Positive thinking

Wie Körper und Geist bei krebs zusammenhängen

„Ich kann etwas tun“

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Prüfungsangst kann zu Bauchschmerzen, Stress zu Kopfweh führen. Unsere Psyche beeinflusst unseren körperlichen Zustand in vielen auch alltäglichen Situationen. Aber welchen Stellenwert hat die psychische Verfassung in Extremsituationen wie zum Beispiel einer Krebserkrankung?

Genau das versucht zum Beispiel die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr herauszufinden: Naturheilkundliche Therapien, die vor allem ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung von Krebs angewendet werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Psyche des Patienten.

Krebspatient*innen als Gestalter des eigenen Lebens

Rainer Lange von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr erklärt, warum diese Methode manchmal helfen kann: 

„Wir haben festgestellt, dass es wichtig ist, dass die Menschen, die an Krebs erkrankt sind nicht mit einem Opfergefühl leben, sondern sich als Gestalter des eigenen Lebens wahrnehmen. Also dass sie sagen: ‚Ich kann etwas tun, um diese Krise zu meistern.“ 

Rainer Lange, Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr, im M94.5-Interview
Die Strahlentherapie gilt in der Onkologie als wirksame Behandlungsmethode bei Tumoren. Doch auch die psychische Verfassung kann einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.
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Eine positive Einstellung, sagt Lange, sorgt nicht nur für ein gutes Gefühl, sondern kann sich auch stärkend oder schwächend auf das Immunsystem auswirken.

Resilient gegen Krebs?

Genau dieses Phänomen wird auch in der sogenannten Resilienzforschung, einem Teilgebiet der Psychologie, untersucht.

Das Wort Resilienz stammt vom lateinischen „resilire” und heißt übersetzt „zurückspringen” oder „abprallen”. In der Psychologie bedeutet Resilienz die Rückgewinnung der psychischen Gesundheit während oder nach „widrigen Lebensumständen”. Das erklärt Lara Hubenschmid, Leiterin des Projektes „Resist-Krebs” am Leibniz-Institut für Resilienzforschung. 

Dort wird untersucht, woher der Einfluss der Psyche auf das Immunsystem kommt. Lara Hubenschmid erklärt, dass negative Gefühle das Immunsystem schwächen können:

Lara Hubenschmid

„Es gibt Hinweise darauf, dass ein Mensch, der resilient ist, also keine stress-assoziierte psychische Erkrankung hat, eine höhere Wahrscheinlich hat, (…) mehr Killerzellen zu produzieren. Dieses könnte die Tumorzellen angreifen und zerstören. Und das wiederum kann auf eine stärkere Aktivierung des Immunsystems zurückgeführt werden.“ 

Lara Hubenschmid, Leiterin des Projektes „Resist-Krebs“, im M94.5-Interview

Trotzdem warnt der Krebsinformationsdienst davor, sich bei der Behandlung nur auf die Psyche zu konzentrieren. Denn Krebszellen können sich unterschiedlichsten Bedingungen anpassen und entwickeln Mechanismen, um der Immunabwehr zu entkommen. Auch Lara Hubenschmid ist sich sicher, dass es keinen Königsweg bei der Behandlung von Krebs gibt:

„Es ist nicht so, dass ich aus wissenschaftlicher Sicht bestärken könnte, dass die Psyche die Einflussvariable bei der Heilung von Krebs ist.”

Lara Hubenschmid, Leiterin des Projektes „Resist-Krebs“

Spontanheilung statt Chemo- und Strahlentherapie?

Es gibt tatsächlich Fälle, in denen sich die Patienten gegen eine schulmedizinische Therapie entscheiden und trotzdem wieder gesund werden. Solche sogenannten Spontanheilungen untersucht die Krebsforscherin Kelly Turner in ihrem Buch “Neun Wege in ein krebsfreies Leben”. Darin identifiziert sie neun Faktoren, die zu einer Spontanheilung führen können. Sieben davon sind ausschließlich psychisch oder mental, erklärt Lara Hubenschmid. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Spontanheilung? 0,0007 Prozent.