M94.5 Theaterkritik

„Mir geht’s grad nicht so gut“

/ / Bild: Der eingebildete Kranke oder das Klistier der reinen Vernunft von PeterLicht nach Molière v.l. Max Rothbart, Antonia Münchow, Thomas Lettow, Florian von Manteuffel, Pia Händler © Sandra Then

„Der eingebildete Kranke“ oder das Klistier der reinen Vernunft nach Molière im Residenztheater.

Selbstmitleid – das Symptom unserer Zeit?
Die neue Inszenierung von Peter Licht setzt sich zeitgenössisch mit Fragen auseinander, wie sie Molière bereits 1673 gestellt hat.

Florian von Manteuffel © Sandra Then

„Hallo ich bin der Argan, also ich bin der Agi.“

– Florian von Manteuffel als Argan

Argan ist der wohlhabende Star des Stückes, der es sich leisten kann, hauptberuflich krank zu sein. Seine zweite Frau Beline versucht subtil, Argons Kinder aus erster Ehe, Angelique und Louisanne loszuwerden um das Erbe für sich allein zu beanspruchen. In der Inszenierung von Peter Licht sind die Darsteller*Innen dabei alle in wahnsinnig offensichtlich unvorteilhaften Kostümen gekleidet. Die hautengen Anzüge sind mit Kissen, extrem offensichtlich deformiert ausgestopft. Versehentlich verrutscht? – Nein, nein. Das gehört schon so.

v.l. Florian von Manteuffel, Thomas Lettow, Max Rothbart, Antonia Münchow, Myriam Schröder, Ulrike Willenbacher, Pia Händler, Henning Nierstenhöfer, Cornelius Borgolte © Sandra Then

Das Bühnenbild ist aufwendig gestaltet, die rotierende Bühne zeigt sich im besten Licht. Auf der einen Seite ein pompöser Palast, auf der anderen eine Motel-anmutende Balkonfront mit Notausgangstreppen wie an New Yorker Häuserfronten. Darin Fitnessstudio, Schminktischchen, Toilette.

Bespielt von wahnsinnig schrulligen Charakteren. Mitten drin, im Gewühl aus gewollt vulgärer Sprache, unübersehbar großen Smartphone Replikas und Anglizismen: Argan.
Der Immerkranke ist, der nie krank ist. Das Einzige, woran er leidet ist die Hypochondrie. Kann schon sein, dass das die Volkskrankheit der Generation Y ist.

Was für eine zeitgenössische Umsetzung im Instagram Zeitalter eine smarte Idee sein könnte, scheitert leider an der Umsetzung. Es ist weniger die Handlung, auch nicht die aufwendig toupierten Perücken der Darsteller, als eher das komische Gefühl, das sich während der Vorstellung breit macht. Unsicheres Gelächter, Fremdscham und Verwirrung bringen den/die ein oder andere*n Zuschauer*In noch vor der Pause dazu, den Saal zu verlassen.

Schock ist gut, muss aber gekonnt sein. In diesem Fall ist der Ansatz wohl nicht vielschichtig genug, um eine halbwegs positive Kritik zu erlangen.