Filmschoolfest 2019

Kurzfilme im Filmmuseum

/ / Quelle: Filmschoolfest München

Es steht wieder an: das Filmschoolfest der Kurzfilme und Nachwuchs-Regisseure bei uns vor der Haustüre. Der kleine Bruder des Filmfests beginnt am Sonntag und verwandelt das Filmmuseum zwischen dem Marienplatz und dem Sendlinger Tor für eine Woche in einen Ort des puren Filmschaffens. Welche Filme es dabei so zu sehen gibt und ob diese sich lohnen – das weiß die M94.5-Kinoredaktion bereits jetzt schon.

Fine (Israel)

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Vor allem internationale Filme bietet das Filmschoolfest München. „Fine“ ist englisch und hebräisch.

Eine Situation wie aus dem Leben gegriffen. Vater, Mutter und zwei Töchter sind gemeinsam auf dem Weg zu einer Familienfeier. Doch die gemeinsame Familienidylle wird schnell gestört, als der Vater die Musik lauter drehen möchte. Etwas Simples, das schnell zum Konflikt führt, da Vater und Tochter anscheinend unbedingt ihren Willen durchsetzen müssen. Die Mutter aber hat die Ruhe weg und eine Lösung parat und gibt den dreien so endlich mal genug Zeit sich in Ruhe auszusprechen.

Eine Situation die bekannt vorkommt. Streitereien ausgelöst durch Kleinigkeiten. Durch die sehr natürliche gewählte charakterliche Darstellung der Figuren kann man sich sehr gut in die Situation hineinversetzten und bekommt auch ohne großen Kontext einen Einblick in die Familiendynamik. Man merkt das Regisseurin Maya Yadlin als Inspirationsquelle für den Film auf ihre eigene Familie zurückgreift, was dem Ganzen die benötigte Realität für das Funktionieren einer Alltagsthematik gibt. /vl

Jupiter (Deutschland)

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Dass deutsche Filme gut sein können beweist „Jupiter“.

Ein deutscher Regisseur und ein Film der Aufmerksamkeit verdient. In Jupiter geht es um das Erwachsen werden, Sekten und das Übernatürliche. Hauptfigur ist Lea, deren Eltern glauben, dass sie ein Komet, der an der Erde vorbeifliegt, auf den Jupiter bringen kann. Diese Themen sind für Regisseur Benjamin Pfohl allgegenwärtig und haben für den Film einfach zusammengepasst.

Der Soundtrack erinnert an Interstellar, trägt zur apokalyptischen Stimmung des Films bei – und sorgt für Gänsehautmomente. Die 13 Minuten Kurzfilm reichen um zu überzeugen, denn auch die Hauptdarstellerin zeigt nur mit ihrer Körpersprache, wie unsicher sie sich in ihrer Haut ist. Und doch will Benjamin Pfohl mehr, denn ein längerer Spielfilm zu Jupiter ist in Planung. Bis dahin heißt es: ab ins Kino, allein für die kürzere Version des Filmes lohnt es sich. /jroth

Kanockatonanok (Kanada)

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Fotos, Fotos und nichts als Fotos – können funktionieren!

Ein Film nur aus Fotografien. Was einem am Anfang noch das Gefühl gibt, dass einfach das Internet nicht schnell genug ist und deswegen das Video die ganze Zeit hängt, stellt sich schnell als künstlerisch einprägsames Mittel heraus. Besonders macht diesen Film auch die, wie es scheint gewollte, Imperfektion. Denn auch wenn an einigen Stellen sehr genau gearbeitet wurde, bringt erst der Wechsel mit den auch etwas schiefen, unscharfen, verwackelten Bildern Dynamik und Emotion in den Film.

Dabei geht es dem Regisseur Nicolas Jimy Awashish vor allem um eines: den Betrachter mitzunehmen, auf eine Reise durch die Nacht. Ihm sein Heimatdorf Atikamekw zu zeigen, so wie er es sieht. Dabei kreiert er ein eindrucksvolles impressionistisches Werk bestehend aus Lichtspuren und Bewegungen, die wie Schatten wirken. Die Bilder, die tatsächlich bewegungslos und scharf sind, stechen so noch mehr heraus und erzeugen ein Gefühl der direkten Verbindung mit dem Darsteller. Damit schafft der Regisseur es in kurzen fünf Minuten den Zeitraum einer Nacht zu zeigen und den Betrachter in seinen Bann zu ziehen. Gleichzeitig erinnert der Film auch daran, dass jedes Video ja eigentlich nur aus vielen einzelnen Fotografien besteht und wie man ein Medium auflösen kann, um es noch mehr zu verkörpern. /vl

My Planet (Belgien)

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Bereits mehrfach ausgezeichnet: „My Planet“

Eindrucksvolle Fotografien schmücken den ansonsten dunklen Ausstellungsraum – Fotografien, auf denen unterschiedliche Ausschnitte eines fülligen Mannes zu sehen sind. Dieser Mann ist Henri, ein Bäcker in seinen 50ern. Das Verhältnis des Bäckers zu seiner Frau ist schon lange von emotionaler Distanz geprägt, ihre Konversationen bestehen größtenteils aus Streitigkeiten. Nichtsdestotrotz scheint Henri immer noch eine tiefgehende Liebe für seine Frau zu empfinden. Doch als der Bäcker eine junge Fotografin kennenlernt, die seinen Körper als Motiv für sich entdeckt, scheint sich die Beziehung zu seiner Frau – aber auch zu sich selbst – zu verändern. 

Der belgische Regisseur Valery Carnoy schafft es in den vergleichsweise langen 20 Minuten eine Geschichte über die Zerbrechlichkeit der Liebe auf die Leinwand zu bringen. Feinfühlig und entschleunigt wird die Beziehung des Ehepaars durch kleine Gesten dargestellt und gezeigt, wie unter anderem auch Henris Selbstachtung eine große Rolle für die beiden spielt. Mit wenigen Worten und ungewöhnlich ehrlichen Kameraeinstellungen transportiert der Kurzfilm wirkungsvoll die Komplexität alltäglicher Begebenheiten. /vm

Pinky Promise (Deutschland)

Wo landet der Hummer? Im Magen – oder doch wieder auf dem Teller? (Bild: Filmschoolfest München)

Ein Kurzfilm der etwas anderen – zugegebenermaßen verstörenden – Art. Die ganze Handlung des 17-minütigen Films spielen sich in einem Nobelrestaurant ab, in der Sarah mit ihren arroganten und unsympathischen Eltern ihre Konfirmation feiert. Weil Sarah (Emmi Büter) nicht einen Hummer, sondern einfach nur Pommes essen will, kommt sie in einen Konflikt mit ihrem Vater – ein Streit der komplett aus dem Ruder läuft und sich durch den gesamten Film zieht.

Sowohl Emmi Büter als auch Michael Pink und Christina Große als Vater und Mutter spielen ihre Rollen sehr authentisch. Allerdings wird die Handlung im Laufe des Films immer unrealistischer und unglaubwürdiger, und führt dazu, dass dem Zuschauer jeglicher Realitätsbezug abhanden kommt. Manche Szenen sind zu absurd, verstörend und zum Teil so ekelhaft, dass man sich gar zwingen muss, überhaupt noch hinzuschauen. Die Message des Films – Versprechen nicht zu brechen – kommt zwar gewissermaßen gut rüber, allerdings in viel zu übertriebener Form. /fh

She-Pack (Norwegen)

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Party im Schwimmbad! Das ist das Motto von „She-Pack“.

Ein Kindergeburtstag im Schwimmbad. Eine Mädels-Gruppe feiert gemeinsam und dabei wird es bunt. Nicht nur das Schwimmbad Disco etwas supercooles ist wenn man so um die 10 Jahre alt ist, sondern es wird auch gemeinsam gelacht, geschrien und ganz viel Kuchen gegessen. Immer mehr stacheln sich die Außenseiterin Ronja und die Anführerin der bunten Clique an, bis die Mädchen schließlich die Kontrolle verlieren und dabei langsam, aber sicher das Schwimmbad übernehmen.

Ein Film über die Kindheit, der vielleicht auch die ein oder andere Erinnerung an die eigenen coolen Geburtstagspartys hervorholt und einen mal eben so in die Vergangenheit schickt. So schafft es Fanny Ovesen leicht, die 18 Minuten mit purer kindlicher Freiheit zu füllen. Dabei geht es aber nicht nur um bunte Feierei, sondern auch um Machtpositionen innerhalb der Gruppe, den Wunsch dazuzugehören und die verrückte Welt des Erwachsenwerdens. Humorvoll und wild zaubert der Film einem ein Lachen auf die Lippen und ist einfach eine Ideale Verkörperung von dem, was man sich unter richtiger Kindheit so vorstellt, ohne auf den schon oft gesehenen Kitsch des „es war doch alles so schön“ zu setzten. /vl

Theodor (Deutschland)

Cool, cooler, Theodor. (Bild: Filmschoolfest München)

Ein dunkler Friedhof mit verwitterten Grabsteinen. Eine schwarze Gestalt in Umhang, die sich über einen toten Körper beugt, ein Vampir, der sich am Blut einer blonden Frau erfrischt. So weit so düster. Doch dann kriecht ein Lichtstrahl über den Boden und Theodor (der Vampir) schaut auf die Armbanduhr der Toten und beginnt zu rennen. Klar, denkt sich der Vampirkenner unter den Zuschauern, wenn die Sonne aufgeht, muss der Blutsauger in seine Gruft. Doch es sind nicht die Sonnenstrahlen, die Theo zur Eile antreiben, sondern der Mond. Denn, wer zu spät dran ist um diese Uhrzeit, bekommt keinen Strandliegestuhl mehr am See, wo sich all die anderen Vampire sonnen – äh – monden?

Auf kuriose und witzige Weise erzählen Alexandra Lermer, Maraike Krämer und Susanna Orincsay die Geschichte der belegten Liegestühle und übertragen sie auf die Vampirwelt: Amüsant, in liebevollem Stop-Motion-Stil und mit netten Details wie den Fledermaus-Schwimmflügeln. Lediglich die Sonnencreme auf dem einen Liegestuhl ergibt keinen Sinn, ansonsten ist der Kurzfilm um Theodor und das Mondbad kurzweilige Unterhaltung. /jroh

The Wings of the Spirit (Österreich)

So sieht der Blick aus, wenn man auf einen Papagei aufpassen soll – und der dann abhaut. (Bild: Filmschoolfest München)

Merkwürdiger als die Story im österreichischen Film Die Schwingen des Geistes geht es kaum: Herr Szabo ist ehemaliger Musikwissenschaftler, der es aber nicht geschafft hat, seine Dissertation abzuschließen. Deswegen betreut er jetzt Wohnungen und Haustieren von abwesenden Besitzern. Im Film von Albert Meisl von der Filmakademie Wien geht es um einen schrägen Musik-Nerd, der von Erwin Riedenschneider exakt so zerstreut gespielt wird, wie man ihn sich vorstellt. Einen noch nerdigeren Musik-Nerd (Rafael Haider), der allerdings noch an der Universität ist und um einen Papagei. Wie versprochen, merkwürdig.

Als die ultimative Katastrophe für einen Haustiersitter passiert und Papagei „Herr Wolfgang“ abhaut, müssen sich die beiden Musiker auf die Suche nach einer Alternative machen, bevor der Besitzer nach Hause kommt und den Verlust bemerkt. Des Weiteren ist in die Geschichte involviert: die Polizei und ein Artenschutzverstoß. Der Film ist nicht nur wegen des niemals altwerdenden österreichischen Dialektes witzig, sondern auch durch die schräge Konstellation von Charakteren. Ihre Dialoge kommen zwar sehr steif und alles andere als dynamisch daher, machen aber vielleicht gerade den Charme der beiden Protagonisten aus und am Ende auch des ganzen Films. /ah