Mode auf der Moskauer Fashion Week

„Express yourself“ trägt die LGBTQ-Community

/ / Bild: M94.5/Antonia Mann

Fünf Tage lang tummelten sich auf der Moskauer Fashion Week die bedeutendsten Designer und Schöpfer der russischen Modeszene. Aber hier ging es um viel mehr, als „nur“ um Mode. Antonia Mann war vor Ort und hat sich angeschaut, wie die LGBTQ-Community in Russland durch Mode ihren Ausdruck findet und trotz dem Verbot von Homosexualität um Akzeptanz kämpft.

Die Ausstellungshalle „Manege“ im Zentrum der Stadt war der Ort, an dem all das aufeinandertrifft, was die Russische Modeszene zu bieten hat. Dabei präsentierten sich junge aufstrebende Designer neben etablierten Größen.

International Karriere machen

Beim Auftakt, dem sogenannten „Trainingstag“ konnten die Designer von morgen nicht nur ihr Können gezeigt, sondern auch das, was sie inspiriert und motiviert. Das FUTURUM zielt darauf ab jungen talentierten Ost Europäischen Designern den Einstieg in die Modewelt zu erleichtern. Das Ergebnis ist eine Show der innovativsten Talente. Eine Startbahn für eine internationale Karriere. Davon träumen viele Designer in Russland, denn durch die politische Situation, ist ihre künstlerische Schaffensfreiheit oft stark eingeschränkt. Eine internationale Karriere bedeutet für sie in eine Welt einzutauchen, in der es keine Grenzen für die Kunstfreiheit und die persönliche Entfaltung gibt.

„Russian fashion is limited by its political and economic problems”

Sascha Amato, russischer Modejournalist

Das “Gay Propaganda Law“ in Russland

Was Sascha Amato mit politischen Problemen meint ist klar. Das “Gay Propaganda“ Law oder zu Deutsch „homosexuelle Propaganda“ Gesetz, verbietet in Russland öffentlich positiv über Homosexualität zu sprechen. Die Berliner Drag Queen Barbie Breakout hatte sich 2013, als Reaktion auf das verabschiedete Gesetz, in einem selbstgedrehten Video den Mund zugenäht.

Die Fashion Week in Moskau: Ein Freiraum für die Designer

Dennoch oder genau deswegen ist Mode oftmals der einzige Weg ein offensichtliches Statement zu setzten, ohne es mit vielen Worten erklären zu müssen. So nutzen viele Designer diese Chance, um ihre Überzeugungen durch Mode zu präsentieren. Ihr Ziel ist es dabei auch denjenigen Mut zu machen, die ihre Sexualität nicht öffentlich ausleben können. Wie die Designer das erreichen ist unterschiedlich. So laufen Männermodels mit Pailletten besetzten Abendkleidern, sowie weibliche Models in androgynen Anzügen über den Laufsteg. Viele der Designer buchen bewusst Transgender Models um der universellen Botschaft Ihrer Kollektion Ausdruck zu verleihen. Manche kleiden die Models so ein, dass absichtlich kein Geschlecht mehr erkennbar ist. Auch das Make-up und das Haarstyling der Models wird zum Teil bewusst so konzipiert, dass es androgyn wirkt – also keine Zuteilung zu einem Geschlecht möglich macht.

LGBTQ- Personen existieren in der medialen Öffentlichkeit nicht

Die damalige Sowjetunion war das erste Land, das Homosexualität legalisierte. In den 90er Jahren wurde dort sexuelle Freizügigkeit genossen. Ein öffentlicher Diskurs war trotzdem nie erlaubt. Um den Begriff „homosexuell“, wird in Russland sogar von Homosexuellen ein großer Bogen gemacht.

“There are so many designers, fashion icons, models, creators in video and music in Russia that are living an openly gay or queer lifestyle and yet they cannot be open about it on TV, radio or press, or any mass media except from their art. Their art is the only way they can be out of the closet, they can be open and real with who they are”.

Sascha Amato, russischer Modejournalist

Neben der Fashion Week bleibt den Designern keine große Bühne, um ihre Kollektionen zu präsentieren. Zwar haben die meisten eine Boutique und promoten ihre Kreationen über Social Media, jedoch bleibt die staatliche mediale Berichterstattung davon fern. Das gleiche gilt für kleinere Fashion Shows. Hier fehlt die mediale Präsenz, die Botschaft und der Lifestyle werden nicht nach außen transportiert. Unter dem Schirm der Mercedes-Benz Fashion Week sieht das wiederrum ganz anders aus. Der internationale Einfluss ist, besonders durch die vielen Medienvertreter zu erkennen, europäisch und russisch gleichermaßen.

“If a queer creator wants to create something to tell the world who they really are that’s the only place in Russia to do so. This is the only place where you can actually see works by LGBTQ designers in this country.”

Sascha Amato, russischer Modejournalist

Die Dragszene auf der Fashion Week

Und nicht nur LGBTQ Designer sind vertreten – auch Dragqueen Sabrina Neon zieht es zur Fashion Week, denn hier kann sie sein wie sie ist. Für sie ist die Fashion Week wie ein großes schillerndes Fest.

„Here all people can be free no matter who they are.”

Für eine Dragqueen in Russland ist die Modewoche die beste Gelegenheit um zu zeigen, wer man ist, da hier jeder das sein kann, was er möchte. Und das sei das Wichtigste für sie. Außerdem muss man stark sein:

“Many people think it’s hard for drag queens or the LGBT community in Russia, but I think if you are strong enough to be yourself and walk down the street and along the Red Square you can do It”.

Bild: Valentine Yaroshevich

Jedoch hat auch sie schlechte Erfahrungen gemacht. Außerhalb der Hallen der Modewoche seien die Menschen kalt, zum Teil bösartig und nicht tolerant.

„Tolerance is not for Russia – and that is true”.

Trotzdem blickt Sabrina Neon positiv in die Zukunft. Viele Dragqueens kommen nach Moskau – ziehen weg aus den kleineren Städten in die russische Hauptstadt. Hier wird die Dragqueen Szene laut Sabrina Neon zu einer immer größeren Kultur.

„I think in the future it will be more comfortable for us to be ourselves”.

Bild: Valentine Yaroshevich

Mode fasziniert und beeinflusst Menschen auf der ganzen Welt. Besonders in Russland setzt die LGBTQ-Szene darauf, um Ausdruck und Akzeptanz zu finden. Die Fashion Week ging bis zum 3. April, der Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz der LGBTQ-Community in Russland geht aber weiter.