Windturbinen

Münchner Wissenschaftstage

Nachhaltig informiert

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Wer hätte gedacht, dass wissenschaftliche Vorträge die Alte Kongresshalle auf der Theresienhöhe füllen könnten? Die Münchner Wissenschaftstage schaffen das regelmäßig. Vom 20. bis zum 23. Oktober 2012 brachten sie moderne Forschung und Wissenschaft einem breiten Publikum nahe. Dass die Veranstaltung so regen Zulauf hatte, lag mit Sicherheit auch am zentralen Thema: Nachhaltigkeit. So konnte der Leiter, Dr. Frank Holl, nach der Veranstaltung ein positives Fazit ziehen: „Wir haben gesehen, dass die Themen Energie und Nachhaltigkeit beim Publikum und auch bei den wissenschaftlichen Partnern wunderbar funktionieren.“ 

Nachhaltigkeit – von der Entstehung bis zur Nano-Variante

Aus wie vielen Perspektiven man ein Thema beleuchten kann, ist in diesem Jahr deutlich geworden. Denn nicht nur auf dem alten Messegelände auf der Theresienhöhe konnte man sich mit Nachhaltigkeit auseinander setzen. Auch ein Spaziergang durch den Perlacher Forst, der sich ganz an die Anfänge des Nachhaltigkeitsgedankens begab, passte in den Rahmen. Schließlich stammt das Konzept der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft.

Am zentralen Veranstaltungsort in der Alten Kongresshalle konnte man auch in einen Fahrsimulator zur Lokführerausbildung steigen oder Lupineneis probieren. Ein Denkmallabor gewährte per Mikroskop Einblicke in schützenswerte Bestände. Und Nanotechniker erklärten die Funktionsweise flexibler, organischer Solarzellen. Ein großer Spielplatz mit über dreißig Marktständen ermöglichte dem Publikum, sich nicht nur etwas anzuhören, sondern auch durch Ausprobieren zu begreifen.

Expertenvorträge und Diskussion

Wer nach detaillierterem theoretischen Input suchte, wurde ebenfalls nicht enttäuscht. Zahlreiche Experten kamen tagsüber und abends zu Wort und stellten sich nach den Vorträgen jeweils einer Diskussion. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, darf der Klimawandel natürlich nicht fehlen. Und der wurde auch aus wirtschaftlicher Perspektive beleuchtet. Für Versicherungen ist das ein erheblicher Faktor. Professor Peter Höppe von der Munich Re machte deutlich, dass die Menschheit durch den Klimawandel mit einer nie dagewesenen Aufgabe zu tun hat: Der Klimawandel sei das erste wirklich globale, vom Menschen verursachte Problem, das nur global zu lösen sei.

Aber auch klassische Ansätze wurden abgehandelt. So stellte Professor Michael Sterner von der Hochschule Regensburg mit einem Energiespeicherprojekt einen technischen Aspekt der Energiewende vor: „Die Energiewende ist technisch machbar. Wir haben ausreichend Potentiale, wir haben die Technologien.“ Die Stromversorgung auf Basis von Sonne, Wind, Biomasse und Wasser sei bereits umsetzbar, die Speicherung könne über die Technologie „power to gas“ realisiert werden.

Wird durch Wind- und Solaranlagen mehr Strom als benötigt produziert, kann man mit der überschüssigen Energie Gas erzeugen, das sich bei Flaute und bedecktem Himmel wieder verstromen lässt. Die Theorie klingt überzeugend, das Publikum war trotzdem nicht überzeugt – schließlich weist diese Methode einen geringen Wirkungsgrad auf, der vielen Zuhörern sauer aufstieß und zu angeregter Diskussion nach dem Vortrag führte.

Dass technische Maßnahmen für eine Energiewende häufig auf Widerstand stoßen, thematisierte der Technik- und Umweltsoziologe Professor Ortwin Renn von der Universität Stuttgart. Denn auch wenn sich die Nutzung so genannter regenerativer Energiequellen in der Theorie gut anhört, möchten nur die Wenigsten ein Windkraftwerk oder eine Biogasanlage in der unmittelbaren Nachbarschaft haben.

Dabei sind die Deutschen nachgewiesenermaßen nicht so technikfeindlich, wie es ihnen oft nachgesagt wird. Im Gegenteil, meint Professor Renn: „Das Hauptproblem im Bereich Energie-Effizienz beim Verbraucher ist der so genannte Rebound-Effekt. Je effizienter unsere Geräte im Haushalt werden, umso mehr kaufen wir davon“. Soll heißen: Deutsche Konsumenten sind gern bereit, ihren alten Stromfresser für einen energie-effizienten Kühlschrank aus der Küche zu verbannen. Allerdings landet das alte Gerät im Keller. In Summe wird dann mehr Energie benötigt.

Ein Ort, der wichtig ist für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands

Auch die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ war überzeugt von der facettenreichen Veranstaltung und hat die Münchner Wissenschaftstage in ihre Liste 365 ausgewählter Orte aufgenommen. Dr. Frank Holl freute sich aber vor allem über den guten Verlauf der vier Tage: „Wir sind sehr zufrieden, es lief wirklich toll. Die Referenten waren sagenhaft, die Zuschauer waren toll, es gab sensationelle Rückfragen. Wir hatten zwei, drei Abende, an denen es rappelvoll war – da war das Auditorium bis auf den letzten Platz gefüllt.“

Die nächste Ausgabe der Münchner Wissenschaftstage orientiert sich am  Thema des Wissenschaftsjahres 2013 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: Demographischer Wandel.