Konzertreview

Lorde bringt “Virgin” ins römische Amphitheater von Pula

/ / Foto: Heji Shin / Universal Music Group

Am 18. August hat Lorde ihre Ultrasound Tour ins Amphitheater von Pula in Kroatien gebracht. Als Weiterführung der Welttournee zu ihrem Album “Virgin” ist die 29-jährige Sängerin zum zweiten Mal in ihrer Karriere in ihrem zweiten Heimatland Kroatien aufgetreten. 

Bereits in den frühen Morgenstunden hat die Vorfreude bei den größten Fans begonnen. Viele haben sich nämlich trotz des kroatischen Hochsommers schon am Morgen vor dem Amphitheater angestellt. Diese durften den ganzen Tag vor der Venue verbringen, die sich von den anderen während Lordes Festival-Run vermutlich stark unterscheidet. 

Das römische Amphitheater in Pula ist eines der bedeutsamsten antiken Bauwerke Kroatiens. Der Bau begann unter Kaiser Augustus zu Beginn des 1. Jahrhunderts und wurde später unter der flavischen Dynastie weiter ausgebaut. Es gilt als das sechstgrößte römische Amphitheater und als eines der besterhaltenen der Welt. Früher fanden dort Gladiatorenkämpfe, Tierjagden und öffentliche Veranstaltungen statt. 

Da es bis heute gut erhalten ist, wird es auch weiterhin genutzt. Statt Kämpfen werden dort heute beispielsweise Filme gezeigt und statt Gladiatoren dürfen Künstler:innen wie Nick Cave, Sting und natürlich auch Lorde auftreten. 

Dobro veče, Pula!

Auch von den Plätzen, die am weitesten von der Bühne entfernt waren, hatte man wegen der Struktur des Theaters einen wahnsinnig schönen Ausblick. Nach dem Einlass gegen 18:30 Uhr begann die Sonne langsam über dem nahegelegenen Meer unterzugehen. 

Als die Vorband Smerz bereits eine Stunde nach Einlass die Bühne betrat, wurde auch die Hitze langsam erträglicher. Das norwegische Duo ist mit wenigen Instrumenten aufgetreten. Ein Ventilator, der in Richtung einer der beiden Musikerinnen gerichtet war, war somit fast schon der Hauptgegenstand, der das minimale Bühnenbild bereichert hat. Auch der Musikstil unterschied sich stark von Lordes. Die experimentellen Electro- und Alt-Pop-Klänge sorgten für einen eher ruhigen Einstieg in den Abend.

Live, Laugh, Lorde 

Nachdem die Vorband fertig war, wurde Lordes Bühnenbild langsam aufgebaut. Sogar ein kleiner Wasserspender wurde auf die Bühne gebracht. 

Gegen 21:00 Uhr wurde auf der großen Leinwand endlich das Intro, auf das alle gewartet hatten, projiziert. Wenige Sekunden später war Lorde zum ersten Mal zu sehen: hinter den Kulissen, mit EKG-Elektroden beklebt und einem Mikrofon in der Hand. Das Gejubel, das seitdem die Lichter gedämmt wurden zu hören war, wurde immer lauter. Im wahrsten Sinne des Wortes “Ultrasound” war der ganze Beginn ihres Auftritts thematisch passend. Auch Vitalwerte wie ihr Herzschlag und ihr Blutdruck waren zu sehen. 

Es war für jeden etwas dabei 

Mit ihrem Lied “Royals” hat das Konzert dann schließlich begonnen. Die Setlist war dabei eine gute Mischung aus alten und neueren Liedern. Auch wenn man sonst kein großer Lorde-Enthusiast ist, waren definitiv Songs wie “Ribs” oder “Buzzcut Season” dabei, zu denen jeder mitsingen und springen konnte. 

Im Mittelpunkt stand aber natürlich Lordes neuestes Album “Virgin”

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Erwachsenenleben, Körperlichkeit, Sexualität, Beziehungen und Identität sind einige der Themen, die die Sängerin auf ihrem vierten Album behandelt. Mit “David” folgt gegen Ende einer der emotionalen Höhepunkte des Albums, und auch des Konzerts.  

“Said, ‘Why do we run to the ones we do?’ 

I don’t belong to anyone, 

I made you God ’cause it was all 

That I knew how to do 

But I don’t belong to anyone” 

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Auch die Crowd wurde in den Auftritt einbezogen. Schon zu Beginn des Liedes wurde eine riesige Flagge über einen Großteil des Stehbereichs ausgebreitet, auf der Teile der Lyrics standen. Genau das sorgte kurz vor dem Ende für einen Moment, der wohl jedem in Erinnerung bleiben wird. Die Fans unter der Flagge haben diese teilweise auch unterschrieben, während andere diese nur beobachtet haben. In dem Moment war nämlich nicht Lorde der Mittelpunkt, sondern die Fans, die Teil des Auftritts wurden. 

Marija, Marija, Marija

Nicht nur dieser Teil war spektakulär, sondern das ganze Konzert über hat Lorde wirklich alles gegeben. Von Costume Changes und Bühnenbildwechseln bis hin zu Choreos mit ihren Tänzer:innen gab es alles.  

Lorde braucht dabei nicht einmal ein überladenes Bühnenbild, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie rennt über die Bühne, tanzt teilweise fast unkontrolliert und schafft es trotzdem, dass jede Bewegung zur Musik passt. Gerade diese Mischung aus durchgeplanter Performance und Momenten, die komplett spontan wirken, macht sie live so besonders. Dass das alles in einem römischen Amphitheater stattgefunden hat, hat das Konzert einfach nur noch besser gemacht. 

Bild: Sam Penn
Bild: Sam Penn

Ebenfalls haben Fans während der Show mehrmals “Marija, Marija, Marija” gerufen. Die neuseeländische Sängerin heißt mit bürgerlichem Namen nämlich Ella Marija Lani Yelich-O’Connor. Dabei hat Lorde mehrmals erwähnt, wie viel dieser Auftritt in Kroatien ihr und ihrer Familie bedeutet. Während ihrer Reden hat sie sich auch mehrfach auf Kroatisch bedankt. 

Die Balkanstaaten werden von größeren Künstler:innen öfter ausgelassen, weshalb die Show für die Fans in der Arena wohl genauso bedeutsam war wie für Lorde selbst.  

Lorde hat versprochen, während ihrer nächsten Tourneen immer einen Abstecher nach Kroatien zu machen. Ob sie dieses Versprechen hält, werden Fans wohl erst bei der nächsten Tour erfahren.