Best of

Black Cinema

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Nicht nur bei Auszeichnungen wie den Oscars oder Golden Globes werden schwarze Regisseur*innen oft übersehen. Viel zu oft werden schwarze Geschichten weiß erzählt. Es bleibt also wichtig, ja unabdingbar, People of Color auch in der Filmbranche eine größere Plattform zu geben. Was ihr dazu beitragen könnt? Filme schauen! Wir haben ein paar Vorschläge gesammelt: Sechs schwarze Filmemacher*innen im Kurzportrait.

Within Our Gates

Oscar Micheaux, 1920

Bis heute ist Birth of a Nation, das rassistische Stummfilm-Epos, das dem Ku-Klux-Klan in den USA des frühen 20. Jahrhunderts zu neuer Prominenz verhalf, weitaus bekannter und weitaus häufiger besprochen als der direkte Gegenentwurf dazu, den Oscar Micheaux nur wenige Jahre später auf die Leinwand brachte. Auch wenn heutige Zuschauer*innen Birth of a Nation aus einer Distanz von über hundert Jahren betrachten, steht in der Auseinandersetzung damit doch immer die nationalistische Perspektive im Fokus; nicht-weiße Erfahrungen werden ausschließlich durch den weißen Filter erzählt.

Eben diesen Filter kann Micheaux als erster afroamerikanischer Regisseur der Filmgeschichte umgehen: Als Protagonistin wählt er eine junge Frau, die eine Schule für benachteiligte Kinder gründen möchte und eine Liaison mit einem afroamerikanischen Arzt eingeht. Dabei könnte das Narrativ von Within Our Gates nicht zeitgemäßer sein: Während Birth of a Nation sich darauf versteift, Afroamerikaner*innen als animalische Primitivlinge darzustellen, entlarvt Within Our Gates auf der anderen Seite die wahre Primitivität – die der weißen Täter*innen, die rassistische Gewalt ausüben.

Dadurch entfachte Within Our Gates zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung eine hitzige Debatte, Kritiker*innen stuften ihn als „gefährlich“ ein und viele Filmtheater weigerten sich, ihn aufzuführen. Heute gilt Micheauxs Film als wichtiges Zeitdokument und Werk großer historischer Bedeutung. nc

Within Our Gates ist kostenlos auf dem YouTube-Kanal der Library of Congress verfügbar.

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Oscar Micheauxs historisches Within Our Gates in voller Länge.

A Different Image

Alile Sharon Larkin, 1982

Regisseurin Alile Sharon Larkin benötigt lediglich eine knappe Stunde, um ein authentisches und zugleich erschreckend modernes Portrait zu zeichnen: A Different Image begleitet Protagonistin Alana dabei, wie sie ihren Alltag als junge Frau navigiert – und sich unentwegt gegen ihre eigene Sexualisierung wehren muss. So wenig sich seitdem geändert zu haben scheint – etwa wiederkehrende Werbemotive mit spärlich bekleideten Frauen als Anreizobjekt –, so bahnbrechend war A Different Image zum Zeitpunkt der Veröffentlichung: Nie zuvor waren die Erfahrungen Schwarzer Frauen derart realistisch in den Mittelpunkt gerückt worden.

Der Film setzt sich unaufgeregt und empathisch mit patriarchalen Idealen von Weiblichkeit und Sexualität auseinander, sowie mit Alanas Anstrengungen, abseits davon ein für sich stimmiges Selbstbild (a different image) zu entwickeln. Larkin war Mitglied der Strömung L.A. Rebellion, einer Gruppe junger afrikanischer und afroamerikanischer Filmemacher*innen in den 1970ern und 1980ern, die ein „black cinema“ als Alternative zum klassischen Hollywood-Kino anstrebten. Als eine der einflussreichsten Indie-Regisseur*innen dieses Black Cinema gilt Larkin als Vorreiterin im bis heute andauernden Kampf um Repräsentation afroamerikanischer Frauen. nc

A Different Image ist kostenlos auf dem Vimeo-Kanal der Church Of Film verfügbar.

He Got Game

Spike Lee, 1998

Auf einer Liste, die sich mit Black Cinema auseinandersetzt, darf der Name Spike Lee nicht fehlen. Sein erster Spielfilm She’s Gotta Have It gilt als Startschuss des New-Black-Cinema-Genres. Der Großteil von Lees Filmen zeigt die Lebensrealität der afroamerikanischen Bevölkerung.

So auch He Got Game, der zudem auch Vater-Sohn-Beziehungen und die US-amerikanische Sportkultur unter die Lupe nimmt. Das Sportdrama verfolgt die Geschichte des Basketball-Toptalents Jesus Shuttlesworth, dessen Vater Jake wegen Totschlags an Jesus‘ Mutter im Gefängnis sitzt. Er bekommt aber eine Amnestie angeboten – unter der Bedingung, dass er seinen Sohn überzeugt, für das College des zuständigen Gouverneurs zu spielen.

Spike Lee verbindet in He Got Game also nicht nur Gesellschaftskritik mit Familiendrama, sondern hinterfragt auch unterdrückende Strukturen wie den US-College-Sport: Obwohl die Dachorganisation NCAA an den Ausstrahlungs- und Vermarktungsrechten Einnahmen in Milliardenhöhe verbucht, werden bis heute College-Athleten für ihr Spiel an US-Universitäten nicht bezahlt. ap

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Profi-Basketballer Ray Allen spielt in Spike Lees He Got Game eine der Hauptrollen.

Medicine for Melancholy

Barry Jenkins, 2008

Mit Moonlight schaffte Regisseur Barry Jenkins nicht nur seinen großen Durchbruch, sondern auch das bis dato schier Unmögliche: die Coming-of-Age-Geschichte eines Schwarzen und darüber hinaus auch noch queeren Hauptcharakters in den Mainstream Hollywoods zu stemmen. Seine einfühlsame, poetische Art des Storytelling wurde mit dem Oscar für den Besten Film gewürdigt; als erster Film mit rundum Schwarzer Besetzung überhaupt.

Jenkins‘ acht Jahre zuvor entstandenes Spielfilmdebüt Medicine for Melancholy wirkt weniger markant, wohl nicht zuletzt dank des unfassbar niedrigen Budgets, und doch sind klare Ansätze seines Stils zu erkennen: der sehr bewusste Einsatz von Farbe, der empathische Blick auf seine Figuren und der trotz der RomCom-Thematik völlig selbstverständliche Umgang mit unbequemen Themen wie Diskriminierung und Gentrifizierung.

Der Kern der Geschichte ist dabei altbekannt: Frau trifft Mann, sie landen im Bett, im Anschluss steht die Verortung der gegenseitigen Gefühlslage. Nur ist das Paar nicht weiß, sondern Schwarz; und ihr gemeinsamer Tag auf den Straßen San Franciscos, auf der Suche nach einer tiefergehenden Verbindung, kann nicht losgelöst von ihrer Identität existieren. Medicine for Melancholy bietet den Rückblick auf die filmische Entwicklung eines Klassiker-Regisseurs, bevor er zum modernen Klassiker wurde. nc

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Barry Jenkins liefert mit Medicine for Melancholy einen Einblick in die Machart seiner zukünftigen Filme.

13th

Ava DuVernay, 2016

Der 13. Zusatzartikel der Verfassung macht Sklaverei in den USA illegal – außer bei Straftäter*innen. Ava DuVernay zeigt in ihrer mehrfach preisgekrönten Dokumentation 13th wie diese Ausnahme den Weg für weitere rassistisch motivierte Gesetze geebnet hat, die Sklaverei durch Masseninhaftierungen bis heute fortführen. Die Doku erzählt von unschuldig und ohne Prozess jahrelang Inhaftierten. Viele erlitten ein ähnliches Schicksal wie George Floyd.

13th arbeitet mit Bildern, die sich ins Gedächtnis einbrennen – von Lynchmorden und brutaler Gewalt. DuVernay dröselt die Geschichte des US-amerikanischen Rassismus auf und argumentiert, dass das Problem nicht einzelne rassistische Polizist*innen ist, sondern ein System, das die Macht dieser Polizist*innen nicht nur legitimiert, sondern ihren Missbrauch unterstützt.

Für ihre Dokumentationen und Spielfilme ist Ava DuVernay vielfach preisgekrönt und wurde bei vielen Auszeichnungen als erste Schwarze Regisseurin nominiert. Ihre Filme erzählen die Erfahrungen von Afro-Amerikaner*innen und zeigen dabei immer Haltung. 13th ist da keine Ausnahme. ag

13th ist aktuell kostenlos auf YouTube verfügbar.

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Ava DuVernay blickt in The 13th auf die Industrie mit der Freiheitsberaubung.

Queen & Slim

Melina Matsoukas, 2019

Tinder-Dates führen im seltensten Fall zu Liebe auf den ersten Blick, auch zwischen Queen und Slim funkt es nicht auf Anhieb. Auf dem Heimweg werden die beiden aber wegen einer Lappalie von der Polizei angehalten, die Situation eskaliert: Slim tötet in Notwehr den Polizisten, nachdem dieser Queen ins Bein schießt. Fortan sind die beiden auf der Flucht.

In ihrem Debüt als Spielfilm-Regisseurin liefert Melina Matsoukas eine Schwarze Sicht auf den Bonnie-und-Clyde-Mythos. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit systematischer Polizeigewalt. Dabei gelingt ihr das Portrait eines tief gespaltenen Landes aber auch die Beziehung der beiden Hauptcharaktere kommt nicht zu kurz. Die starke Performance von Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya erwecken Queen und Slim zum Leben und machen somit die Botschaft des Films noch greifbarer.

Spielfilm-Debütantin Matsoukas machte sich am Anfang ihrer Karriere zunächst einen Namen als Regisseurin von Musikvideos. Für die Videos zu Rihannas We Found Love und Beyoncés Formation wurde sie mit Grammy Awards ausgezeichnet. Queen & Slim beweist, dass Melina Matsoukas sich in Zukunft auch mit ihren Spielfilmen als Erfolgs-Regisseurin etablieren könnte. ap

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Bonnie und Clyde mal anders: Der Trailer zu Queen & Slim von Melina Matsoukas.