M94.5 Filmkritik

Downton Abbey

/ / Foto: Universal Pictures

Wenn die Tage wieder länger werden und am Abend schon eine kühle Brise durch die Stadt weht, dann ist es wieder Zeit, sich in einem flauschigen roten Kinosessel zurückzulehnen. Kein Wunder also, dass sich die meisten Produzenten den Herbst herauspicken, um ihre neusten Blockbuster und Verkaufsschlager auf die Welt loszulassen. Doch es ist weder der Star-besetzte Hit Once Upon A Time In Hollywood von Quentin Tarantino, noch das blutige Wiedersehen mit dem Gruselclown in Es, das dieses Jahr alles in den Schatten stellt. Nein, es ist das schnöde, britische, mit Etikette überladene Filmdrama Downton Abbey, welches alle Vorverkaufszahlen des Jahres schlägt.

Ärger über und unter Deck

Doch eigentlich ist das nicht verwunderlich, wenn schon die Serie zum Film wie ein Blitz eingeschlagen ist. Ein elegant gekleideter, humorvoller britischer Blitz. Schon die ehemalige First Lady, Michelle Obama hat sich die Serie ins weiße Haus schicken lassen. Diese folgt einem klassischen Erfolgsrezept: Sie erzählt nicht nur die Geschichte der wohlhabenden Adelsfamilie Crawly, sondern auch ihrer Bediensteten in den unteren Teilen des Hauses. So bekommt jede Figur eine ganz individuelle Geschichte.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Willkommen zurück in Downton!“, begrüßt der Trailer zum Kinofilm die Fans

Diese Geschichten werden nun in der Kino-Adaption weiter erzählt. Das Highlight: Downton Abbey bekommt zum ersten Mal königlichen Besuch. Doch der Besuch von König und Königin entpuppt sich nicht etwa als Freude für die Bewohner des Herrenhauses, sondern als Demütigung. Jetzt erleben die Crawleys was es heißt, herumkommandiert zu werden und die Bediensteten, die so gerne den Royals das Bett gemacht oder den Wein eingeschenkt hätten, werden vom königlichen Hofstaat hinweg gefegt.

Der Film macht Spaß und ist weniger ernst als die Serie. Glanzfigur wie immer, ist dabei die Gräfinwitwe Violet Crawley. Maggie Smith hat ihre Paraderolle als ungehobelte und Spitzzüngige Britin perfektioniert und gewinnt jedes Rededuell mit Aussagen wie:

„Ich streite nicht, ich erkläre!“

Oberflächige Probleme und fehlende Harmonie

Der Film räumte zwar jedem Charakter Zeit ein, doch das führt oftmals dazu, dass die Handlung oberflächig und sperrig bleibt. Das Drehbuch verzettelt sich und fügt sich nicht mehr harmonisch zusammen. Wie etwa bei Lady Mary, die sich fragt ob das Leben auf Downton Abbey noch standesgemäß ist, doch sofort von ihrer treuen Kammerzofe unterbrochen wird, die sie drängt nicht aufzugeben. Problem gelöst? Es scheint so.

Viele Handlungsstränge wirken außerdem oftmals an den Haaren herbeigezogen: Das liegt daran, dass die Serie einfach ein befriedigendes Ende hatte und die Fans mit Hoffnung für die Figuren zurückließ. Nun mussten aber wieder neue Problemchen her, um zwei Stunden zu füllen – welche wenig überzeugen. Letztlich endet der Film auch genauso wie die Serie, alle tanzen mit einem breiten Lächeln der Zukunft entgegen. Der Film spielt 1927, die Aussicht auf den zweiten Wesltkrieg wurde scheinbar einfach vollends ignoriert.

Dennoch ist „Downton Abbey“ eine klare Hommage an seine Fans: Für alle, die die Serie lieben, wird es ein ganz wundervolles, zwei stündiges Wiedersehen mit alten Bekannten.

„Downton Abbey“ läuft ab dem 19. September in den deutschen Kinos. Die Serie zum Film gibt es als Stream auf Amazon Prime.