Kommentar

High Art

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Von der Straße ins Museum. Hip-Hop-Künstler sind heute längst keine einfachen Jungs aus den Glasscherbenvierteln mehr, sondern verdienen teilweise mit ihrere Musik Millionen. Viele Rapper pflegen dabei neben kreativen Beziehungen mit bildenden Künstlern auch geschäfliche Kontakte in die Kunstwelt. Wie viel Authentizität bleibt da noch?

Hip-Hop, das stand zumindest vor einiger Zeit noch für echte Musik von echten Leuten, die ihre Erfahrungen und Probleme unverschönt ihren Fans näherbringen wollten. Street-Credibilty und Authentizität sind da die Stichworte. Seit sich der Rap aber in den letzen Jahren zum weltweit populärsten und kommerziell erfolgreichsten Genre entwickelt hat, haben viele Hip-Hop-Künstler den Sprung von den kleinen Szeneclubs in die Galerien dieser Welt geschafft. Auf den ersten Blick ist an dieser Beziehung nichts neues, schon John Lennon und Freddie Mercury waren vor ihrer Karriere als erfolgreiche Musiker Kunststudenten. Und immer wieder geht aus der Zusammenarbeit zwischen Musikern und bildenden Künstlern extrem fruchtbare kreative Arbeit und Kunst hervor. Schon seit den 80ern wird Jean-Michel Basquiat, einer der bedeutensten amerikanischen Künstler überhaupt, von unzählgen Hip-Hop Künstlern als Inspiration genannt. Und erst kürzlich trug der britische Rapper Stormzy wärend seines Auftritt als Headliner beim Glastonbury-Festival eine von Streetart-Künstler Banksy designte stichfeste Weste, die auf die häufigen Messer-Attacken in Großbritannien aufmerksam machen sollte.

Realness gegen Kommerz

Neben solchen schönen Aktionen mit wichtiger Message wie die Stormzy-Perfomance wirft das Aufeinandertreffen von Hip-Hop und der bildenden Kunst auch kritische Fragen auf. Auf dem Kunstmarkt erreichen Bilder bei Auktionen mittlerweile dreistellige Millionenbeträge. So ist bespielsweise die Art Basel , eine der größten Kunstmessen überhaupt, vielmehr eine Art Socialising-Treffen für Öl-Tycoons, die beim Champangertrinken über Van Goghs und Picassos als Geldanlage diskutieren. Dagegen stehen viele Rapper und ihre Musik für authentische Texte über echte Probleme der einfachen Leute. Mittlerweile werden aber Rap-Stars wie beispielsweise Yung Hurn immer wieder auf Vernissages eingeladen oder sind zusammen mit Größen der Kunst-Szene wie Daniel Richter in deren Atelier zu sehen. Aber auch durch den Handel mit Bildern verdienen sich immer mehr Musiker noch einiges hinzu. Jay-Z, einer der erfolgreichsten Hip-Hop Künstler überhaupt, besitzt zusammen mit Ehefrau Beyoncè eine Kunstsammlung, die das Magazin Forbes auf einen Wert von etwa 70 Millionen Dollar schätzt. So ist es auch dieser Sammlung an Bildern von u.a. Damien Hirst und Andy Warhol zu verdanken, dass Jay-Z seit diesem Jahr der erste Milliardär unter den Hip-Hop-Musikern wurde.

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INDIE Magazine: Yung Hurn & Daniel Richter

Mona Lisa als Feature

Dass Rapper das Image des Straßen-Poeten gegen das des steinreichen Selfmade-Millionärs mir Autos und Uhren austauschen, ist schon seit den späten 90ern nichts neues mehr. Aber sich an den elitären Kunstmarkt anzubiedern, der schon längst seinen Fokus weg von der kreativen Arbeit des Künstlers auf das Kunstobjekt als Geldmaschine gelegt hat, wirkt vielmehr wie ein Verkauf des eigentlichen Spirits des Hip-Hops, als ein Imagewechsel. Beispielhaft ist dafür das Musikvideo zum Song „Apeshit“ der Carters. Der Clip, für welchen das Star-Ehepaar extra den Louvre in Paris mietete, bekam neben viel Zuspruch auch einiges an negativem Feedback, das den Musikern Ausverkauf und Größenwahn vorwarfen.

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Beyonce:
APES**T – THE CARTERS

Aktionen wie die von Stormzy und Banksy sind ein grandioser Beweis, wie Rapper und Künstler im Sinne der Kunst gemeinsam großes schaffen können. Doch die lukrativen Geschäfte der Kunsthändler und Musiker, die meist von den Galeristen und Spekulanten ausgehen, die auch ein Stück vom Hip-Hop Erfolg abhaben wollen, sollten die Rapper mit Vorsicht annehmen. Und wenn der Deal über ein 20-Millionen-Werk von Gaugin doch zustande kommt, sollten die Musiker damit wenigstens transparent umgehen und über den Kunstmarkt und seine Probleme offen diskutieren. Sonst verliert auch der Hip-Hop als ursprünglich letzte Bastion gegen den totalen Kapitalismus seinen Rest Kredibilität.