Lesung

Töne, Texte, Takte

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Vergangenen Samstag hat sich der Raum im Ampere mit Worten gefüllt: die Münchner Schreibgruppe Prosathek hat zu einer Lesung eingeladen. Unter dem Titel „Prosa tanzt“ wurden Texte gemeinsam mit dem Publikum zum Leben erweckt und danach zusammen getanzt.

Stühlerücken im Ampere. Der Saal füllt sich kurz vor Beginn der Lesung immer mehr, während die Mitglieder der Autorengruppe „Prosathek“ in sichtbarer Vorfreude das Treiben betrachten – denn sie haben sich für diese Lesung etwas Besonderes einfallen lassen.

Summen fürs Toilettenpapier

Jeder aus dem Autorenteam hat Gegenstände dabei, hinter denen sich eine Geschichte verbirgt, wobei die Auswahl der Geschichte den Zuhörern überlassen wird. Das Publikum soll bei dem Gegenstand, zu dem der Text gelesen werden soll, summen. Verena Ullmann liest als Erste und bringt Toilettenpapier und einen Bikini mit. Das Summen spricht eindeutlich für das Toilettenpapier.

Dieser interaktive Aspekt der Lesung findet beim Publikum großen Anklang. „Komm, wir summen auf jeden Fall beim Sparkassenheft!“, raunt eine Zuhörerin ihren Begleitern zu und freut sich, als Elias Vorpahl tatsächlich die zugehörige Geschichte liest. Diese gehört zu den lustigeren und leichteren Geschichten des Abends, Vorphal persifliert auf prägnante Art und Weise deutsche Gewissenhaftigkeit, sodass sich das Publikum höchst amüsiert zum Teil in der Geschichte wiederfinden kann.

Schade um die Strumpfhose

Das Summen bringt auch einen gewissen Überraschungseffekt für die Autor*innen mit sich. Als deutlich wird, dass Sophia Thomsen lieber ihren Text zu der Strumpfhose als den zu dem Bonbonpapier gelesen hätte, wird das Publikum ein wenig unruhig – was für eine Geschichte sich wohl hinter der Strumpfhose verborgen hätte? Alexander Wachter hängt alle ausgewählten Gegenstände an einen Garderobenständer, der Teil des schlichten Bühnenbildes ist. So lenkt nichts von den Texten ab und doch entsteht ein stimmiges Bild.

Hören und Tanzen

„Natürlich ist es schade, dass der Text nicht gelesen wurde. Aber es ist schön, dass das Publikum auf den interaktiven Teil so positiv reagiert hat“, findet Lydia Wünsch, die mit ihrem vielschichtigen Text viele nachdenkliche Gesichter im Publikum zurückgelassen hat. „Wir dachten uns einfach, dass es doch mal was Anderes geben muss als immer nur frontale Lesungen“, erzählt sie im Gespräch. Doch nicht nur mit dem interaktiven Aspekt hat die „Prosathek“ etwas Neues ausprobiert: auf die Lesung folgt eine Party mit dem DJ Rupidoo, zu dessen Set die Autorengruppe schon mal nach einer Lesung die Nacht durchgetanzt hatte. Nach diesem Erlebnis war klar, dass sie Lesung und Tanz miteinander verbinden wollten. Dies ist den Veranstaltern gelungen, schon in der Pause wippen die Gäste leicht zu den Beats von DJ Rupidoo.

Prosa und Lyrik

Das Motto der „Prosathek“ lautet „Wir können auch Lyrik“. Dies beweist Verena Ullman mit einem Liebesgedicht auf Niederbairisch. Für nichteinheimische Zuhörer verlangt das jede Menge Konzentration, beglückt aber mit einem melancholisch-schönen Zustand nach dem Gedicht, ein ähnliches Gefühl stellt sich auch bei den Texten über unerfüllte oder gescheiterte Liebe von Arina Molchan ein. Den Abend schließt der Moderator mit einem Text, an dem mehrere Mitglieder der „Prosathek“ mitgearbeitet haben und verdeutlicht damit den Gemeinschaftscharakter der Schreibenden. Ein unterhaltsames Ende für einen vielfältigen Abend, an dem viel gesummt und viel gelesen wurde.