M94.5 Filmkritik

The Lego Movie

/ / Bild: © 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

So vielseitig wie das Spielzeug im Titel: Weshalb ein Film über Lego-Bausteine nicht automatisch schlecht sein muss.

Wer den Titel hört, der verdreht gerne gleich die Augen: Ein Film über Lego? Welcher Kinofreund über zwölf Jahren will sich denn so was schon freiwillig anschauen? Die Vermutung liegt nahe, dass hier nur ein bisschen Werbung gefahren wird fürs eigene Produkt, aber mehr wird so ein 3D-Abenteuer über kleine gelbe Männchen doch wirklich nicht bieten können. Denkt man. Wer sich entgegen aller Vorbehalte trotzdem für den Kinobesuch entscheidet, wird überrascht sein – und das durchaus positiv.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Schrill-bunter Spaß im Trailer zum Lego Movie.

Das Konzept: Über die Natur von Bauklötzen

Lego ist die Art von Spielzeug, die sich auf den ersten Blick absolut nicht dazu eignet, daraus eine Geschichte für die Leinwand zu spinnen. Die Bauklötze allein sind nichtssagend; es gibt keine feste Story oder Charaktere. Erst die Fantasie des Kindes, das damit spielt, erweckt die Steine zum Leben. Doch genau dieses Konzept macht den Kern dieses Filmes aus, denn eine solch vollkommene Freiheit an Vorgaben und Regeln lässt der Kreativität freien Raum – für Kinder ebenso wie für die Regisseure. Die beiden Filmemacher Phil Lord und Christopher Miller sind Experten darin, aus eben solchen Filmen, die als hoffnungslose Fälle gelten, noch etwas Sehenswertes herauszuholen; so etwa geschehen bei Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen oder 21 Jump Street. Ihr Geheimnis: Niedrige Erwartungen. Denn die ermöglichen Raum für Experimentierfreude.

Die Geschichte: George Orwell trifft Toy Story

Genau diese Experimentierfreude ist es, die den Film genauso verrückt wie spannend macht. Dabei ist die Geschichte im Kern recht simpel: Emmet (im Original gesprochen von Chris Pratt) ist ein generischer Bauarbeiter von vielen. Unter der strengen Bewachung von „President Business“ (Will Ferrell) sind alle gleich. Emmet ist glücklich in seiner bunten Lego-Stadt, solange er nur den Spielanweisungen folgt. Doch durch einen Zufall stößt die kleine gelbe Figur auf eine Welt außerhalb seiner Anweisungen – und es beginnt eine wilde Reise durch die unterschiedlichsten Universen, die Lego zu bieten hat: Vom Wilden Westen, über Piraten und Tiefsee-Abenteuer, bis hin zu Fahrten ins Weltall ist alles dabei. Da wird der Film, auch dank der riesigen Fülle an sonderbaren Charakteren und zahlreichen lauten Action-Szenen, schnell zu einer chaotischen Reise von einer Welt in die nächste – jedoch ohne sich jemals im Chaos zu verlieren. Denn so irrwitzig Emmets Erlebnisse auch sein mögen, am Ende macht durch überraschende Wendungen doch plötzlich alles Sinn. Und das auf eine erstaunlich bewegende Art und Weise.

Das Fazit: Nicht nur Kinder stehen drauf

Es wäre ein Leichtes gewesen, einen Lego-Film zu machen, der bombastisch vor sich hin plätschert und schnell wieder in der Versenkung verschwindet; doch genau das ist The Lego Movie nicht. Wer einmal die gegebene Skepsis ignoriert und sich darauf einlässt, dass eben alle Figuren und Requisiten aus animierten Lego-Steinen bestehen, wird belohnt mit 90 Minuten Unterhaltung. Denn der Film ist genau das: unterhaltsam. Das Voice Acting der Originalversion beschert zahlreiche Lacher, mit Größen wie Morgan Freeman und Liam Neeson, die sich selbst ein wenig auf die Schippe nehmen. Die Dialoge und visuellen Effekte sind überraschend clever und witzig, und am Ende steht sogar eine aufrichtige Moral, die völlig ohne platte Präsentation auskommt: Solange man an seine eigenen Ideen glaubt, ist jeder etwas Besonderes. Und dieses Konzept funktioniert bei Weitem nicht nur für Kinder.

„The Lego Movie“ läuft ab dem 10. April 2014 in den deutschen Kinos.