ALBUMREVIEW

FRECH, SARDONISCH, IRISCH – “FENIAN” VON KNEECAP

/ / BILD: Tom Beard

„Well well a chairde Gael“: Seit 2024 sorgt das irische Trio KNEECAP immer wieder für Schlagzeilen. Mit „FENIAN“ ist nun am 1. Mai das zweite offiziell produzierte Album der umstrittenen Rapgruppe erschienen.

Mo Chara, Móglaí Bap, und DJ Próvai: Die drei vorlauten, in Parka und grün-weiß-orangener Balaclava auftretenden Hardcore-Rapper scheinen sich ihrer oft einschüchternden Präsenz mehr als bewusst. Seit ihrer frechen Debutsingle „C.E.A.R.T.A.“ (ga. „Rechte“) gehört das Anti-Establishment fest zur Formel der nordirischen Rapgruppe. Mit ihrem zweiten offiziell erscheinenden Album „FENIAN“ beweisen KNEECAP nun endgültig, dass sie ihren Platz in der Musikszene gefunden haben – und mit Zähnen und Klauen verteidigen werden.

“I’ll never learn my lesson / Always be government’s obsession
Talk of the town when I’m walking around
Tá do mháthair gafa liom freisin.”

KNEECAP: „Smugglers & Scholars“

SEX, DRUGS & HARDCORE RAP

Trotz der unverkennbar zum Markenzeichen der Gruppe gewordenen Dreistigkeit hat sich ihre lyrische Stimme seit dem vielgelobten offiziellen Debüt „Fine Art“ im Jahr 2024 merklich verändert. „FENIAN“ nimmt sich selbst ernster, folgt einer klareren Richtung als der Vorgänger. Wo zwei Jahre zuvor „Fine Art“ für sein musikalisches Storytelling im Stil des „Sex, Drugs & Hardcore Rap“ und humoristischen Skits auffiel, erscheinen die vierzehn Tracks auf dem neuen Album der Gruppe echter, wütender, und deutlich persönlicher.

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Musikvideo zu “Liars Tale” von KNEECAP

KNEECAP ARE (NOT) THE STORY

Mit inzwischen gewohnter Zügellosigkeit beharrt „FENIAN“ mit den Tracks „Liars Tale“, „Palestine (feat. Fawsi)“, und „Smugglers & Scholars“ unverblümt auf der in der Vergangenheit vielfältig kritisch bewerteten Haltung der Gruppe zum Weltgeschehen. Auf im Jahr 2025 gegen Rapper Mo Chara vorgebrachte Terrorismusvorwürfe reagiert die Gruppe scharf. Teils sarkastisch, teils eindringlich plädiert das Trio durch ihre Musik für die eigene wiederkehrende Message: „KNEECAP are not the story“. Nicht die pro-palästinensischen Aussagen der Gruppe seien diskussionswürdig, sondern allein deren Haltung von Bedeutung.

“There’s a carnival coming to a town near you /
KNEECAP vs the Crown, so come here, you /
Step up and view their new attraction, circus of distractions /
Away from their actions is where they’ll steer you.”

KNEECAP: “Carnival”

“FENIAN C****” – JETZT ERST RECHT

Wie bereits mit “Fine Art” behält sich KNEECAP auch auf diesem neuen Album mit Songtexten in überwiegend irischer Sprache ihr faszinierendstes Alleinstellungsmerkmal bei. Neben dem Titeltrack, mit dem die Rapper einen Konfliktbegriff der irischen Revolutionsbewegung zurückfordern, bringen die Tracks „Occupied 6“, „Gael Phonics“, und „An Ra“ die nordirische Identität der Gruppe als zentrales lyrisches Motiv an vorderste Front.

“You can say “is cuma sa tsioc”, means I don’t give a fuck /
“Ná déan deimhin de do dhóchas”, kid, don’t push your luck.”

KNEECAP: „Gael Phonics“
BILD: Tom Beard

Für das Schlusslicht des Albums, „Irish Goodbye“, welches Rapper Móglaí Bap als Ode an die verstorbene Mutter adressiert, holt sich die Gruppe in Kae Tempest hochkarätige Unterstützung. Die für KNEECAP sonst untypische emotionale Tiefgründigkeit ist wohlplatziert und hinterlässt den Eindruck eines authentischen, aufrichtigen Gesamtkunstwerks, dessen künstlerische Kuration an jeder seiner messerscharfen Kanten deutlich spürbar ist.

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