Platte des Monats: Dezember/Januar 19/20

Hannah Diamond – Reflections

/ / Bild: Hannah Diamond (PC Music)

Kann Bubblegum-Pop im Jahr 2019 noch spannend sein? Kann er! Wie sehr sogar, beweist die britische Künstlerin Hannah Diamond mit ihrem Debüt-Album „Reflections“, auf dem sie die Grenzen der Popmusik, teilweise aber auch die des guten Geschmacks streift.

Roboter und Künstliche Intelligenzen spielen mittlerweile nicht nur in der Wirtschaft eine wichtige Rolle, sondern beeinflussen auch immer stärker das moderne Ästhetikverständnis in Kunst und Kultur. So verwendet Popstar Charli XCX in ihren Musikvideos futuristische Symbole und Designs und Avantgarde-Musikerin Holly Herndon produzierte dieses Jahr mit einer selbst geschaffenen K.I. sogar ein ganzes Album. Die englische Sängerin und Fotografin Hannah Diamond bewegt sich irgendwo zwischen diesen Extremen: Ihr Album Reflections ist zum einen ganz klar eine Pop-Platte mit zuckersüßen Synthesizern und simplen Texten über die Probleme von Teenagern im 21. Jahrhundert. Andererseits sind die Songs aufgrund der vielen kleinen Glitches und teilweise plötzlichen Rhythmen-Wechsel auch eine Herausforderung für den Hörer und haben einen schon fast experimentellen Ansatz.

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Hannah Diamond – „Love Goes On“

Hannah Diamonds Label PC Music gehört dabei schon seit Jahren zu den wichtigsten Vertretern von alternativer Popmusik. So brachte Label-Mitbegründer A.G. Cooks, der nun auch an der Produktion von Reflections beteiligt war , mit PC Music schon vor Jahren die Ästhetik der „Cyberculture“ mit in den Mainstream. Die visuelle Aufarbeitung von Reflections ist aber Hannah Diamond selbst zuzuschreiben, die schon lange vor ihrer Musikkarriere als Fotografin und Visual Artist Erfahrung sammeln konnte und Größen wie die vorhin genannte Charli XCX für bekannte Magazine ablichten durfte. Der visuelle Stil des Albums grenzt dabei teilweise schon an Größenwahn und ist von ständigem Glitzern und Strahlen durchzogen. So sieht man sie ihm Video zu „Invisible“ durch eine Straße voller Modeläden wie Gucci und Chanel stolzieren, um sich am Ende in einem Stadion aus Lichtern die Seele aus dem Leib zu singen. Ob oder wie sehr das ironisch gemeint ist, bleibt dabei offen.

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Hannah Diamond – „Invisible“

Auch wenn Reflections ein zunächst etwas gewöhnungsbedürftiges Werk sein mag: So innovativ und interessant wurden altbekannte Pop-Melodien und -Thematiken schon lange nicht mehr umgesetzt. Unter dem ganzen Glanz und Glamour verbirgt sich in fast allen Songs sogar eine gewisse Melancholie und Einsamkeit, die erst beim dritten oder vierten Hördurchlauf durchblitzt. So schafft es Hannah Diamond, dem fast schon für Tod erklärten Pop der frühen 2000er tatsächlich neues Leben einzuhauchen und hat mit Reflections ein Album geschaffen, das zwischen Trash und Avantgarde, sowie Vergangenheit und Zukunft schwebt.

Reflections ist am 22. November bei PC Music erschienen.