Home-Atelier

Künstler in der Quarantäne

/ / Bild: Privat / Janina Totzauer

Wie alle anderen staatlichen Lehranstalten sperrt nun auch die Akademie der bildenden Künste München ihre Pforten zu. Nachdem die Werkstätten und die Bibliothek geschlossen haben, folgen nun auch die Klassenzimmer, in denen sich die Ateliers der Kunststudenten befinden.

Diese sind den Kunstschaffenden sonst nahezu rund ums Jahr und zu jeder Tages und Nachtzeit zugänglich. Ganze Materialberge befinden sich in den Räumen des historischen Gebäudes. Leinwände, Skulpturen, Stapel von alten Elektrogeräten und haufenweise anderes „Arbeitsmaterial“ ist hier zu finden. Es gibt dort eigentlich nichts, dass es nicht gibt.

Jetzt müssen alle raus

Nun ist ein großes Umzugstreiben in der Kunstschule spürbar. Nur mit vorheriger Anmeldung und nur zu bestimmten Zeiten darf abgeholt werden, was in den nächsten Wochen benötigt wird. Manche Studierenden bringen mit Transportern große Leinwände, Arbeitsmaterialien und Werkzeuge weg. Aber wohin mit dem ganzen Zeug?

Viele müssen nun ihre kleinen WG Zimmer in provisorische Studios umwandeln. Die Platznot lässt dann natürlich auch über die Dimensionen der Arbeiten nachdenken. In einen zehn Qudratratmeter großen Raum passen schlecht vier Meter lange Bilder oder riesengroße Skulpturen, wenn man darin auch noch sein ganzes Hab und Gut unterbringen muss.

Neue Ansätze durch neue Umstände

Leontine Köhn, die schon seit über einer Woche im Home-Atelier arbeitet, hat ihren Arbeitsplatz in den Flur ihrer WG ausgelagert. Zwischen ihrem Zimmer und der WG Toilette steht sie und arbeitet. Vom Zeichnen ist sie nun auf die Malerei als neues Medium gestoßen. Durch die neue Umgebung ergeben sich für viele Künstler neue Fragestellungen. Neben der Größe der Arbeiten kann das zum Beispiel auch das Material betreffen. Wer zuvor mit Lasercutter, Kreissäge oder Kunststoffen gearbeitet hat, greift vielleicht doch eher wieder zum Bleistift oder zu anderen, in Wohnungen besser handlebaren, Arbeitsmittel.

Atelier trifft auf Büro

Der Unterschied zum Atelier kommt natürlich auch zum Vorschein, wenn sich die WG in ein Großraumbüro verwandelt. Alle Mitbewohner sind da, die meisten am PC und Telefon für das Home-Office. Hier sind Kompromisse gefragt und zwar im großen Stil. Statt laute Musik durch das Studio schallen zu lassen, sind dann doch Kopfhörer die bessere Option. Dazu muss auf starke Lösemittel, wie man sie für das Malen mit Ölfarben benutzt, verzichtet werden. Sie sind im Wohnbereich für Mitbewohner stark gesundheitsschädigend. Für eine Übergangszeit sind Acrylfarben eine WG freundlichere Methode.

Die neue Umgebung, bringt aber auch alte Gewohnheiten ins Wanken und Routinen werden aufgelöst. Junge Künstler sind nun gezwungen aus der Kunstblase ihres Studiums zu entfliehen und können Neues entdecken. Langeweile war schon immer ein sehr guter Ausgangspunkt für neue Kunst.