Bild: Sophia Reichert

Corona und Kultur

Curtain Call

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Die Kulturszene trifft die Coronakrise besonders hart. Welche Auswirkungen hat der momentane Shutdown auf Spielstätten aus der freien Szene? Am Beispiel des Münchner Metropoltheaters zeigt sich, wie einschneidend die Ereignisse sind.

Ob Restaurants, Läden, Fitnessstudios, Kinos, Konzert- oder Theaterhäuser. In München bleiben die Türen vorerst überall geschlossen. Seit knapp zwei Wochen hat das Coronavirus die Stadt inzwischen fest im Griff. Doch so ungewiss wie der weitere Verlauf der statistischen Prognosen ist, verhält es sich auch mit der Existenz vieler Kulturstätten.

Schwer zu kalkulieren

Insbesondere kleinere, unabhängige Theaterhäuser bangen um ihre Zukunft. Grund dafür ist die große Ungewissheit, die sich in diesen Tagen breit macht. „Am wichtigsten sind präzise Entscheidungen“, so Jochen Schölch, Intendant und Mitbegründer des Metropoltheaters in Freimann. Bleiben konkrete Ansagen von Seiten der Politik jedoch aus, mache es das schwer für einen Betrieb, zu kalkulieren. Trotzdem blickt Jochen Schölch den „Verantwortlichen“ mit Milde entgegen. „Beschweren sollte sich schließlich nur, wer einen besseren Vorschlag machen kann.“

Für Schölch mitsamt Theater und Team bedeutet das momentan: Keine Proben, kein Betrieb. Das aus freischaffenden Schauspieler*nnen bestehende Ensemble wird vorübergehend durch Kurzarbeitergeld entlohnt. Seine Förderung der Stadt München darf das Metropol behalten. Das sei wichtig, um laufende Kosten decken zu können, so Schölch. Sollte der Spielbetrieb nämlich für ein halbes Jahr lahmgelegt bleiben, würde selbst ein „eigentlich gesunder Betrieb“ wie das Metropol unter den Auswirkungen leiden.

Jochen Schölch. Bild: ©Carolin Tietz

Das Urwesen des Theaters

Um zu garantieren, dass das Metropoltheater „nicht aus der Kurve fliegt“ sei es deswegen das Wichtigste für Intendant und Ensemble, „auf jedes mögliche Szenario vorbereitet zu sein, wenn es beispielsweise heißt: Im Juni könnt ihr wieder spielen!“. Nichtsdestotrotz ist sich Jochen Schölch sicher: „Wenn der Shutdown noch länger dauert, werden dadurch einige kleine Theaterhäuser verschwinden.“

Ein Theater ist ein Ort der Begegnung, der Emotionen. Ein Ort, an dem für einen kurzen Moment die Welt außerhalb vergessen werden kann. Jochen Schölch hat in diesen schwierigen Zeiten sehr viel Handel gesehen und Zuspruch bekommen. Von Menschen, denen ein Zufluchtsort fehlt, den sie vermutlich momentan so bitter bräuchten. „Diese Kontaktsperre zeigt das Urwesen des Theaters und wie wichtig die direkte Begegnung ist“, erkennt Schölch.

Theater für zuhause

Geholfen werden kann aber glücklicherweise auch von zuhause aus. Theateraffine spenden inzwischen ihre Karten, anstatt sie in Gutscheine umzutauschen. Besonders Spendenaufrufe helfen jetzt, künstlerisches Fortbestehen zu sichern und keine Beteiligten im Stich lassen zu müssen. Nicht nur auf der Seite des Metropoltheaters findet sich unter https://www.metropoltheater.com/spenden.html die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung. Weitere Theaterhäuser der freien Szene, wie das HochX (http://theater-hochx.de/spendenaufruf.html) oder das Rationaltheater (www.gut-fuer-muenchen.de/projects/78069) rufen zu Spenden auf.

Jede Geste hilft! Nicht nur dabei, das Lieblingstheater finanziell möglichst unbeschadet durch diese Zeit zu bringen, sondern auch, um kleine Hoffnungsbotschaften zu senden!