Einsamkeit in der Großstadt

„So Lonely – Die letzte Reise“

/ / Foto: Sabine Böhlau

Brauchen wir ein Ministerium für Einsamkeit? Die Theologin Sabine Böhlau hat eine Idee mit diesem Namen in die Wirklichkeit gebracht. Klingt erst einmal absurd – aber Einsamkeit ist besonders in Großstädten ein großes Problem. Im Rahmen des Kunstprojekts „So Lonely – Eine letzte Reise“ soll nun auch ein Theaterstück dazu entstehen.

Die Organisation Kairosis von Sabine Böhlau will Einsamkeit in der Großstadt aus der Tabuzone führen. „Die Idee dazu entstand auf einem Friedhof“, erklärt die Leiterin des Projektes. Sie erlebte dort ein Begräbnis ganz ohne Angehörige. Dennoch bemühten sich die dortigen Mitarbeiter, „dass das Ganze würdevoll und freundlich und wunderschön ist.“

Für Sabine Böhlau war dies Inspiration für eine eigene Idee: „Man kann ja, auch wenn die Einsamkeit an ihrem absoluten Ende angelangt ist, kreativ was machen.“ Damit war für sie die Grundlage des Projekts geschaffen.

Mit den Menschen diskutieren

In den letzten Wochen konnten Münchner den Infostand des Ministeriums für Einsamkeit bei einer Reihe von Veranstaltungen in Haidhausen und Giesing antreffen. Tatsächlich existiert diese Institution nicht wirklich. Es ist ein Kunstprojekt. Die Idee: Mit Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen über das Thema Einsamkeit in der Großstadt diskutieren. Sabine Böhlau ist beeindruckt, dass das Ministerium oft „für bare Münze genommen“ wurde. Tatsächlich gibt es in Großbritannien schon seit 2018 ein echtes Ministerium für Einsamkeit. Und auch in Deutschland haben Politiker wie Karl Lauterbach von der SPD und Markus Weinberg von der CDU sich schon dafür ausgesprochen.

Das „Ministerium“ im Gespräch mit Bürgern, Bildquelle: Sabine Böhlau

Theater für Bürger

Inspiriert von den Gesprächen mit Bürgern soll jetzt ein partizipatives Theaterstück mit professionellen Schauspielern zum Thema entstehen. Es ist ein Bürgerchor mit dem Namen „Die Leut“ geplant. „Das ist praktisch ein Kommentar zu dem, was auf der Bühne geschieht und es wird nicht gesungen. Also ist es ein Sprechpart“, erklärt Sabine Böhlau. Absolutes Talent zum Singen muss also nicht unbedingt vorhanden sein.

Wie kann man mitmachen?

Die Premiere des Theaterstückes „So Lonely – Eine Letzte Reise“ soll am 7. Mai stattfinden. Die Veranstaltung beginnt am Ostfriedhof und endet im Kulturzentrum Giesinger Bahnhof. Wer mitmachen will, kann sich bis zum 15. Januar per Mail unter anne_aenne@yahoo.de anmelden. Weitere Infos dazu bietet die Homepage von Kairosis. Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung für Proben und Aufführungen.