Platte des Monats: März 2019

Mykele Deville – Maintain

/ / Bild: No Trend Records

Mykele Deville regt auf seinem neuen Album zum Nachdenken an: Nicht nur im großen Sinne, sondern auch im kleinen, persönlichen. Auf der einen Seite stehen die großen Themen der USA – Gewalt, Waffen, Rassismus. Auf der anderen Seite steht stellvertretend die Sicht eines einzelnen jungen Afro-Amerikaners in der Trump-Ära.

„Chi-Town’s got the funk“

Chicago: Die Quelle, aus der nicht nur Mykele Deville die Kraft zieht, die er braucht um über Themen, die gleichzeitig old news und new news sind, zu sprechen. Die Hip-Hop-Hochburg ist auch Heimat vieler anderer Künstler: Towkio, Mick Jenkins, Saba, Kanye West und Noname, um nur einige zu nennen. Sie alle sind politisch, jung und motiviert, etwas an ihrer Realität zu ändern. Trotzdem: Mykele Deville geht nicht etwa unter seinen Rap-Genossen unter, sondern hebt sich durch seinen überaus persönlichen und positiven Input ab.

„The fact is, I might get killed before I track this“

Mit „Whispers“ startet das Album auf eine düstere Art. Deville ist direkt, hart und scheut sich nicht davor seiner Realität in die Augen zu schauen. Auf dem ganzen Album rappt Deville über polizeiliche Gewalt, psychische Krankheiten und ein nicht existierendes Gesundheitssystem, das mit Selbstmedikation ersetzt wird. Und das mit poetischer Finesse, die man nicht oft zu hören bekommt.

Mykele Deville – Free Soul (Official Video)

„Embrace originality, that’s what I learned from my city“

Direkt bleibt Mykele Deville weiterhin auf dem restlichen Album. Auf „Free Soul“ springt Deville zu den positiven Seiten des Lebens: Auch wenn es schwer ist sich als Minderheit durchzusetzen, ist es nicht unmöglich. Mykele Deville predigt das, was er selbst tut – sich selbst und den eigenen Leidenschaften treu bleiben und nicht aufgeben, egal was die Regeln der Gesellschaft sagen. Old School Boom-Bap Beats und ein starkes Saxophon bringen das noch mehr auf den Punkt.

„Self worth, I wish I could’ve learned it first“

„Type Love“ – eine Ode an die Liebe zu sich selbst. Etwas, was man lernen muss, wie Mykele Deville meint. Die positive Einstellung zieht sich durch das restliche Album, auch wenn die Beats softer und die Lyrics so noch härter wirken. Denn in den alltäglichen, politischen sozialen Ungerechtigkeiten findet Deville trotzdem einen Lichtblick: Die Kulur, ob es Musik, Theater, oder Poesie ist, die tollen Menschen, mit denen man sich umgeben kann.

„Another day, fresh routine, another try“

Mykele Deville beschreibt sich selbst unter anderem als Poet Rapper. Seine Fähigkeit zu Schreiben kann man nach seinem neuesten Werk wirklich nicht anzweifeln. Auf „Maintain“ schafft er es, den dunklen Aspekten der Welt, seiner Welt, die Stirn zu bieten. Und von seinem Mantra könnte man sich durchaus eine Scheibe abschneiden:

„sunlight will always shine in my mind“

„Maintain“ erschien am 22.02.2019 bei No Trend Records.