim-Knopf-Realverfilmung aus dem Jahr 2018. Lange galt der Stoff als „unverfilmbar“ – aber VFX machts möglich:

„Das Drehbuch ist schon zehn Jahre alt, aber wurde dann schnell wieder aufgegeben, weil die Technik einfach noch nicht so weit war beziehungsweise noch zu teuer.“

Star-Regisseur Dennis Gansel
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Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – der wohl VFX-reichste deutsche Film

Coole Effekte kosten

Mittlerweile sind Effekte und Animationen etwas billiger und auch für deutsche Produktionen zu stemmen. Aber immer noch teuer genug: Gansels VFX-intensiver Film Jim Knopf ist mit 25 Millionen Euro Budget eine der teuersten deutschen Produktionen aller Zeiten. Deshalb überlegt der Regisseur sich ganz genau, wo visuelle Effekte wirklich sein müssen:

„Wenn man bei Jim Knopf zum Beispiel nur einmal kurz den Nepomuk sieht und der sagt Hallo, dann sind das schon 10000 bis 12000 Euro, die diese Einstellung kostet. Und ob es am Ende richtig gut aussieht, weiß man auch nicht immer.“

Dennis Gansel
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Die „Performance-Capture-Technik“ übertrug Andy Serkis‘ Mimik und Gestik auf Gollum – heraus kam ein wahres Meisterwerk.

Stichwort: Tele 5 – Sharknado versus Whalewolf… Gute Animationen dagegen kosten, wegen des Zeitaufwandes für die VFX-Producer und wegen der benötigten Rechenleistung. Bei gelungenen visuellen Effekten muss zu jeder Zeit jeder Pixel stimmen, erklärt Jan Stoltz:

„Unser Auge ist sehr trainiert, weiß, wie bestimmte Dinge aussehen und erwartet deshalb dann auch ein gewisses Maß an Detail. Sonst wirkt es unrealistisch.“

Jan Stoltz
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Thor: Tag der Entscheidung – einer der zahlreichen Marvel-Filme von Trixter

VFX zur Kostensenkung

Trotzdem werden visuelle Effekte manchmal auch gezielt eingesetzt, um die Drehkosten zu senken, zum Beispiel wenn man auf einer Karibikinsel nur eine Einstellung zu drehen hätte – dann ist Greenscreen natürlich günstiger. Oder auch zur Vervielfachung: Wenn man 100 identische Türen braucht, wird oft nur eine als Requisit gebaut – und die restlichen 99 dann digital erzeugt. Dass VFX-Anwendung zunimmt, hat viele Gründe, sagt Stoltz:

„Natürlich sind auch die Stoffe, die man heute im Kino erzählt, andere als die, die man vor 20 oder 40 Jahren erzählt hat.“

Jan Stoltz
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Unvorstellbar, wie die Filmsets wirklich aussehen – ein wahres Wunder, dass die Schauspieler da nicht lachen müssen.

Die Ansprüche steigen

Sprich: Enorm viele Fantasy- und Action-Filme. Und die wären ohne beeindruckende Effekte einfach nicht so spannend und imposant – jedenfalls nach heutigem Maßstab, sagt Dennis Gansel:

„Die Ansprüche sind auch klar gestiegen. Man darf nicht vergessen, dass die Zuschauer aus Serien wie Game of Thrones mittlerweile foto-realistische Drachen gewöhnt sind, wie man sie vor ein paar Jahren noch nicht einmal in Hollywood-Filmen gesehen hätte.“

Dennis Gansel
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Selbst bei Serien wird mit visuellen Effekten längst nicht mehr gegeizt.

Kurz gesagt: Visuelle Effekte und Animationen sind längst Standard – und eine Bereicherung für Filme aller Art. Immer mehr Regisseure und Produzenten können darauf zurückgreifen. Die Zuschauen lieben fantastische Figuren und neue Welten. Trotzdem haben die klassischen Masken, Kostüme und Kulissen am Set noch lange nicht ausgedient.