Architektur im Olympiadorf

Die Stadt in der Stadt

/ / Bild: M94.5 / Nadja Huber

Für Besucher*innen ist die Architektur im Olympiadorf oft verwirrend. Auf den ersten Blick sind viele von der Betonwüste eher abgeneigt. Über die Zeit entwickelte dieses Viertel aber ein ganz besonderes Eigenleben und ein Zusammengehörigkeitsgefühl – es ist ein Dorf in der Großstadt. Wir haben für euch ein paar interessante Fakten über das „Olydorf“ zusammen gestellt.

Anlässlich der XX. Olympischen Spiele 1972 wurde das Olympiadorf zur Unterbringung der Athlet*innen gebaut und ist ein architektonisches Denkmal mit einem einzigartigen Konzept. Heute ist das ehemalige Sportlerquartier ein äußerst beliebtes und attraktives Stadtviertel geworden, indem man nur sehr schwer eine Wohnung findet.

Bungalows

Das ehemalige Frauendorf ist eine Studentenwohnanlage und zählt wahrscheinlich zu den beliebtesten Studentenwohnungen in München. Studierende müssen hier teilweise bis zu eineinhalb Jahre auf ein Apartment warten. Da es aus wirtschaftlichen Gründen nicht sanierbar war, wurden die Bungalows abgerissen und in ähnlicher Bauweise neu gebaut. Das Gemeinschaftsleben wird dort intensiver als im herkömmlichen Wohnheimflur erlebt, weil die Studenten im Sommer die Türen gerne offen lassen oder sich in den Gassen zusammen setzen. Die Bewohner der Bungalows können zudem die Hausfassade selbst gestalten und bemalen.

Terrassenhäuser

Foto: M94.5/Nadja Huber

Im sogenannten Oberdorf sind „normale“ Wohnungen, die Terrassen der Wohnanlagen sind stufenförmig gebaut und schirmen Lärm gut ab. Jeder Bewohner hat so freien Blick auf den Himmel, weshalb Pflanzen auch ohne zusätzliche Bewässerung sehr gut wachsen können. Über 90% Prozent der Wohnungen werden hier von Eigentümern bewohnt.

Konzept

Das Olympiadorf ist wegen der strikten Trennung von Fußgänger und Fahrverkehr an der Oberfläche autofrei, so dass Lärm und Autoabgase auf die unterirdischen Straßen beschränkt sind. Jede Straße hat seine eigene Farbe. Orange steht für die Straßbergerstraße, grün für die Nadistraße und blau für die Connollystraße. Weiß und gelb stehen für die Zentrumsbereiche. Die Farben tauchen auch auf den Nummernschilder der Wohnungstüren auf. Das Olympiadorf sollte so bunt, offen und einladend wirken. Neben den Wohnungen findet man hier in Einkaufsmöglichkeiten, Schule, Kindergarten und kulturelle Einrichtungen.

Media Lines

Foto: M94.5/Nadja Huber

Die Media Lines sind ein 1,6 km langes buntes Rohrsystem und wurden damals vom Architekten Hans Hollein entwickelt. Die Rohre treffen sich an zentralen Punkten und dienen zum einen als Orientierungshilfe. Während der Olympiade wurden durch spezielle Lautsprecher Durchsagen für die Sportler übertragen und man hatte an den Rohren auch die Möglichkeit Filmleinwände aufzuhängen. Auch heute dienen die Rohre als Beleuchtungsmittel.

Geisterbahnhof

Der ehemalige Bahnhof München Olympiastadion gehört zwar nicht mehr ganz zum Olympiadorf, aber ist trotzdem ein bekannter „Lost Place“. Die S-Bahn Station wurde anlässlich der Olympiade 1972 gebaut um die Besucherströme schneller und unkomplizierter zum Olympiagelände zu bringen. Als die Stadt München das U-Bahn Netz weiter ausbaute wurde die S-Bahn Haltestelle überflüssig. Im Jahr 1988 wurde der Bahnhof stillgelegt und aufgrund des Denkmalschutzes sich selbst überlassen. Heute ist der Geisterbahnhof ein beliebter Ort der Grafittiszene.

Ein Artikel von Nadja Huber.