Hand Habits im Interview

Viel mehr als ein Platzhalter

/ / Foto: M94.5

Gitarrenmusik, das Leben im Einklang mit der Natur und der großzügige Einsatz der Slide-Guitar…alles Thematiken und Stilistiken, die in der heutigen Musikwelt wie aus der Zeit gefallen wirken. Der musikalische Kopf der Hand Habits, Meg Duffy, verbindet diese etwas altmodischen Stilmittel so gekonnt mit zeitlosen Texten und Arrangements, dass ein komplett neuartiger Indie-Sound entsteht.

Hand Habits im M94.5 Interview

Der Geruch von asiatischem Essen ist das erste, was ich bemerke, als ich den Backtsage-Raum von Meg Duffy in den Münchner Kammerspielen betrete. Meg sitzt vor einem Spiegeltisch und isst entspannt ein paar Frühlingsrollen. „I hope it’s okay if I eat while we talk“ fragt Duffy. Bisher wäre dafür heute nicht viel Zeit gewesen.

Natürlich ist es ist Ordnung, denn wer sich ein wenig mit Meg Duffys Projekten und Aktivitäten in den letzten Jahren auseinander gesetzt hat, merkt schnell, wie voll Duffys Termin-und Zeitplan sein muss. Zunächst machte Meg sich als Session- und Livegitarrist*in für Indie-Folk Star Kevin Morby einen Namen. 2017 erschien mit Wildly Idle (Humble before the Void) dann das erste Studioalbum als Hand Habits. Das Folk-Kleinod blieb zwar zunächst eher ein Geheimtipp, konnte aber Kritiker weltweit überzeugen. Und auch abseits von den Hauptprojekten mit Kevin Morby und Hand Habits machte Duffy sich einen Namen als renommierte Session-Musiker*in, allem voran an der Gitarre.

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Hand Habits – „placeholder“

Slightly oldschool

Hand Habits haben bereits nach nur zwei Studioalben einen fast unverkennbaren Sound entwickelt. Auf placeholder hört er sich noch einmal deutlich runder und spezieller an, als auf dem zwei Jahre zuvor erschienenen Erstlingswerk. Was auf diesem aber bereits auffallend häufig vertreten war, ist die sogenannte Slide-Guitar, eine Gitarrentechnik, die eigentlich typisch für Country-und Bluesrock-Musik der 60er und 70er Jahre ist. Und eine Legende dieser Ära scheint auf Duffy auch großen Einfluss gehabt zu haben. „George Harrison benutzt [die Slideguitar] so melodisch und lyrisch und es klingt einfach schön. Man kann damit einen sehr weichen Sound und auch den Klang einer menschlichen Stimme kreieren“.

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Impressionen aus der Europa-Tour von Hand Habits mit Angel Olsen

Sowieso ist Duffys Musik geprägt vom Zusammenspiel und Gegensätzen: Moderne Themen wie Queerness und der Einsatz traditioneller Spieltechniken. Höchstes technisches Können und Slackertum. Eine DIY-Mentalität und die perfekte Produktion ihrer Songs. Besonders in dieser Richtung ist Meg mit placeholder einen großen Schritt weiter gegangen als noch mit Wildy Idle. Denn während die erste Platte noch von Duffy selbst in ihrer Wohnung gemixt und gemastert wurde, hat sich Meg bei ihrem neuen Werk professionelle Hilfe geholt. „Ich traf Brad Cook bei einem Festival und er hat ein paar meiner Demos gehört und meinte ‚Du solltest zu unserem Studio nach Wisconsin kommen‘ und es lief echt super einfach mit ihm“.

Raus aus dem Schlafzimmer

Dass Duffy mit dem Schritt aus den eigenen vier Wänden hinaus zum professionellen Aufnehmen gegen den Strom der „Bedroom-Pop“-Künstler schwimmt, scheint Meg nicht weiter zu stören: „Ich denke, alles alleine zu machen, ist nicht immer unbedingt die beste Lösung, man kann schnell in Denkweisen stecken bleiben, die einem am angenehmsten erscheinen“.

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Hand Habits – „can’t calm down“

Ein Thema scheint Duffy auch außerhalb der Musik besonders zu beschäftigen: „Es ist ziemlich hart nicht über die Situation der Erde nachzudenken wenn sie um dich herum regelrecht abbrennt“. Deshalb trommelte Duffy letztes Jahr einige Kollegen zusammen und produzierte eine EP mit Coversongs aus Megs ersten Albums, woran sich u.a. Angel Olsen beteiligte, und spendete die Einnahmen des Projektes an Umwelt-Organisationen. „Ich kann niemandem vorschreiben, was man tun soll“, sagt Duffy in Hinblick auf klimafreundliches Verhalten, „Aber ich denke, es ist wichtig, darüber zu reden“. Überhaupt scheint Duffy zu wissen, was wichtig ist. Und mit Meg darüber zu reden macht deshalb umso mehr Spaß.