M94.5 Filmkritik

After the Wedding

/ / Bild: Telepool 2019

Die amerikanische Neuverfilmung des schwedischen Dramas Nach der Hochzeit kombiniert schöne Kameraeinstellungen mit zwei absoluten Superstars der Schauspielwelt – und kann trotzdem nicht überzeugen.

Darum gehts:

Multimillionärin Theresa (Julianne Moore) will aus dem Nichts ein Waisenhaus in Indien mit einer großzügigen Spende unterstützen. Als dafür Isabel (Michelle Williams), die dort arbeitet, nach New York fliegt um Theresa kennenzulernen, trifft sie bei der Hochzeit von Theresa’s Tochter auf einen alten Bekannten und plötzlich tauchen lauter ungeklärte Fragen auf.

Oscar-Power am Start

Mit Julianne Moore und Michelle Williams hat Regisseur Bart Freundlich sich nicht nur eine Oscar-Nominierte (Michelle Williams) und eine Oscar-Gewinnerin, die nebenbei noch seine Ehefrau ist (Julianne Moore) ins Team geholt, sondern auch ein Drehbuch verfilmt, das auf der Vorlage eines bereits oscarnominierten Films basiert. Schon 2006 fand der Stoff von After the Wedding (im Deutschen: „Nach der Hochzeit“) als schwedisch-dänisches Drama unter der Regie von Susanne Bier den Weg auf die große Kinoleinwand. Damals hießen die reiche Theresa und die hilfsbereite Isabel noch Jørgen und Jacob. Dadurch dass die Hauptrollen jetzt, 13 Jahre später durch zwei Frauen verkörpert werden, soll die Geschichte dringlicher und zeitgemäßer wirken, so Freundlich.

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Trailer zu „Atfer the wedding“

Amerikanisiert

Doch manchmal funktioniert es einfach nicht nur das Geschlecht der Hauptcharaktere zu verändern, um einem Remake eine neue moderne Note zu verleihen. Natürlich versucht Freundlich auch durch neuere Technologie, szenische Kamerafahrten und Landschaftsaufnahmen zu punkten. Doch dabei geht After the Wedding in einer hollywoodisierten Aufmachung genau das verloren, was das Familiendrama eigentlich ausmacht.

„Es ist eine Geschichte, die in der wahren Welt spielt. Wir alle können uns darin wiedererkennen. Ich war fasziniert davon und wollte dieser Form menschlicher Schwäche nachspüren. Ebenso wollte ich einen genaueren Blick auf die Freuden werfen, die von den Menschen ausgehen, mit denen wir im Verlauf unseres Lebens Beziehungen eingehen.“

Bart Freundlich, Regisseur

Tränen ohne Emotionen

Eben diese menschliche Schwäche, die Emotion, die Nähe zu den Charakteren fehlt dem Streifen jedoch an vielen Stellen. Kalt lässt der Film den Zuschauer zwar nicht, agiert in seinen Emotionen jedoch berechenbar. So drückt After the Wedding auf die Tränendrüse ohne wirklich zu berühren. Dafür sind die Dialoge zu seicht und die Aufmachung zu strahlend.

Isabel (Michelle Williams) reist von Kalkutta nach New York um Geld für das Waisenhaus zu sammeln (Bild: Telepool 2019)

Ganz schön geheimnisvoll

Besonders die Handlung von After the Wedding zieht die Zeit im Kinosessel in die Länge. Denn immer und immer wieder wird der Zuschauer mit einer neuen Frage, einem neuen Mysterium, einem neuen potentiellen Höhepunkt der Geschichte konfrontiert. Was eigentlich durchaus Spannung generieren könnte, wird nach der vierten Auflösung aber schnell zur Routine.

Fazit

Das Remake After the Wedding schafft es leider nicht wirkliche Gefühle zu vermitteln. In der stark amerikanisierten und polierten Fassung passen Schauspieler und Bilder, während Dialoge und Aufbau des Streifens jedoch enttäuschen.

After the Wedding startet am 17. Oktober in den deutschen Kinos.