Portrait

Die Chroniken der Murdoch-Dynastie 

/ / Wikimedia Commons / Hudson Institute (CC 2.0)

Ein globales Mediennetzwerk, das Regierungen stürzt, Wahlen beeinflusst und den Diskurs im westlichen Raum seit Jahrzehnten prägt: Die Geschichte der Familie Murdoch ist nicht nur ein Lehrstück über unternehmerische Skrupellosigkeit und publizistische Macht, sondern vor allem ein hochexplosives Familiendrama, mit dem sich unsere Redakteurin Emily Hähnlein beschäftigt hat.  

Rupert Murdoch stampfte seit dem Beginn seiner Karriere im Australien der Nachkriegszeit, ein beispielloses Medienkonglomerat aus Boulevardblättern, Tageszeitungen und dem international berühmt-berüchtigtem Fox News aus dem Boden. Doch hinter den Kulissen dieses einflussreichen Imperiums tobte jahrzehntelang ein erbitterter, filmreifer Erbstreit. 

Von der Lokalzeitung zum globalen Imperium 

Geboren 1931 in Melbourne, erlebte Rupert Murdoch von Kindesbeinen auf, die Bedeutung von Einfluss und Macht. Sein Vater, Sir Keith Murdoch, war ein erfolgreicher Verleger und Unternehmer, der seinen ältesten Sohn Rupert früh als Nachfolger aufbauen wollte.  Die Wurzeln des Medienimperiums reichen bis ins Jahr 1952 zurück:. Nach dem Tod seines Vaters, erbte der junge Rupert Murdoch das väterliche Medienunternehmen, damals bestehend aus einem Radiosender und zwei Zeitungen.  

“My father left me with a clear sense that the media was something different.” 

Rupert Murdoch

In seiner neuen Rolle als junger Medienunternehmer erkannte Murdoch bereits früh die Kurzlebigkeit im Journalismus und setze schon im Australien der fünfziger Jahre auf Berichterstattung mit Boulevardelementen, ein Muster, dass sich in den darauffolgenden Dekaden im Murdoch’schen Medienkosmos noch bewähren sollte.  

Der Aufstieg als Eroberungsfeldzug 

Der junge Murdoch weitete seine Marktpräsenz aber schnell über sein Heimatland hinaus aus. In den 60er und 70er Jahren begann er sich auf dem UK-Markt einzukaufen. innerhalb kürzester Zeit erwarb Murdoch traditionsreiche, aber kriselnde britische Zeitungen wie The Sun und The Times. Er erfand den britischen Boulevardjournalismus neu: noch provokanter, sensationsgieriger und aggressiver.  

Dann der Sprung in die Vereinigten Staaten. In den 1980er Jahren betrat Murdoch den US-Markt. Mit der Gründung der Fox Broadcasting Company schuf er das vierte große US-Fernsehnetzwerk, das das traditionelle Fernsehen herausforderte und später durch Fox News den politischen Diskurs in den Vereinigten Staaten maßgeblich formte. 

Es steht fest: Ob das Wall Street Journal, die New York Post oder das australische Mediennetzwerk – unter seinen Dachgesellschaften News Corp und Fox Corporation bündelte Murdoch ein Imperium, dessen Reichweite weltweit ihresgleichen sucht. 

Who’s gonna be the Successor?  

Lange Zeit galt Rupert Murdochs Nachfolge als eine Frage seines eisernen patriarchalen Willens, wie einst bei seinem Vater. Doch die Erbschaftsregelung erwies sich dann doch als etwas komplexer. Im Zentrum des Konflikts stand der 1999 gegründete, unwiderrufliche Murdoch-Familientreuhandfonds, den Murdoch nach der Scheidung von seiner zweiten Frau und Mutter seiner drei Kinder, Anna Murdoch Mann, ins Leben rief. Der sah vor, dass die Stimmrechte für das Medienimperium nach Ruperts Tod zu gleichen Teilen an seine vier ältesten Kinder übergehen sollten: Lachlan, James, Elisabeth und Prudence. Murdoch Mann gab für diese Regelung große Teile ihrer eigenen Rechte innerhalb des Unternehmens auf.  

Im Laufe der Jahrzehnte zeichnete sich aber ab, dass die Geschwister völlig unterschiedliche politische und unternehmerische Visionen verfolgten: Rupert Murdoch sah sein Lebenswerk in Gefahr. Insbesondere James Murdoch hatte sich als Kritiker der konservativen, teils polarisierenden Ausrichtung von Fox News positioniert. Um die politische DNA der Unternehmen zu sichern, startete Rupert Murdoch gemeinsam mit seinem ältesten und seiner Weltanschauung am engsten verbundenem Sohn Lachlan eine geheim gehaltene, juristische Offensive – intern oft als „Project Harmony“ bezeichnet. 

Die Statuten des Trusts sollten nachträglich so geändert werden, dass Lachlan nach dem Tod des Vaters die alleinige und unangefochtene Kontrolle über die Stimmrechte erhält, während seine Geschwister leer ausgehen sollten. 

Eskalation vor Gericht und der finale „Buy-Out“ 

Der Konflikt eskalierte in einer juristischen Auseinandersetzung vor einem Gericht in Nevada. Auf der einen Seite Rupert und Lachlan Murdoch, auf der anderen Seite die drei Geschwister James, Elisabeth und Prudence. 

Der juristische Prozess offenbarte tiefe Abgründe. Ein Gerichtsprozess und monatelange, erbitterte Rachespiele mit Dutzenden hochbezahlten Anwälten legten offen, wie stark das Vertrauen innerhalb der Familie zerrüttet war. Der Machtkampf fand schließlich eine teure, aber abschließende Lösung durch einen milliardenschweren Vergleich. 

James, Elisabeth und Prudence Murdoch akzeptierten im Rahmen der Einigung, aus dem direkten Kreis des Trusts auszuscheiden. Die drei Geschwister erhielten als Abfindung jeweils Summen im Milliardenbereich für ihre Anteile – verbunden mit strengen Non Disclosure Agreements, die ihnen jahrelang untersagen, aktiv in die Geschäfte von Fox und News Corp einzugreifen. 

Damit ging der Plan des Patriarchen im Kern auf. Lachlan Murdoch verblieb als unangefochtener Chef und alleiniger Steuermann an der Spitze des verbliebenen Medienimperiums. 

“Money is not the motivating force. It’s nice to have money, but I don’t live high. What I enjoy is running the business.”

Rupert Murdoch

Die Causa der Murdoch-Succession beleuchtet die Schattenseiten grenzenloser unternehmerischer Macht. Rupert Murdoch hat es geschafft, die Medienlandschaft auf drei Kontinenten maßgeblich mitzugestalten und den Ton in der politischen Debatte der Gegenwart massiv mitzubestimmen. Doch der Preis dafür war hoch: Das Bestreben, das eigene Lebenswerk vor innerfamiliärer Einflussnahme zu schützen, führte zu einem tiefen, unversöhnlichen Bruch zwischen Murdoch und seinen Kindern. 

Am Ende steht die Erkenntnis, dass selbst die mächtigste Mediendynastie der Welt zwischenmenschlichen, familiären Konflikten nicht entkommen kann. Während Lachlan Murdoch das Erbe nun in die Zukunft führt, bleibt die Geschichte der Familie Murdoch ein mahnendes und faszinierendes Beispiel, wie hart der Kampf um Deutungshoheit und Einfluss in der modernen Welt geführt wird – und dass bei kompromisslosen Hardlinern nicht mal Blut dicker ist als das Streben nach unbegrenzter Macht.