M94.5 Albenreview

Greentea Peng – MAN MADE

/ / Bild: AMF/Universal

Zwischen psychedelischem Soul und der existenziellen Suche nach sich selbst. Greentea Pengs Debütalbum MAN MADE klingt wie eine laue Sommernacht voller melancholischer Erinnerungen und leichten Reggae-Beats.

„Burning of the old and the rising of the new.“ In der Vorab-Single „Kali V2“ schwingt der Grundton des ganzen Albums mit: Tod und Wiedergeburt, Ausbrechen aus alten Strukturen und die Suche nach eigenen Wahrheiten. Aria Wells alias Greentea Peng mahnt mit dunkler, rauchiger Stimme dazu, sich gegen Ungerechtigkeiten stark zu machen. Hauptfigur und Namensgeberin des Songs ist Kali Ma, die Hindu Göttin der Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung.

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Das Musikvideo zu „Kali V2“

Heilende Energien

Auf MAN MADE zieht sich ein spiritueller roter Faden durch die 18 Songs. Neben der Erkundung von verschiedenen Zuständen des Seins steht vor allem das Thema Heilung im Mittelpunkt. Heilung von den Missständen der Gesellschaft, Heilung von und für Aria Wells selbst. Wie für viele Künstler:innen war das letzte Jahr auch für Greentea Peng nicht leicht. Neben der Pandemie beschäftigten sie vor allem der Tod ihres Stiefvaters und der Kampf gegen ihre Medikamentensucht. Musik als Therapie für alle Beteiligten.

„This sound is sensual and plentiful, alchemical

It’s medicince an medical, like medicine

Now open wide and let it in“

Musik als Medizin: Greentea Peng in This Sound

Das spiegelt sich sogar in der Produktion wider: Greentea Peng und ihre Band sind letzten Sommer zur Selbstfindung aufs mexikanische Niemandsland geflüchtet und haben fernab von der Gesellschaft das Album aufgenommen. Die Instrumente wurden für die Aufnahmesessions auf 432 Hertz gestimmt, ungefähr einen Halbton tiefer als der westliche Musikstandard von 440 Hertz. Diese alternative Frequenz hat angeblich heilende Effekte und soll entspannend wirken, gleichzeitig gibt sie den Songs einen markanten, dissonanten Klang. Für Greentea Peng scheint es immerhin zu funktionieren.

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432 Hertz als Lebenseinstellung: „Livin 432“

Politik und Popstardasein

Auch die antirassistischen Demonstrationen letztes Jahr gingen Greentea Peng sehr nahe. Die Künstlerin mit arabischen und afrikanischen Wurzeln positioniert sich in ihren Songs, wie „Free My People“, politisch gegen Rassismus, konservative Strukturen und die Unterdrückung von freier Liebe. Das klingt hinter dem Schleier aus Drogenschwaden und den groovy Klängen manchmal etwas abgedroschen, ist im Fall von Greentea Peng aber nur authentisch. Angesichts ihres immer größer werdenden Erfolgs keine Selbstverständlichkeit. Die 26-jährige ist mit Majorlabel Vertrag und ihrem unverwechselbaren Style gerade auf dem Weg die Medien- und Popstarwelt zu erobern.

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Der einzige Song des Albums mit Gästen: „Free My People“ ft. Simmy und Kid Cruise

Take some fuckin‘ shrooms!

MAN MADE ist ein psychedelisches Abenteuer durch verschiedene Genres. Neosoul, psychedelic R’n’B, Reggae, Drum’n’Bass und Jazz, um nur ein paar der Einflüsse zu nennen. Begleitet wird Greentea Peng dabei von ihrer Band The Seng Seng Family. Die Gruppe bringt ein großes Soundrepertoire mit. Wilde Bläsersoli wechseln sich mit neopsychedelischen Gitarrensounds und jazzigen Klaviereinlagen wie in „Nah It Ain’t The Same“ ab. Zusammengehalten wird dieses musikalische Durcheinander von komplexen Rhythmen, Reggae- und Breakbeats, die mit Leichtigkeit durch die 18 Songs führen. Mal tanzbar, mal ruhiger, aber nie langweilig.

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Mit jeder Minute jazziger: „Nah It Ain’t The Same“

MAN MADE fühlt sich wie eine Jamsession in Greentea Pengs vernebeltem Wohnzimmer an. Die 18 Songs laden auf einen psychedelischen Selbstfindungstrip ein. Wer sich auf die spirituelle, leicht esoterische Art der Südlondonerin einlässt, wird am Ende belohnt mit einem Album, das mit vielfältigen Sounds besticht und meditativ den Alltag entschleunigt.

MAN MADE ist am 04. Juni 2021 über AMF Records erschienen.