Die Tänze der Hexen und Florences Stimme schlagen ihren Bann in München

Konzertreview

Mystische Choreografien und Schluss mit „Never Again“ – das war Florence + the Machine in München

/ / Die Tänze der Hexen und Florences Stimme schlagen ihren Bann in München I Lillie Eiger

Da ist Florence auf der Bühne, auf einem langen Steg in einem Meer aus wogenden Armen und filmenden Handys. Doch sie ist auch auf den riesigen Bildschirmen über und hinter ihr zu sehen, und ihre Stimme ist überall. Gleichzeitig kriecht ein Hexen-Quartett auf sie zu, greift nach ihr und schneidet Grimassen – eine Mischung aus Tanz und Performancekunst. The Machine begleitet sie derweil musikalisch aus dem Hintergrund und tritt beinahe aus dem Rampenlicht zurück. Die Bühne gehört ganz Florence in ihrem wehenden schwarzen Kleid, wenn sie barfuß über den Steg rennt oder langsam zu Boden gleitet.

In München verbinden Florence + the Machine ausdrucksstarke Choreografien, bewegende Lyrics und intensive Soundscapes. Dazu kommen Nebel, Bildschirme und Tänzer:innen, die das Publikum in ihren Bann ziehen. Es ist viel – aber gerade nicht zu viel. Wie über einen mystischen Bergkamm führt die Sängerin ihr Publikum durch Höhen und Tiefen. Das Leben ist schwer und das ist ok, scheint sie zu sagen.

Besonders stark ist Florence, wenn sie „Say My Name“, „Shake It Out“ und „Seven Devils“ durch die Olympiahalle brausen lässt. Ihre Stimme schallt gewaltig durch den Raum, doch zugleich zeigt sie auch Verletzlichkeit. „Ich wollte diesen Song nie wieder singen“, sagt sie. Zehn Jahre lang weigerte sie sich, „Never Let Me Go“ live aufzuführen. „Doch ihr habt das Lied immer weiter geliebt, und dadurch habe ich auch gelernt, es wieder neu zu lieben.“ Genau das tun ihre Fans, und Florence verehren sie ebenfalls. Viele sind mit langen Kleidern und Blumenkränzen gekommen, schwenken im richtigen Moment Lichter und singen mit. Das Konzert ist ausverkauft.

In den kurzen Pausen zwischen ihren Songs wirkt die Sängerin dann fast scheu, wenn sie sich mit sanfter Stimme bei ihren Fans bedankt. Manche nehmen von ihr weinend Händedrücke und Umarmungen entgegen, während sie erst immer wieder „What else?“ singt und es schließlich nur noch flüstert. Mit großen Augen blickt das Publikum zu ihr auf, als sie an ihnen vorbeischwebt. Manche von denen, die sie berühren, brechen in Tränen aus. Nähe und Halt schenken, Hoffnung geben – das kann Florence nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch durch ihre Präsenz. Selbst in der riesigen Olympiahalle wirkt dieser Moment plötzlich ganz nah.